Hannover 96 will es Freitag auch auf Schalke wissen

4:0- Sieg über Ingolstadt war mehr als ein Befreiungsschlag

HANNOVER (kd). Hannover 96 scheint den Ernst der Lage erkannt zu haben. Wie sonst ließe sich der 4:0 (3:0)-Heimsieg der 96er über den auswärts so starken Aufsteiger FC Ingolstadt 04 erklären, der zuvor in sieben Auswärtsspielen nur drei Gegentore kassiert hatte. So viele Tore, wie sie die „Roten“ am Sonnabend vor 35.000 Zuschauern in der bei weitem nicht ausverkauften HDI-Arena in Hannover bereits nach 24 Minuten erzielen konnten.
Nun gilt es, das Eisen zu schmieden, so lange es noch heiß ist. Den Beweis ihrer wiedergewonnenen Stärke müssen die Hannoveraner in den noch ausstehenden Begegnungen der Hinrunde am Freitag, 4. Dezember, um 20.30 Uhr in der Veltins-Arena beim FC Schalke 04 und eine Woche darauf am 12. Dezember beim Schlusslicht TSG Hoffenheim nun bestätigen, bevor es zum Abschluss der Hinrunde zu Hause gegen den deutschen Rekordmeister FC Bayern München am 19. Dezember um Bonuspunkte geht.
Die Mannschaft von Trainer Michael Frontzeck überraschte den Gegner, der immerhin die viertbeste Auswärtsmannschaft der Bundesliga ist, mit druckvollem Angriffsspiel sowie agressivem Forechecking, was den Bundesliga-Neuling dann immer wieder zu Fehlern zwang, die von Hannover 96 konsequent bestraft wurden. Das erste Mal bereits in der 5. Minute, als Marcelo einen Kopfball nach einem Eckball von Miiko Albornoz zur 1:0-Führung einköpfte. Die „Schanzer“ aus Ingolstadt hatten sich von dem Schock noch nicht erholt, da stand es bereits in der 11. Minute nach einem platzierten Kopfball von Leon Andreasen 2:0, dem eine Flanke von Kenan Karaman vorausging, der sich zuvor geschickt gegen seinen Bewacher durchsetzte. Der 21-jährige deutsch-türkische offensive Mittelfeldspieler, der vor zwei Jahren von der TSG Hoffenheim zu den „Roten“ wechselte, krönte in der 24. Minute seine gute Leistung, in dem er nach einem Konter, den Uffe Bech eingeleitet hatte, auf 3:0 erhöhte, was bei den 96-Anhängern berechtigterweise bereits Begeisterungsstürme hervorrief.
Nicht so bei 96-Coach Michael Frontzeck, der die Partie wie immer sachlich analysierte: „Wir wussten, das es ein elementar wichtiges Spiel für uns ist. Großes Kompliment an meine Mannschaft. Es freut mich heute besonders, dass die Zuschauer mal wieder einen Heimsieg sehen konnten. Noch haben wir aber mit dem Mittelfeld der Tabelle nichts zu tun.“ Bezeichnend auch der Kommentar von Ingolstadts Trainer Ralph Hasenhüttl, der schnell erkannte, dass es für seine Mannschaft an diesem Tage nichts zu holen gab. „Wir waren in der Saison noch nie so unterlegen wie heute. Wir hatten der Wucht und der Dynamik von Hannover nichts entgegensetzen können. Das war heute eine Lehrstunde für uns. Wenn bei uns nicht alles passt, haben wir in der Liga nichts zu melden."
Dass dann auch noch mit Uffe Bech einer der stärksten 96-Spieler in der 85. Minute mit dem 4:0 den Schlusspunkt setzte, ließ die Stimmung in der HDI-Arena überschwappen. Diese Leistung der 96er, die an diesem Tage auf allen Positionen besser besetzt waren, und auch in dieser Höhe verdient gewannen, lässt die Hoffnung zu, dass die 96er-Spieler den Ernst der Lage erkannt haben und sich gerade noch rechtzeitig mit Macht gegen den drohenden Abstieg stemmen, von dem die 96er nun als Tabellenvierzehnter mit 14 Zählern vier Punkte entfernt sind.
Bereits am Freitag, 4. Dezember, gilt es nun, beim FC Schalke 04 um 20.30 Uhr den Beweis anzutreten, dass die Hannoveraner begriffen haben, worauf es ankommt. Ein Unternehmen, das vom Erfolg gekrönt werden kann, sofern die 96er so couragiert auftreten wie sie es zu Hause gegen den FC Ingolstadt 04 und bereits zuvor trotz der 1:2-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach taten. Da die „Roten“ in ihren bisherigen sieben Auswärtsspielen bereits acht Punkte holen konnten, ist am Freitag auch auf Schalke etwas machbar. Zumal die Königsblauen nun bereits seit fünf Spielen ohne Sieg sind und auch ihr Trainer André Breitenreiter nach anfänglichen, beachtlichen Erfolgen und großer Euphorie bereits in das Fadenkreuz der Kritik gerückt ist, was bei den Gelsenkirchenern allerdings nichts Außergewöhnliches ist.
Mit nunmehr 21 Punkten trennt den FC Schalke 04 nach dem unglücklichen 1:1- Unentschieden durch ein Eigentor von Sascha Riether bei Bayer 04 Leverkusen als Tabellenachter zwar nur das schlechtere Torverhältnisse von den internationalen Plätzen, doch ist der Erwartungshorizont des allmächtigen Schalker Aufsichtsratvorsitzenden Clemens Tönnies um einiges höher aufgehängt. Daher bleibt abzuwarten, ob auf Schalke neben der Personalie um den Verbleib von Manager Horst Heldt auch noch eine Trainerdiskussion aufkommt, für die Hannover 96 am Freitag mit einem Auswärtssieg sorgen könnte. André Breitenreiter ist auf jeden Fall sicher: „Wir haben heute überzeugend gespielt und eine Schalker Mannschaft gesehen, die total intakt ist. Wir haben jetzt noch drei Spiele bis zum Winter, für die wir uns viel vornehmen. In der Winterpause wird eine Bilanz gezogen."