Hannover 96 will bei der Bayern-Meisterfeier zum Spielverderber werden

Letztes Heimspiel endete mit einem 1:0-Sieg über TSG Hoffenheim

HANNOVER (kd). Mit dem Gastspiel in der Allianz-Arena in München nimmt Hannover 96 am Sonnabend, 14. Mai, von 15.30 Uhr an nach 14-jähriger Zugehörigkeit Abschied von der Fußball-Bundesliga. Dass dies ausgerechnet beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München vor einer bis auf den letzten Platz besetzten Arena geschieht, kann für die Mannschaft von Trainer Daniel Stendel nur ein schwacher Trost sein. Allerdings kann der Absteiger noch einmal für positiven Gesprächsstoff sorgen, wenn es ihm mit einem Punktgewinn gelingen sollte, Spielverderber für den bereits feststehenden deutschen Meister zu spielen. Vor einer Woche gelang dies bereits der Mannschaft von Borussia Mönchengladbach mit dem 1:1-Remis, wodurch die Mannschaft des scheidenden Meistertrainers Pep Gardiola den Gewinn ihres vierten Meistertitels in Serie noch einmal um eine Woche verschieben musste.
Am Sonnabend wird die Meisterfeier in München ganz im Zeichen des Abschieds von Bayerns Trainer Pep Gardioala stehen, der trotz des 2:1-Sieges seiner Bayern über Atletico Madrid mit seiner Mannschaft den Einzug in das Finale der Champignons League verpasst hat. Zu überschwänglichen Feierlichkeiten wird bei den Bayern kein Spielraum sein, da für den deutschen Meister trotz des verpassten Champions-Finale, im Gegensatz zu den 96ern, die Saison noch nicht vorbei ist, da der FC Bayern München in zwei Wochen am 21. Mai im Berliner Olympiastadion noch im Endspiel des DFB-Pokalfinales gegen Borussia Dortmund steht. Da es in diesem Duell gegen den Tabellenzweiten Dortmund für die Bayern nicht nur ums Prestige geht, werden sich die Bayern-Spieler am letzten Spieltag gegen Hannover 96 aller Voraussicht nach gewaltig ins Zeug legen, um im DFB--Pokalfinale in der Anfangsformation zu stehen.
Hannover 96 hingegen möchte auch beim deutschen Rekordmeister aus München den Aufwärtstrend fortsetzen, den Trainer Daniel Stendel seit seiner Übernahme als Cheftrainer entfacht hat. Acht Punkte konnte der 42-jährige Trainerneuling seit seinem Amtsantritt in nur fünf Spielen holen. Eine tolle Quote, die hochgerechnet auf 34 Spiele sogar zu einem Platz in der Europa League ausgereicht hätte. Doch schafften es Stendels Vorgänger Michael Frontzeck und Thomas Schaaf nicht, in zuvor 28 Spielen mit nur 17 Punkten das Feuer bei der teuersten Mannschaft der Vereinsgeschichte zu entfachen, wobei die desolate Transferpolitik der 96-Verantwortlichen ein gerütteltes Maß dazu beitrug.
Wie es auch anders geht, stellte einmal mehr Daniel Stendel unter Beweis, der gegen die TSG 1899 Hoffenheim nach dem überragenden 19-jährigen Stürmer Naoh-Joel Sarenren-Bazee aus Celle dem eben so alten Innenverteidiger Waldemar Anton nun mit dem 20-jährigen Außenverteidiger Fynn Arkenberg für den verletzten Hiroki Sakai einen weiteren Nachwuchsspieler aus dem Hut zog, der seine Feuertaufe gegen die TSG Hoffenheim mit Bravour bestand. Ein Riesenkompliment an die „Roten“ und ihren Trainer, denen zweifellos die Tatsache zugute kommt, dass sie nach dem feststehenden Abstieg jetzt ohne jeglichen Druck und Belastung aufspielen können. Wie wertvoll der Sieg gegen die TSG Hoffenheim mit ihrem erst 28-jährigen Trainer Julian Nagelsmann wiegt, verrät ein Blick auf die Statistik. So reisten die Kraichgauer unter ihrem neuen Trainer mit einer Erfolgsbilanz von 22 Punkten aus den letzten neun Spielen an, ehe die Serie in Hannover zu Ende ging.
In erster Linie ein Verdienst des schnellen Naoh-Joel Sarenren-Bazee, der in der 28. Minute auf der rechten Seite seinem Bewacher Ermin Bicakcik enteilte und überlegt zur Mitte zu dem mitgelaufenen Hiroshi Kiyotake passte, der mit einem Linksschuss mit einiger Mühe TSG-Torhüter Oliver Baumann bezwingen konnte. Die 1:0-Führung vor 38.096 Zuschauern reichte in der HDI-Arena den 96ern dann bereits aus, um als 1:0-Sieger im vorerst letzten Bundesligaheimspiel die Arena zu verlassen.
Die Mannschaft und auch die Zuschauer hatten vor Beginn des Spiels ihrem bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückten 96-Jungprofi Niklas Feierabend in der Form gedacht, indem alle 96-Spieler mit der Trikotnummer 38 von Niklas Feierabend aufliefen und ihrem toten erst 19-jährigen Mannschaftskameraden statt mit einer Schweigeminute mit Applaus gedachten. „Ganz so, wie es sich Niklas gewünscht hätte", wie die 96er verlauten ließen.