Hannover 96 steht vor Bundesliga-Rückkehr

Die „Roten“ gewinnen das Spitzenspiel gegen VfB Stuttgart

REGION HANNOVER. Eine mit 49.000 Zuschauern bis auf den letzten Platz belegte Kulisse, wie bei dem mit Spannung erwarteten Topspiel in der HDI-Arena zwischen Hannover 96 und dem VfB Stuttgart, das die „Roten“ nach einem Alleingang durch ein Tor von Felix Klaus (40.) verdient mit 1:0 (1:0) gewannen, wird es am Sonntag um 15.30 Uhr in dem voraussichtlich letzten Zweitligaspiel für Hannover 96 beim SV Sandhausen nicht geben.
Doch wird die Stimmung in dem mit 15.414 Zuschauer fassenden Hardtwaldstadion in Sandhausen, einer nur 14.572 Einwohner großen Gemeinde vor den Toren Heidelbergs im Rhein Neckar Kreis in dem restlos ausverkauften Stadion ebenso prächtig und stimmungsvoll sein, was daran liegt, dass die Arena fest in der Hand der 96-Fans liegen wird, die sich in Erwartung des Aufstiegs bereits rechtzeitig mit Eintrittskarten eingedeckt hatten.
„Ich war mir vorher bereits sicher, dass wir gegen Stuttgart gewinnen werden“, gab sich Hannovers Trainer André Breitenreiter zuversichtlich, der seit der Übernahme des Traineramtes von Daniel Stenzel im März imposante 20 von möglichen 24 Punkten geholt hatte und in den acht Spielen ohne Niederlage blieb. Der Optimismus des Erfolgstrainers strahlte auch auf die Mannschaft aus, die vor allem in der Defensive in allen Spielen unter seiner Regie so gut wie nichts zuließ. „Eine tolle Quote“, findet auch der Trainer, der vom ersten Tag an überzeugt war, dass seine Mannschaft aufsteigen wird.
Mit dem Sieg gegen den VfB Stuttgart zog Hannover 96 nicht nur mit 66 Zählern nach Punkten mit dem Tabellenführer VfB Stuttgart gleich. Beide Mannschaften riskierten in der kampfbetonten Partie nicht all zu viel und waren mehr auf Torsicherung als auf bedingungslose Offensive bedacht, obwohl in ihren Reihen mit Stuttgarts Simon Terodde (23 Tore) und dem 96er Martin Harnik (17 Treffer) die beiden erfolgreichsten Torschützen der 2. Bundesliga standen.
Was allerdings einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Spiel nahm, waren die Nachrichten, die von der Bielefelder Alm die HDI-Arena erreichten. So führte Arminia Bielefeld bereits nach 24 Minuten mit 2:0 gegen den Aufstiegskonkurrenten Eintracht Braunschweig, was von den 49.000 Zuschauern in der ausverkauften HDI Arena mit ohrenbetäubenden Jubel gefeiert wurde. Mitte der zweiten Hälfte flammte dann gleich viermal orkanartiger Jubel auf, als Arminia Bielefeld gegen Eintracht Braunschweig auf 6:0 erhöhen konnte.
Der Zwischenstand steigerte zwar die Partylaune auf den Rängen, doch auf dem Platz spielte sich das Geschehen immer mehr im Mittelfeld ab. Offensivaktionen wurden immer seltener. Erst in der Schlussviertelstunde nahm das Topspiel noch einmal an Fahrt auf. Martin Harniks Flugkopfball wurde von VfB-Keeper Mitchell Langerak (75.) gerade noch pariert. Zehn Minuten später setzte Martin Harnik nach Flanke des eingewechselten Kenan Karaman (85.) den Ball an den Pfosten und vergab damit die Vorentscheidung.
Die schwache Chancenverwertung hätte sich beinahe gerächt. So musste Salif Sané gegen den durchgebrochenen Simon Terodde die Notbremse ziehen (87.), was eine klare Verhinderung einer Torchance war und regelkonform mit der roten Karte und einer Sperre von zwei Spielen bestraft wurde. Den fälligen Freistoß zirkelte Alexandru Maxim in der 88. Minute nur Zentimeter am Tor vorbei. Der VfB probierte in Überzahl noch einmal alles, kam aber nicht mehr gefährlich vor das Tor der Hannoveraner.
Zur Freunde der 96-Fans blieb es beim 1:0-Sieg. Damit rückt Hannover 96 mit 66 Zählern und 50:31-Toren auf Rang zwei hinter den mit 66 Punkten und 59:36 Toren führenden VfB Stuttgart vor. Beide Vereine können am Sonntag den direkten Aufstieg aus eigenen Kraft realisieren. Während die Stuttgarter die auf einem Abstiegsplatz stehenden Würzburger Kickers empfangen, muss Hannover 96 bei dem Tabellenelften SV Sandhausen antreten. Allerdings müssen die „Roten" mit dem rotgesperrten Salif Sanè sowie ohne die gelbgesperrten Martin Harnik (5. gelbe Karte) und Edgar Prib (10. gelbe Karte) gleich auf drei ihrer absoluten Leistungsträger verzichten.
Dennoch gibt sich Andrè Breitenreiter zuversichtlich. „Wir haben einen guten Kader und können die drei ersetzen“, ist sich der 96-Trainer sicher. Wohl auch in dem Bewusstsein, dass mit Eintracht Braunschweig der Dritte im Bunde der Aufstiegsaspiranten jetzt mit 63 Zählern nicht nur drei Punkte von seiner Mannschaft trennt, sondern auch das mit 48:35-Treffern gleich um sechs Treffer schlechtere Torverhältnis gegenüber den 96ern, was selbst bei einer Niederlage der „Roten“ in Sandhausen von der Braunschweiger Eintracht im Heimspiel gegen den Absteiger Karlsruher SC nicht so schnell aufgeholt werden kann.
Daher kann man Trainer Andrè Breitenreiter nur beipflichten, als er sagte: „Wir sind noch nicht durch. Aber ich bin mir sicher, dass sich unsere Spieler das nicht mehr nehmen lassen.“ Da Wunder bekanntlich sehr selten geschehen, darf man der Mannschaft und den Fans von Hannover 96 schon heute zur Rückkehr in die 1. Bundesliga gratulieren.
Klaus Depenau