Hannover 96 muss jetzt liefern

Petra Borchers aus Lehrte gewinnt Sitzplatz-Tickets gegen 1. FC Nürnberg

HANNOVER. Es wird sich wohl so mancher Fußballfan, der noch kurzfristig eine Eintrittskarte für das heutige Schlagerspiel der 2. Liga um 13 Uhr in der HDI-Arena zwischen dem Tabellenvierten Hannover 96 und dem Spitzenreiter 1. FC Union Berlin erwerben wollte, in diesen Tagen an die Worte von Michail Gorbatschow erinnert haben, der im Oktober 1989 die DDR besuchte und die Mahnung aussprach: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“
Ein Satz des letzten Generalsekretärs des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, der in die Geschichtsbücher eingegangen ist, und auch für die interessierten Besucher zutrifft, die als Nachzügler noch beim Topspiel der 2. Liga mit dabei sein wollten. Doch können sich die Zuschauer, die für das heutige Spiel noch keine Eintrittskarte besitzen, den Weg in die Landeshauptstadt sparen, denn seit Montag steht fest: „Das Heimspiel gegen den neuen Tabellenführer 1. FC Union Berlin ist ausverkauft.“
Hannover 96 weist daher aufgrund des großen Fanaufkommens eindringlich darauf hin, möglichst rechtzeitig mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Im vollen Rund wird mit 49.200 Zuschauern eine ausgelassene Stimmung herrschen. Allein aus der Hauptstadt werden zwischen 6.000 und 8000 Fans der „Eisernen aus Köpenick“ erwartet. Im Moment spricht trotz des Trainerwechsels in Hannover viel für Union, die sich zuletzt in Topform präsentierten und daher zu recht die Mannschaft der Stunde sind. So konnte das Team von Trainer Jens Keller die letzten sechs Partien alle für sich entscheiden.
Während bei Hannover 96 Kenan Karaman nach seiner im Heimspiel gegen TSV 1860 München erlittenen schweren Bänderdehnug im Sprunggelenk wieder einsatzfähig ist, hat sich Noah Joel Sarenren Bazee im Training mit der nigerianischen Nationalmannschaft erneut eine Kniereizung zugezogen und wird aller Voraussicht genau so ausfallen wie Marvin Bakalorz, der wegen einer schweren Erkältung passen musste.
Aufpassen müssen die „Roten“ auf Union-Spieler Steven Skrzybski. Der Linksaußen war in der aktuellen Spielzeit bereits achtmal erfolgreich und bereitete vier Treffer seiner Mannschaftskollegen vor. Auch Sebastian Polter mit vier Toren in nur acht Spielen hat eine gute Trefferquote. Doch braucht Hannover 96 zumindest zu Hause sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. In 12 Heimspielen gingen die „Roten“ nur dreimal nicht als Sieger vom Platz, als sie zwei Remis und eine 0:2-Heimniederlage am 4. Spieltag gegen Dynamo Dresden zuließen.
Die Lage vor den beiden Heimspielen am heutigen Sonnabend gegen den 1. FC Union Berlin und am Dienstag, 4. April, um 17.30 Uhr gegen den 1. FC Nürnberg ist zwar angespannt, aber nicht aussichtslos in Hannover. Der Klub hat sich selbst zum Aufstieg verdammt – und spürt nun den zusätzlichen Druck, in der Tabelle verlorenes Terrain aufholen zu müssen. Aus dem sicheren ist nur noch ein möglicher Aufstiegskandidat geworden. 96 blieb nach der Winterpause in den Startlöchern hängen. Aus vier Punkten Vorsprung vor dem Nichtaufstiegsplatz vier wurde inzwischen ein Rückstand von einem Punkt auf den Relegationsplatz drei.
Man kann es jetzt drehen wie man will, Hannover 96 ist heute gegen Union Berlin und vor allem am Dienstag zu Hause gegen den 1. FC Nürnberg zum Siegen verdammt. Doch wird auch die Begegnung gegen die „Franken“ am Dienstag kein Spaziergang. Mit 17 Punkten aus 13 Auswärtsspielen weisen die Clubberer eine ebenso erfolgreiche Punktausbeute wie die 96er auf, obwohl sie ihren Torjäger Guido Burgstaller, der bis dato 14 Treffer erzielte, in der Winterpause aus finanziellen Gründen an den FC Schalke 04 abgeben mussten.
Allerdings wird der Club derzeit von einem großen Verletzungspech heimgesucht, was dem neuen Trainer Michael Köllner nicht gerade in die Karten spielt. Dennoch gibt sich der 47-Jährige Fußballlehrer, der vor drei Wochen Alois Schwatz ablöste, zuversichtlich, in Hannover „etwas reißen zu können“, wobei der Club-Trainer darauf vertraut, den 2:0-Hinspielsieg wiederholen zu können und auf die achtbaren Ergebnisse zu setzen, die seine Mannschaft bisher gegen die in der Tabelle führenden Mannschaften erzielte.
Da kein Teilnehmer das 96-Spiel beim FC St. Pauli (0:0) richtig tippte, kamen alle, die auf Unentschieden getippt hatten, in den Lostopf. Per Zufallsgenerator wurde Petra Borchers aus Lehrte ermittelt, die somit die beiden Sitzplatz-Tickets gegen den 1. FC Nürnberg gewonnen hat.
Klaus Depenau