Hannover 96 muss in der 2. Liga neu anfangen

Bereits am 5. August beginnt für die „Roten“ die neue Saison

HANNOVER (kd). Es war ein toller Rahmen, den die Spieler von Hannover 96 mit ihrer starken Anhängerschaft am Sonnabend zum Abschluss der Bundesligasaison 2015/2016 noch einmal vor 75.000 Zuschauern in der bis auf den letzten Platz gefüllten Allianz-Arena beim deutschen Meister FC Bayern München genießen konnten. Galt es für Hannover 96 nach zuletzt 14-jähriger dauerhafter Zugehörigkeit zur Bundesliga nach dem bereits feststehenden Abstieg nun Abschied aus der höchsten Spielklasse zu nehmen.
Nicht ohne dem deutschen Rekordmeister vorher noch einen beherzten Kampf anzusagen, bei dem die „Roten“ mit 1:3 (0:2) den Kürzeren zogen. Während sich die Bayern mit ansehnlichem Fußball für das am Sonnabend stattfindende DFB- Pokalfinale in Berlin gegen Borussia Dortmund einstimmten, genossen die 96-Spieler trotz des bereits seit langem feststehenden Abstiegs das Spektakel rund um das Spiel.
Während Pep Gardiola als Coach des FC Bayern München in seinem letzten Heimspiel als Bayern-Trainer gegenüber dem 2:1-Erfolg in Ingolstadt mit Mehdi Benatia, Mario Götze, Arturo Vidal und Kingsley Coman vier neue Spieler für die verletzten Xavi Alonso, Javi Martinez sowie für die auf der Bank sitzenden Thomas Müller und Douglas Costa berief, war 96-Trainer Daniel Stendel im Vergleich zum 1:0-Sieg gegen die TSG Hoffenheim gezwungen, nicht nur den am Oberschenkel verletzten Spielmacher Hiroshi Kiyotake zu ersetzen, sondern kurzfristig auch noch das 19-jährige Supertalent Noah Joel Sarenren Bazee auf Grund von Oberschenkelproblemen. Für die zuletzt überzeugenden Leistungsträger aus Hannover sprangen Edgar Prib und Valmir Sulejmani in die Bresche.
Vor der Überreichung der Meisterschale, die nach dem Spiel FCB-Kapitän Philipp Lahm in Empfang nahm, überraschte Hannover 96 zunächst durch frühes Attackieren, so dass das gefürchtete Kombinationsspiel der Bayern zunächst erst gar nicht zustande kam. Ein kurz ausgeführter Freistoß ermöglichte dem deutschen Rekordmeister nach einer Möglichkeit für Arturo Vidal kurz darauf eine weitere Gelegenheit, als sich die 96er einen folgenschweren Fehler im Aufbauspiel leisteten. Thiago eroberte den Ball an der Mittellinie und leitete ihn an Kingsley Coman weiter, dessen Schuss dann Waldemar Anton unfreiwillig vor die Füße von Robert Lewandowski legte, dessen abgefälschter Schuss aus zwölf Metern in der 12. Minute zur 1:0-Führung für die Bayern im Tor landete, womit der polnische Ausnahmestürmer erstmals seit 1977 wieder die 30-Tore-Marke knackte.
In den entscheidenden Zweikämpfen fehlte 96 leider der Biss. So wie beim 2:0 in der 28. Minute, als Mario Götze locker durch den Strafraum spazieren konnte und frei vor Ron-Robert Zieler zum 2:0 ins Tor schoss. Robert Lewandowski sowie Kingsley Coman, der nur den Pfosten traf (37.), hätten das Ergebnis noch vor der Pause in die Höhe schrauben können, ehe es in der 54. Minute erneut Mario Götze vorbehalten blieb, auf 3:0 zu erhöhen, dem Artur Sobiech (55.) nur noch den Ehrentreffer zum 1:3-Endstand aus Sicht der Hannover entgegen zu setzen hatten.
Für Hannover 96 heißt es, in der neuen Saison in der 2. Bundesliga schnell Fuß zu fassen, um den direkten Wiederaufstieg in die höchste deutsche Spielklasse zu schaffen. Nach vielen personellen Fehlentscheidungen hat Hannover 96 in dieser Saison erst sein bestes Gesicht gezeigt, als der Abstieg nicht mehr zu verhindern war. Mit Trainer Daniel Stendel wurde der Mannschaft „neues Leben eingehaucht“, der Anfang April vom Nachwuchstrainer zum Interimscoach der Profimannschaft befördert wurde und sich angesichts der Ausweglosigkeit seiner Mannschaft im Kampf um den Klassenerhalt zum Ziel setzte, „eine 96-Mannschaft auf den Platz zu bringen, die mit Leidenschaft und Herz spielt“. Das ist dem 42-jährigen Fußballlehrer in so eindrucksvoller Art und Weise gelungen, dass Daniel Stendel von Sportdirektor Martin Bader mit einem Vertrag als Profi-Trainer bis 2018 ausgestattet wurde und seine Mannschaft bis zum Saisonende nur zwei der letzten sechs Bundesligaspiele verlor, aus denen die 96er immerhin acht Punkte holen konnten, nachdem sie in den vierzehn Partien davor nur drei Punkte verbuchen konnte.
Allerdings steht Hannover 96 in der 2. Bundesliga vom Saisonstart an (5. August) unter Druck, um die Zielvorgabe der Geschäftsführung, den direkten Wiederaufstieg innerhalb eines Jahres zu verwirklichen. Man darf gespannt sein, wie Trainer Daniel Stendel in der 2. Bundesliga mit dem Druck des „Gewinnenmüssens“ fertig wird. Für die Trainer im Fußballunterhaus der 2. Liga, wo viele Traditionsklubs, wie der 1. FC Kaiserslautern, VfB Stuttgart, 1860 München, VfL Bochum oder Eintracht Braunschweig, von der Rückkehr in die 1. Liga träumen, ist das eine Stresssituation, so dass es von Beginn an zu einem Hauen und Stechen kommen wird.