Hannover 96 kann sich gegen Hertha BSC nicht wieder auf Glück und Dusel verlassen

Niklas Döll (Lehrte) gewinnt zwei Sitzplatz-Tickets für das Abendspiel

HANNOVER (kd). Hannover 96 meldet sich zurück. Sehr spät, aber nicht zu spät. Durch den wertvollen 2:1 (0:1)-Auswärtssieg beim Hamburger SV am Sonntagabend vor 54.607 Zuschauern im Hamburger Volksparkstadion kletterten die 96er mit 11 Punkten auf den 14. Tabellenrang. Eine Niederlage, nach der es zur Halbzeit bei einem 0:1-Rückstand noch aussah, hätte für Hannover 96 den Absturz auf einen Relegationsplatz bedeutet, was die Mannschaft von Trainer Michael Frontzeck vor dem kommenden Punktspiel am Freitag, 6. November, um 20.30 Uhr in der HDI-Arena gegen Hertha BSC Berlin, die zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach mit 1:4 (0:2) unter die Räder gerieten, noch mehr unter Druck gebracht hätte, als es ohnehin bereits der Fall ist.
Um es kurz zu machen. So groß die Freude über die unerwarteten drei Punkte aus Hamburg auch ist, darf man nicht den Blick für die Realität verschließen. Es hat den Anschein, als wenn die Chefetage von Hannover derzeit mehr mit den strukturellen Dingen, wie der Installation eines Geschäftsführers mit Martin Bader (47) und seines ebenfalls aus Nürnberg geholten sportlichen Leiters Christian Möckel (42) beschäftigt ist, zu dem möglicherweise noch ein Sportdirektor hinzukommt, als mit der dringend benötigten Verstärkung des vorhandenen Spielerkaders. Einmal mehr zeigte sich am Sonntag in Hamburg, dass bis auf den seit Wochen in bestechender Form aufspielenden Japaner Hiroshi Kiyotake, Abräumer und Torschütze Salif Sanè sowie Torhüter Ron-Robert Zieler kein Spieler der Hannoveraner über gehobenes Bundesliganiveau verfügt.
Daher hätten die 96er nach dem Spiel eigentlich Kerzen aufstellen müssen, dass sie noch mit drei Punkten für einen engagierten Auftritt in der 2. Halbzeit belohnt wurden, statt mit einer Niederlage nach Hause zu fahren. Eine gehöriges Maß zum Überraschungssieg der 96er trugen auch die Rothosen aus Hamburg bei, die in der 1. Halbzeit trotz drückender Überlegenheit für ihre fahrlässige Chancenverwertung bitter bestraft wurden. Auch Schiedsrichter Sascha Stegemann aus Niederkassel meinte es gut mit den Hannoveranern, als er eine Minute vor der frühen 1:0-Führung des HSV durch Michael Gregoritsch in der 6. Minute nach herrlichem Flankenlauf von Nico Müller ein klares Handspiel von Artur Sobiech im eigenen Strafraum nicht mit einem Strafstoß ahndete. Pech hatte Hamburgs chilenischer Nationalspieler Marcelo Diaz, als sein Freistoß aus 20 Meter in der 26. Minute nur den Pfosten traf. In der 34. Minute verhinderte Ron-Robert Zieler mit einer Fußparade vor dem freistehenden Nico Müller das 2:0. Es war nicht mit anzusehen, wie desolat sich die Hannoveraner in der 1. Halbzeit beim HSV präsentierten. Daher kam es einer Erlösung gleich, als endlich der Halbzeitpfiff ertönte.
In der Halbzeitpause wechselte Trainer Michael Frontzeck mit dem dänischen Nachwuchsspieler Uffe Bech und dem Franzosen Allan Saint-Maximin zwei Youngster für Manuel Schmiedebach und Felix Klaus ein, was sich belebend auf das bis dato harmlosen 96-Spiel auswirkte. Als in der 58. Minute Sven Schipplock völlig freistehend über das Tor schoss und das zu diesem Zeitpunkt verdiente 2:0 vergab, ahnten wohl schon viele HSV-Anhänger im weiten Rund des Volksparkstadion, dass sich dies noch rächen könnte. Genau so kam es. So sorgte eine ungestüme Grätsche von HSV-Abwehrspieler Emir Sahic an Uffe Beck in der 59. Minute für einen Strafstoß, den Hiroshi Kiyotake nervenstark zum 1:1-Ausgleich verwandelte, womit der Spielverlauf auf den Kopf gestellt war.
Endgültig fiel HSV-Trainer Bruno Labbadia in der 67. Minute vom Glauben ab, als Salif Sanè mit einem Kopfball nach präziser Flanke von Hiroshi Kiyotake das 2:1 glückte. Als dem HSV dann noch in der 87. Minute ein weiterer Elfmeter nach einem Foulspiel von Hiroki Sakai an Nico Müller verwehrt wurde, war die Entscheidung endgültig zu Gunsten von Hannover 96 gefallen. Die Hannoveraner können sich aber nicht immer darauf verlassen, dass ihnen Glücksgöttin Fortuna derart wohlgesonnen bleiben wird. Bereits der kommende Gegner Hertha BSC Berlin, der als Tabellensechster sechs Zähler mehr auf dem Konto als die Hannoveraner hat, wird am Freitagabend um 20.30 Uhr in der HDI-Arena Aufschluss darüber geben, ob die „Roten“ sich nur auf eine Portion Glück und Dusel verlassen müssen, um erfolgreich zu sein oder endlich eine Struktur zu erkennen ist, die für die Zukunft bessere und erfolgreichere Zeiten verspricht.
Immerhin zwölf von insgesamt 243 Teilnehmer/innen an unserem Ergebnis-Tipp-Gewinnspiel hatten den 2:1-Sieg der „Roten“ in Hamburg richtig vorausgesagt. Dazu gehörte auch Niklas Döll aus Lehrte, der per Zufallsgenerator die beiden Sitzplatz-Tickets gegen die Herthaner gewonnen hat.