Hannover 96 kann Klassenerhalt noch aus eigener Kraft schaffen

Stefan Tautorus aus Lehrte gewinnt Sitzplatz-Tickets für Abstiegsendspiel gegen SC Freiburg

HANNOVER (kd). Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Mit dem 2:1 (1:1)-Auswärtssieg beim FC Augsburg ergreift die Mannschaft von Hannover 96 Im Kampf um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga nun den letzten Strohhalm und begibt sich ab Mittwoch in ein dreitägiges Trainingslager nach Ostwestfalen in die Klosterpforte bei Harsewinkel, um sich im Blickfeld eines Klosters in aller Ruhe und Abgeschiedenheit auf das so wichtige Spiel am Sonnabend, 23. Mai, ab 15.30 Uhr zu Hause gegen den SC Freiburg vorzubereiten.
Die Freude über den 2:1-Sieg in Augsburg war allen Akteuren anzumerken. Schließlich hatten die „Roten“ allen Grund zum Jubeln. Fünf Monate, genauer gesagt seit 16 Spielen, wartete Hannover 96 auf einen Sieg. Am Sonnabend glückte ihnen endlich der ersehnte Dreier. Beim 2:1-Sieg in Augsburg schloss sich für die Niedersachsen ein Kreis, denn den bis dahin letzten Erfolg feierten die 96er ebenfalls gegen die Fuggerstädter. Nach dem Sieg durfte sich die Elf von Trainer Michael Frontzeck bei ihrem überragenden Kapitän Lars Stindl bedanken, der mit seinen beiden Toren in der 24. und 54. Minute, jeweils nach Vorarbeit von Jimmy Briand, den Sieg perfekt machte, da der FCA lediglich durch einen Foulelfmeter von Paul Verhaeg (30.) vor 29.899 Zuschauern in der Augsburger SGL-Arena zum zwischenzeitlichen 1:1 ausgleichen konnte.
Einen nicht unerheblichen Anteil am ersten Rückrundensieg der 96er hatte aber auch Schiedsrichter Felix Zwayer, der einige falsche Entscheidungen traf und damit die Hannoveraner begünstigte. „Wir haben das Quäntchen Glück erzwungen“, sagte zwar zu Recht Michael Frontzeck. Ob der 96-Coach mit seiner Aussage auch die Entscheidungen von Felix Zwayer im Blickpunkt hatte, sagte der 51-Jährige allerdings nicht. Doch wird Michael Frontzeck eingestehen müssen, dass seine Mannschaft einige Male mit Fortuna im Bunde war. So ging dem Konter, der in der 24. Minute durch Lars Stindl zur 1:0-Führung führte, ein vom Schiedsrichter nicht geahndetes Handspiel von Christian Schulz voraus. Außerdem übersah er ein deutliches Handspiel von Hiroki Sakai im Strafraum (66.), wofür sich der Schiedsrichter nach dem Spiel sogar bei Augsburgs Manager Stefan Reuter entschuldigte. Um das Maß der Unzulänglichkeiten vollzumachen, verwehrte Felix Zwayer den Augsburgern in der Nachspielzeit nach einer Attacke von Ceyhun Gülselam an Tobias Werner einen zweiten Elfmeter (90. + 4.). Drei Szenen, in denen der Unparteiische nicht richtig lag.
Hannover 96 sollte es letztlich egal sein, zumal sie in den zurückliegenden Spielen von Entscheidungen der Unparteiischen nicht unbedingt profitiert hatten. Durch den Auswärtssieg können sie nun den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen. Voraussetzung ist am Sonnabend in der HDI-Arena allerdings ein Heimsieg gegen den SC Freiburg. Jener Elf aus dem Breisgau, die am vorletzten Spieltag das Kunststück fertig brachte, den FC Bayern München trotz einer 1:0-Führung des deutschen Rekordmeisters durch Bastian Schweinsteiger (13.) noch durch Tore von Admir Mehmedi (33.) und dem erst zwei Minuten zuvor eingewechselten Nils Petersen (88.) mit 2:1 zu besiegen. Damit belegen beide Klubs mit jeweils 34 Punkten als Tabellenvierzehnter und Fünfzehnter die ersten Nichtabstiegsplätze, wobei die Mannschaft von Trainer Christian Streich das um sieben Treffer bessere Torverhältnis gegenüber den „Roten“ aufweist.
Da mit dem Tabellenletzten SC Paderborn 07 (31 Zähler) und dem auf einem Relegationsplatz platzierten VfB Stuttgart (33 Punkte) zwei weitere Abstiegskandidaten am letzten Spieltag aufeinandertreffen, werden zwangsläufig ein oder beide Mitbewerber um den Klassenerhalt punkten. Ganz zu schweigen vom Tabellenvorletzten Hamburger SV (32 Zähler), der im Heimspiel gegen den indisponierten FC Schalke 04 fest mit einem Sieg rechnet, womit er dann auf 35 Punkte kommen würde. Genau so viele Punkte hat Hertha BSC Berlin derzeit auf dem Konto, wobei sich der Tabellendreizehnte nicht zu sicher fühlen sollte, der im abschließenden Saisonspiel bei der TSG 1899 Hoffenheim antreten muss und bei einer Niederlage mit drei Toren Differenz noch auf einen Relegationsplatz abrutschen könnte.
Für Spannung und Dramatik im Abstiegskampf ist also gesorgt. So darf sich selbst das Schlusslicht SC Paderborn 07 bei einem Sieg über den VfB Stuttgart noch Chancen auf das Erreichen von zwei Relegationsspielen ausrechnen, wenn der HSV verlieren oder nur ein Remis holen sollte. Rechenbeispiele, die Hannover 96 nicht tangieren sollten, da sie den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen können und nicht auf fremde Hilfe angewiesen sind. Voraussetzung ist allerdings ein Heimsieg über den SC Freiburg. Bereits bei einem Unentschieden könnte ein Relegationsplatz drohen. Von einer Heimniederlage gegen den SC Freiburg ganz zu schweigen, die im schlimmsten Fall sogar den direkten Abstieg für die „Roten“ bedeuten könnte.
Unnötig Öl ins Feuer goss 96-Sportdirektor Dirk Dufner nach dem 2:1-Sieg des SC Freiburg über den FC Bayern München mit seiner überflüssigen Aussage, dass möglicherweise bald vier oder fünf Vereine den Antrag stellen werden, gegen die Bayern nur noch in den letzten Begegnungen zu spielen, da diese sich im Endspurt hängen ließen, nachdem sie in den Spielen zuvor ihre Gegner hinrichten ließen. Die Äußerung des ehemaligen Freiburger Managers kam im Breisgau nicht gut an, da sie indirekt die Leistungen der Freiburger Spieler bei ihrem Überraschungssieg gegen den deutschen Meister herabwürdigt. Statt sich auf die eigenen Belange zu konzentrieren, um sie mit Sorgfalt zu erledigen, kann man dem all zu forschen Sportdirektor aus Hannover nur die Worte eines römischen Gelehrten ans Herz legen: „Hättest Du lieber geschwiegen, wärest du ein Philosoph geblieben.“
26 Fans von Hannover 96 hatten die Hoffnung nicht ausgegeben und tippten bei unserem Gewinnspiel auf einen 2:1-Sieg der 96er in Augsburg. Dazu gehörte auch Stefan Tautorus aus Lehrte, der per Zufallsgenerator die beiden letzten Sitzplatz-Tickets für das Abstiegsendspiel gegen den SC Freiburg gewonnen hat.