Hannover 96 entwickelt sich zu Hause zu einem Selbstbedienungsladen

Elf von Trainer Michael Frontzeck kassierte die fünfte Heimniederlage

HANNOVER (kd). Es war am 12. Spieltag in der Fußball-Bundesliga wie immer, wenn Hannover 96 zu Hause spielt. Nur mit dem Unterschied, dass die „Roten“ bereits am Freitagabend zum Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin vor 40.200 Zuschauern in die HDI-Arena in ihren Selbstbedienungsladen eingeladen hatte.
Mit Freude nahmen dann auch die Gäste aus der Hauptstadt die Einladung der „Roten“ zum „Tag des offenen Tores“ dankbar an. Wie bereits zuvor die Klubs von Bayer 04 Leverkusen, Borussia Dortmund, VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt, die zuvor allesamt fürstlich von den Roten bewirtet wurden, um dann als Sieger die HDI-Arena zu verlassen. Lediglich Werder Bremen nahm bei seiner 0:1-Niederlage das Angebot von Hannover 96 nicht an, sich als großzügiger Gastgeber zu präsentieren. Als Gastgeber kassierte die Mannschaft von Trainer Michael Frontzeck in ihrem sechsten Heimspiel daher bereits die fünfte Niederlage. Mit nur elf Punkten trennt die Hannoveraner vor der zweiwöchigen Länderspielpause als Tabellenfünfzehnter nur noch ein Punkt von den Abstiegsplätzen.
Einmal mehr zeigte sich am Freitag bei der 1:3 (0:1)-Niederlage gegen Hertha BSC Berlin, dass die Mannschaft von Hannover 96 derzeit einfach nicht bundesligatauglich ist. Und dies trotz eines Hiroshi Kiyotake, Ron-Robert Zieler oder Salif Sané. Von Beginn an fiel den Roten nichts Gescheites ein, um der alten Dame aus Berlin, wie die Hertha genannt wird, einen nachhaltigen Schrecken einzujagen.
Die Berliner waren es auch, die von Beginn an der Partie ihren Stempel aufdrückten und mehr Ballbesitz sowie mehr gewonnene Zweikämpfe zu verzeichnen hatten. Die erste Torannäherung verbuchten ebenfalls die Hauptstädter, deren Bemühungen, etwas Zählbares zu präsentieren, in der 33. Minute zum Leidwesen der Hausherren von Erfolg gekrönt wurden. Nach einem Vorstoß über die linke Seite nahm Genki Haraguchi Fahrt auf und ließ Hiroki Sakai nicht herankommen. Der Querpass des Berliners erreichte Salomon Kalou, der im Strafraum aus verdeckter Position durch die Beine von Miiko Albornoz abschloss und somit Ron-Robert Zieler keine Chance ließ.
Das erste Mal ließen die 96er erst eine Minute vor dem Halbzeitpfiff aufhorchen, als Hiroshi Kiyotake (44.) mit einem strammen Schuss das Tor der Berliner verfehlte. Mit der Führung im Rücken lehnten sich die Berliner zu Wiederbeginn etwas zurück und überließen den Hausherren das Spielfeld. Die 96er, bei denen nun Allan Saint-Maximin für den restlos enttäuschenden Felix Klaus zum Einsatz kam, erlaubten sich in der 60. Minute einen haarsträubenden Lapsus, als sie viel zu offen standen, was die Berliner zu einem perfekten Konter ausnutzten. Ein Zuspiel über Mitchell Weiser erreichte Vladimir Darida, der den Ball zu Salomon Kalou passte, der von der Mittellinie einen Alleingang startete, den auch Marcelo nicht zu stören wusste. Der Ivorer ließ sich auch vom 96-Keeper nicht beirren und schloss den Alleingang sicher zur 2:0-Führung ab.
Von Hannover 96 war auch danach weit und breit nichts zu sehen, was einen Umschwung versprach. Wie aus dem Nichts fiel dann aber dennoch der 1:2- Anschlusstreffer durch Hiroshi Kiyotake, der einen von Marvin Plattenhardt verursachten Foulelfmeter an Uffe Bech in der 70. Minute zum 1:2-Anschlusstreffer verwandeln konnte. Der Treffer verlieh den Hannoveranern neues Selbstvertrauen und gestaltete das bis dato im Grunde einseitig für Berlin laufende Spiel wieder etwas offener. Doch verstanden es die „Roten“ nicht, bis auf einen Distanzschuss von Salif Sanè, das Tor der Berliner ernsthaft in Gefahr zu bringen. So setzen die Herthaner dann auch verdientermaßen in der 87. Minute den Schlusspunkt. Nach einem Foulspiel von Marcelo an Mitchell Weiser gab es berechtigterweise erneut einen Foulelfmeter, den Salomon Kalou mit seinem Dreierpack zum 3:1-Sieg für Hertha BSC Berlin abschloss.
Hannover 96 hat nun durch die Länderspielpause ausreichend Zeit zum Nachdenken, was alles zu verbessern ist. Eines kann man aber trotz erst 12 Spieltagen schon heute sagen. Auch die von Präsident Martin Kind angekündigten drei Winterneuzugänge werden keine Wunder mehr bewirken können. Es sei denn, die 96er wachsen in den noch ausstehenden drei Auswärtsspielen der Hinrunde bei Borussia Mönchengladbach, FC Schalke 04 und der TSG Hoffenheim, sowie den beiden Heimspiele gegen die Auswärtsspezialisten vom FC Ingolstadt 04 und die Übermannschaft vom FC Bayern München über sich hinaus, um das spärliche Punktekonto von erst 11 Punkten nach 12 Spielen bis zum Beginn der Rückrunde entscheidend aufzubessern.