Hannover 96 braucht in den letzten fünf Spielen nötiger denn je die Unterstützung der Fans

Hans Cieplik aus Isernhagen gewinnt die beiden Sitzplatz-Tickets für das Abstiegsduell gegen den Hamburger SV

REGION HANNOVER (kd). Martin Kind, bedauernswerter Präsident von Hannover 96, muss es am Sonntagmittag bereits in der Halbzeit des Bundesligaspiels zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 geahnt haben, als er die unterirdische Vorstellung seiner Mannschaft bei einem Spielstand von 0:2 als „uneingeschränkt inakzeptabel“ bezeichnete. Da ahnte der 96-Chef noch nicht, dass sein bevorstehender 70. Geburtstag am 28. April sogar mit einem Abstieg seiner Mannschaft aus der Bundesliga enden könnte, obwohl der Präsident immer wieder wissen ließ: „Ein Abstieg – das geht für mich gar nicht.“ Auch konnte Martin Kind nach 45 Minuten noch nicht ahnen, dass sich sein Ensemble von Individualisten im zweiten Spielpart bei Eintracht Braunschweig in einer noch schlimmeren Verfassung als in der 1. Halbzeit präsentieren sollte. Folglich sollte sie dann auch gegen eine leidenschaftlich-kämpferische Eintracht-Mannschaft völlig zu Recht durch die Tore von Domi Kumbela (14.), Havard Nielsen (21.) und Jan Hochscheidt (89.) mit 0:3 (0:2) vor 23.325 Zuschauern als Verlierer den Platz verlassen.
Tatenlos musste der Präsident auch mit ansehen, wie Innenverteidiger Andre Hoffmann die Nerven verlor, indem er sich zu einer Tätlichkeit mit einem Tritt gegen seinen Gegenspieler Mirko Boland hinreißen ließ, was zu Recht mit der roten Karte (62.) bestraft wurde. Damit wird Andre Hoffmann am Sonnabend (15.30 Uhr) im Heimspiel gegen den Hamburger SV genauso fehlen wie Szabolcs Huszti, der sich mit einer überflüssigen Grätsche im Mittelfeld die 10. gelbe Karte einhandelte und damit ebenfalls für das HSV-Spiel gesperrt ist.
Doch damit noch nicht genug. Auch der 96-Vorstand musste sich von den in Sonderbussen angereisten 96-Anhängern, die von der Polizei eskortiert wurden, Schmährufe wie „Vorstand raus“ anhören, die in der Aussage gipfelten: „Kind muss weg.“ Dass dann noch bei der Rückkehr der 96- Mannschaft in die HDI-Arena die Polizei mit Wasserwerfern gegen die aufgebrachten 96-Anhängern vorgehen musste, verdeutlicht die angespannte kritische Lage bei den Anhängern von Hannover 96, die sogar mit Böllern in Richtung ihres Trainers Trainer Tayfun Korkut warfen.
„Das ist das Problem bei Hannover 96“, erklärte 96-Idol Carsten Linke gegenüber dem MARKTSPIEGEL. „Während alle anderen gefährdeten Mannschaften den Abstiegskampf längst verinnerlicht haben, hat man bei den 96-Spielern den Ernst der Lage offensichtlich noch nicht erkannt. Man kann über viele Dinge diskutieren, was in der Vergangenheit bei den 96er falsch gelaufen ist. Doch steht eines fest: Wenn man in den verbleibenden fünf Spielen am Sonnabend zu Hause gegen den Hamburger SV und danach gegen Eintracht Frankfurt (A), VfB Stuttgart (H), 1. FC Nürnberg (A) und SC Freiburg (H) noch die nötigen Punkte holen will, um nicht abzusteigen, dann müssen alle Zuschauer und auch die Region wie eine Wand hinter den 96ern stehen. Fans der Vereine Eintracht Braunschweig, Werder Bremen, VfB Stuttgart oder auch der Hamburger SV haben es uns doch in den letzten Spielen vorgemacht, wie eine leidenschaftliche Unterstützung für ihre Mannschaft aussehen kann.“
Bleibt zu hoffen, dass sich die Zuschauer am Sonnabend in der bereits seit längerem ausverkauften HDI-Arena daran erinnern, den Fehlern oder auch dem fehlenden Können der Spieler von Hannover 96 mit Nachsicht zu begegnen. Was die 96-Fans allerdings nach dem leblosen Auftritt ihrer einstigen Lieblinge bei Eintracht Braunschweig nicht verzeihen werden, ist ein nochmaliger Auftritt wie bei der „Eintracht“, wo alle Tugenden fehlten, die einen guten Bundesligafußballer auszeichnen sollten. Dass es bereits längst fünf vor zwölf ist, verdeutlicht ein Blick auf die Tabelle, in der die 96er nach vier Niederlagen in Folge nur noch drei Punkte von einem Abstiegs- und zwei Zähler von einem Relegationsplatz trennt, den ausgerechnet der Hamburger SV mit dem früheren 96-Trainer Mirko Slomka einnimmt.
Nicht auszudenken, wenn auch dieses Spiel gegen den HSV verloren gehen sollte. Dann könnte sich Hannover 96 sogar auf einem Abstiegsplatz wiederfinden. Doch besteht Hoffnung bei den 96ern. Stellt sich doch mit Trainer Mirko Slomka ein Trainer in Hannover vor, dem das Auswärtsgen verloren gegangen ist, wie man auf fremden Plätzen zu drei Punkte kommen kann. Bleibt nur zu hoffen, dass dies auch am Sonnabend mit der HSV-Mannschaft in Hannover der Fall sein wird. Doch wie lautete der Appell von „96-Fußballgott“ Carsten Linke: „Über Fehler unserer 96-Mannschaft müssen wir am Sonnabend hinwegsehen. Das ganze Stadion und auch die Region muss Hannover 96 von der ersten Minute an bis zum Abpfiff bedingungslos unterstützen. Nur dann können wir gemeinsam den Klassenerhalt schaffen!"
Trotz der „Pleitenserie“ in den letzten Wochen hatte der Großteil der Teilnehmer/innen bei unserem Ergebnis-Tipp-Gewinnspiel noch Vertrauen in die „Roten“. Von den insgesamt 486 eingegangenen Tipps trauten immerhin 64 Prozent den 96ern einen Sieg in Braunschweig zu. 23 Prozent sagten ein Remis voraus und 13 Prozent sahen den Tabellenletzten vorn. Zu ihnen gehörte auch Hans Cieplik aus Isernhagen, der als einziger den 3:0-Sieg der Braunschweiger tippte. Damit ist er der Gewinner der beiden Sitzplatz-Tickets für das Abstiegsduell gegen den Hamburger SV.