Handballer müssen sich mit neuen Regeln anfreunden

Das zusätzliche Torwartersatztrikot, wie hier bei Julius Hinz von der TSV Burgdorf II, wird nach den neuen Regeln nicht mehr benötigt. (Foto: st)

Änderungen für alle Spielklassen sind seit 1. Juli in Kraft getreten

ALTKREIS (st). Die Handballer müssen sich in der neuen Saison 2016/2017, die je nach Spielklasse Ende August oder Anfang September beginnt, mit einigen neuen Regeln vertraut machen. Bereits bei den bevorstehenden Olympischen Spielen in Rio werden die Regeln angewandt und auch die Fans werden sich daran gewöhnen müssen, denn seit dem 1. Juli sind die Änderungen in Kraft getreten und betreffen zum größten Teil alle Spielklassen.
Hier einige Erklärungen im Detail:
1. Bisher durfte für den Torwart ein siebter Feldspieler eingesetzt werden, der aber ein besonders Leibchen überziehen musste, um als Torwart gekennzeichnet zu sein und dann auch bei einem nicht geklappten Wechsel die Torwartrolle einnehmen konnte. Der Feldspieler braucht jetzt kein Leibchen mehr anziehen, darf dann aber nicht mehr anstelle des Torwartes den Torraum betreten. Das bevorzugt gut eingespielte Teams und lässt viele taktische Möglichkeiten offen, die auch von den Recken in der vergangenen Spielzeit durchgeführt wurden.
2. Wenn die Schiedsrichter ein Zeitspiel/Passives Spiel anzeigen, darf die angreifende Mannschaft nur noch sechs Pässe oder Zuspiele machen. Sind es mehr, wird Zeitspiel angepfiffen und die verteidigende Mannschaft bekommt ein Freiwurf zugesprochen. Eine schwierige Auslegung für die Unparteiischen, denn die sechs Pässe könnten auch durch Freiwürfe unterbrochen werden oder die heimischen Fans zählen die Pässe lautstark mit.
3. Nach einer medizinischen Behandlung eines Spielers auf dem Hallenboden, wird der verletzte Spieler drei Angriffe seines Teams aussetzen müssen und steht nicht zur Verfügung. Diese Regel soll Schauspielerei oder eine Vortäuschung einer Verletzung unterbinden. Der vermeintlich Verletzte könnte dadurch den Spielfluss hemmen und zum eigenen Vorteil das Spiel verlangsamen. Diese Regel gilt erst ab der 3. Liga, denn in den niedrigen Klassen und in der Jugend sind die Mannschaften oftmals knapp besetzt und dann könnten sie drei Angriffe keinen Ersatzspieler auf das Feld schicken.
4. Eine blaue Karte wird eingeführt. Bisher gab es nur gelbe und rote Karten, die Verwarnungen und Hinausstellungen anzeigten. Zeigt der Schiedsrichter nach einer roten Karte in der neuen Saison noch eine blaue Karte, signalisiert er dem Spieler und auch den Zuschauern eindeutig, dass der Disqualifikation auch ein Bericht folgt. Dem Bericht folgt eine Sperre und so ist eine blaue Karte zum Beispiel bei schwerem absichtlichem Foulspiel zu zeigen.
5. Eine harte Strafe gibt es in Zukunft auch bei unfairem Spiel in den letzten 30 Sekunden eines Spieles. Versucht ein Abwehrspieler in diesem Zeitraum mit einer groben Regelwidrigkeit einen Gegner zu stoppen oder mit einem Block den Anwurf oder die schnelle Ausführung eines Freiwurfs zu verhindern, erhält er automatisch die rote Karte gezeigt, wird damit disqualifiziert und zudem erhält die angreifende Mannschaft, egal wo die Widrigkeit auf dem Spielfeld passierte, einen Siebenmeter zugesprochen. Diese Regel gab es in ähnlicher Form bereits, aber der Zeitraum vor dem Ende wurde von 60 Sekunden auf 30 Sekunden verkürzt.
Die Handballer in der Region stehen den geänderten Regeln recht skeptisch gegenüber und auch Bundesligatrainer Jens Bürkle sieht Vor- und Nachteile. Einiges ändert sich kaum und die Regeln sind nicht immer im Sinne der Aktiven, ist von vielen Seiten zu hören. Letztlich wird die Praxis zeigen, ob Vor- oder Nachteile überwiegen und die Regeln sollten zum Vorteil des modernen Handballs ausgenutzt werden.