Für 96-Trainer Thomas Schaaf beginnt mit dem Spiel gegen Darmstadt 98 die Aufholjagd

Präsident Martin Kind schließt weitere Verstärkungen vorerst aus

HANNOVER (kd). Am Freitag, 22. Januar, hat die fußballlose Zeit endlich ein Ende, wenn mit der Partie des Hamburger SV gegen den FC Bayern München die Bundesliga in die Rückrunde startet. Einen Tag später greift auch Hannover 96 in das Geschehen ein, wenn zum Rückrundenauftakt am Sonnabend, 23. Januar, um 15.30 Uhr der Aufsteiger SV Darmstadt 98 in der HDI-Arena zu Gast ist. Jener Aufsteiger, der die „Roten“ nicht nur im Hinspiel mit einem 2:2- Remis überraschte, sondern sie auch in der 2. Runde des DFB-Pokals am 27. Oktober mit einem 2:1-Sieg aus dem Wettbewerb warf. Es sind also keine guten Erinnerungen, die Hannover 96 mit den „Lilien“ hat, die mit Dirk Schuster über einen der profiliertesten Trainer der Bundesliga verfügen.
Was noch viel schlimmer wiegt, sind die Fakten, mit denen Hannover 96 in die Rückrunde startet. Zwar wurde personell einiges getan bei den 96ern, doch ist die Hypothek gewaltig, unter deren Last die Hannoveraner zu ersticken drohen. Es bedarf schon einigen Mutes, um den 96ern trotz 17 noch ausstehenden Spielen eine sorgenfreie Rückrunde vorauszusagen. Zur Erinnerung sei noch einmal gesagt, dass Hannover 96 nach der Rückrunde mit nur 14 Punkten den 17. und damit den vorletzten Tabellenplatz in der Bundesliga belegt, der den direkten Abstieg bedeuten würde.
Gegner Darmstadt 98 weist mit 18 Punkten als Tabellendreizehnter zwar nur vier Punkte mehr auf, doch war es in der Hinrunde gerade die unerklärliche Heimschwäche, die Hannover 96 zu einem der Anwärter machte, die sich ernsthaft Sorgen machen müssen, am Saisonende zu den Absteigern zu zählen. Wie schwierig das Unternehmen Klassenerhalt für die96er ist, belegt allein der Spielplan der Rückrunde bis Ende Februar, wo für die 96er mit den Auswärtspartien bei Bayer 04 Leverkusen (30. Januar), Borussia Dortmund (13. Februar) und VfB Stuttgart (27. Februar) sowie den Heimbegegnungen gegen Darmstadt 98 (23. Januar), FSV Mainz 05 (6. Februar) und FC Augsburg (21. Februar) gleich sechs schwere Spiele anstehen.
Es bleibt also keine Zeit, um sich noch einzuspielen und mit Bedacht in die Rückrunde zu starten. Der Turbo der Aufholjagd muss sofort zünden. Eine Herkulesaufgabe, die auf den neuen 96-Trainer Thomas Schaaf wartet, der in der Winterpause den glücklosen bisherigen Coach Michael Frontzeck als Trainer ablöste. Auf dem ehemaligen Meistertrainer von Werder Bremen ruhen nun nicht nur die Hoffnungen der Anhänger, sondern auch die des Vorstandes um Martin Kind. Doch ist Hannovers Präsident nach den Testspielpleiten gegen Hertha BSC Berlin (0:1) und VfB Stuttgart bereits zu der Erkenntnis gelangt ist, dass „es selbst für Thomas Schaaf nicht möglich ist, den Hebel einfach umzulegen.“
Wie nervös die Stimmung bei Hannover 96 ist, beweist allein die Tatsache, dass das letzte Testspiel des abstiegsbedrohten Klubs unter Ausschluss der Fans sowie der Medienvertreter und selbst der eigenen Familienangehörigen bei einer Spielzeit von 4 mal 30 Minuten gegen die eigene U 23-Regionalligavertretung stattfand, das mit 4:1 gewonnen wurde. Das ist sicherlich ein Zeichen dafür, dass Hannover 96 als „Einkaufswintermeister“, wie eine Sonntagzeitung die Schaaf-Elf bereits titulierte, von seinen bisherigen fünf Neuzugängen noch nicht so richtig überzeugt ist, von denen der frühere Bremer Hugo Almeida die jüngste Neuverpflichtung ist. Der portugiesische Nationalspieler, der in den vergangenen 18 Monaten bei Besiktas Istanbul, Cesena (Italien), Krsnodar und Anschi (Russland) in drei Ländern spielte, soll ab sofort die Sturmflaute der 96er beenden und mit seinen Toren für den Klassenerhalt sorgen.
Als weitere Sturmhoffnung wurde der Ungar Adam Szalai vom Mitabstiegskonkurrenten TSG 1899 Hoffenheim ausgeliehen. Hotaru Yamaguchi (Japan), Mittelfeldspieler Iver Fossum (Norwegen), der offensive Mittelfeldspieler Marius Wolf (München 1860), der wegen einer Zerrung allerdings nicht gegen Darmstadt zur Verfügung steht, komplettieren neben Hugo Almeida das Quintett an Neuzugängen bei Hannover 96. Allerdings hat Martin Kind bereits registriert, dass es selbst unter dem neuen Trainer Thomas Schaaf noch längst nicht wie gewünscht läuft, so dass er bereits weitere Neuzugänge grundsätzlich nicht ausschloss.
„Dem erklärten Ziel, den Klassenerhalt zu schaffen, müssen wir alles unterordnen", lautete immer wieder die Ansage des 96-Präsidenten. So gilt es nun bis zum Ende der Transferperiode zweifellos noch vorhandene Löcher zu stopfen. Dass dies extrem schwierig ist, muss Hannover 96 nun erfahren. Nun rächt sich, dass Hannover 96 im Sommer die Mannschaft nicht so zusammengestellt hat, wie es sich für einen Verein mit gehobenen Bundesligaambitionen gehört. Einmal mehr bewahrheitet sich jetzt die These, dass man etwas falsch gemacht haben muss, wenn man in der Winterpause in personeller Hinsicht zu Nachbesserungen gezwungen ist.
Bleibt zu hoffen, dass der vom 1. FC Nürnberg gekommenen neue Geschäftsführer Martin Bader und sein ebenfalls vom Club gekommene sportlicher Leiter Christian Möckel das Vertrauen ihres Präsidenten Martin Kind erfüllen können und Trainer Thomas Schaaf das „goldene Händchen“ wiederentdeckt, das ihn bis zum 14. Mai 2013 über 14 Jahre lang ununterbrochen bei Werder Bremen zu einem der erfolgreichsten Bundesligatrainer machte.
Der neue Coach wird seine Anfangsaufstellung schon im Kopf haben. Denkbar wäre, dass Schaaf mit folgenden Spielern dieses so enorm wichtige Spiel beginnt: Zieler – Schmiedebach, Marcelo, Hoffmann, Sorg – Sane, Schulz - Yamaguchi, Prib – Almeida, Szalai.