Die Saison wird für die TSV Hannover-Burgdorf spannend bis zum Schluss bleiben

Auf seine Hilfe muss die TSV Hannover-Burgdorf in der Rückserie verzichten. Jan-Fiete Buschmann wird nach Achillessehnenriss voraussichtlich bis zum Saisonende ausfallen. Foto: Holger Staab

Handball-Bundesligist testet heute bei Zweitligist HSV Hannover

BURGDORF (hs). Wer die rasante Entwicklung bei der TSV Hannover-Burgdorf vor einem Jahr vorhergesagt und dabei noch ein wenig Kapital auf die TSV gesetzt hätte, der könnte sich jetzt freuen. Denn nicht nur der Aufstieg in die erste Bundesliga war ein an Spannung kaum zu überbietendes Sporthighlight des Jahres, auch die bisherige Saison in der weltbesten Handballliga übertraf bisher alle Erwartungen. Zwar schwebt Hannover-Burgdorf weiter in Abstiegsgefahr, aber die Qualität des Produkts Handball hat viele neue Fans gefunden, und so will die TSV die sportliche Qualifikation für die erste Liga unbedingt schaffen.
Nach dem Sieg am 6. Juni 2009 gegen TSG Friesenheim machten sich die Verantwortlichen der TSV an die Planung für die Bundesliga und haben bis heute ganze Arbeit geleistet. Nicht nur die Verstärkungen der Mannschaft, sondern auch das Umfeld, die Show rund um die Handballspiele in der AWD-Hall in Hannover und die Atmosphäre wurden von Tag zu Tag tauglicher für das Oberhaus des Handballs.
Natürlich musste die Mannschaft auch sportlich ihre Qualitäten unter Beweis stellen. Mit dem knappen 28:27-Sieg im ersten Spiel gegen HBW Balingen-Weilstetten ließen die Spieler um Aufstiegscoach Frank Carstens aufhorchen. Leider mussten Piotr Przybecki und seine Mitspieler dann aber eine Phase mit sieben Niederlagen in Folge hinnehmen. Dabei spielten die TSVer teilweise gut mit und verloren nur aufgrund technischer Fehler oder mangelnder Chancenverwertung.
Bei den Spielen gegen MT Melsungen (26:30), bei den Füchsen Berlin (24:32) und bei HSG Düsseldorf (25:29) waren auch Tiefpunkte in den Leistungen erkennbar. Verletzungen bei Thomas Bergmann, Piotr Przybecki, Robertas Pauzuolis und Alexander Hübe schwächten das Carstens-Team ebenfalls.
Beim 28:26-Erfolg gegen TSV Dormagen präsentierte sich die TSV aber wieder kämpferisch und für den Abstiegskampf bereit. Beim TuS-N-Lübbecke überraschten sie dann mit einem 24:24-Unentschieden und sammelten Selbstvertrauen für die nächsten Partien.
Bei den Zuschauern in Hannover und Burgdorf war die Mannschaft in jedem Fall angekommen. Alle Handball-interessierten, aber auch neue Fans, die noch nie ein Handballspiel gesehen hatten, pilgerten zu den Heimspielen und forderten die TSV-Spieler förmlich zu guten Leistungen auf. Die Stimmung in der AWD-Hall wurde von Spieltag zu Spieltag euphorischer und so fiel auch das wichtige Spiel um den Klassenerhalt gegen GWD Minden mit 25:24-Toren zugunsten der TSV aus.
Der Höhepunkt war allerdings der tolle 26:25-Sieg gegen den etablierten Bundesligisten TBV Lemgo. Der mit Nationalspielern, wie Michael (Mimi) Kraus, Volker Glandorf und Carsten Lichtlein angereiste Favorit musste dem begeisterten Publikum und der kämpferisch starken Vorstellung der TSV-Mannschaft nachgeben. Auch bei den anschließenden Niederlagen gegen HSV Hamburg (25:31) vor ausverkaufter Halle und bei der SG Flensburg-Handewitt (24:31)war keinesfalls ein Klassenunterschied erkennbar.
Aber wie das im Sport so ist, musste die Mannschaft auch viele Tiefschläge wegstecken. Neben den Verletzungen von Thomas Bergmann (Kahnbeinbruch) noch vor dem Saisonstart, dem Ausfall von Torwart Alexander Hübe (Gallenoperation) und vielen kleinen Blessuren, kamen zum Ausklang des Jahres 2009 noch schwere Verletzungen von Marc Hohenberg (Kreuzbandriss) und Jan-Fiete Buschmann (Achillessehnenriss) dazu. Und dann folgte am ersten Rückrundenspieltag kurz vor Jahresfrist noch die 23:29-Pleite bei HBW Balingen-Weilstetten.
Die Frage ist, ob die Mannschaft dies alles wegstecken kann? Auch die Ankündigung von Trainer Frank Carstens, dass er zum 1. Juli 2010 zum SC Magdeburg wechseln wird, bringt sicher keine Ruhe ins Team.
Die TSV konnte mit den Neuverpflichtungen von Lars Friedrich von TuS-N-Lübbecke, dem ungarischen Nationalspieler Nenad Puljezevic, der gerade bei der EM in Österreich aktiv ist, und zuletzt Torben Johannsen von der SG Flensburg-Handewitt bisher dreimal nachrüsten und auf die Verletzten reagieren. Im nächsten Spiel am Mittwoch, 10. Februar, ab 20.15 Uhr gegen den Tabellendritten Frisch-Auf Göppingen wird sich zeigen, ob die Carstens-Schützlinge den Ausfall der Spieler und den angekündigten Trainerwechsel weggesteckt haben. Der augenblickliche 15. Platz mit 9:27-Punkten und 452:535-Toren ist das Minimalziel von Hannover-Burgdorf und wäre die sportliche Qualifikation für die nächste Saison in der Bundesliga.
Dafür wird in den kommenden Wochen fleißig trainiert. Am heutigen Mittwoch ab 20.30 Uhr in der Halle am Eisteichweg in Anderten testet die Mannschaft ihre Form beim Zweitligisten HSV Hannover und am kommenden Sonnabend nimmt das Team an einem Turnier in Schwerin teil. Gegner ist zunächst Zweitligist HC Empor Rostock. Je nach Sieg oder Niederlage spielt die TSV dann gegen GWD Minden oder SV Post Schwerin. Die Carstens-Schützlinge wollen sich auf das Spiel gegen Göppingen intensiv vorbereiten, um dann wieder ein Handballfest feiern zu können. Bereits jetzt gibt es die Rückrundenkarten in der Marktspiegel-Geschäftsstelle.