Die „Roten“ sind wieder erstklassig

Jetzt heißen die Gegner wieder Bayern, BVB, Werder und Schalke 04

REGION HANNOVER. Mit 60.000 Fans, die am Sonntag in der 80 Kilometer entfernten Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena beim 4:1-Sieg über die Würzburger Kickers den Wiederaufstieg des Zweitligameisters VfB Stuttgart feierten, konnten die 12.470 Zuschauer im BWT-Stadion am Hardtwald in Sandhausen zwar zahlenmäßig nicht konkurrieren, doch herrschte in der idyllisch gelegenen Arena eine Stimmung, die der in Stuttgart nicht viel nachstand. Wofür in erster Linie die mitgereisten 8.500 Hannover 96-Anhänger beim Spiel des SV Sandhausen gegen Hannover 96 verantwortlich zeichneten, für die der Aufstieg ihrer Mannschaft in die 1. Bundesliga schon vorher feststand.
„Nie mehr 2. Liga. Nie mehr!“, lautete der Schlachtruf, der immer wieder durch die Sandhausener Arena hallte. Erst recht, als die 96er drei Minuten nach dem Führungstreffer des SV Sandhausen durch einen direkten Freistoß von Thomas Pidl (57.), der vom Innenpfosten ins Tor sprang, durch ein Kopfballtor des ehemaligen Sandhauseners Florian Hübner nach einer Ecke von Felix Klaus der 1:1 (0:0)- Ausgleich glückte.
Den Spielern von Hannover 96, die mit Torjäger Martin Harnik, Flankengeber Edbar Prib und Abwehrchef Salif Sanè auf drei absolute Leistungsträger wegen Gelbsperren verzichten mussten, war angesichts der Bedeutung des Spiels die Nervosität anzumerken. Daher beschränkten sie sich größtenteils auf das Verteidigen, so dass der Tabellenzehnte aus Sandhausen sogar auf Augenhöhe war.
Für Hannover 96 und die mitgereisten Fans zählte hingegen nur eines – der Aufstieg. Egal wie. Dieses Vorhaben gelang der Mannschaft von Trainer Andrè Breitenreiter dann auch mit 67 Punkten zusammen mit dem Meister VfB Stuttgart (69 Zähler). Damit erfüllten die Spieler das Ziel mit dem sofortigen Wiederaufstieg in die 1.Bundesliga, was seit Saisonbeginn das erklärte Ziel des Vereins mit seinem Präsidenten Martin Kind war.
Fest steht auch seit Sonntag, dass es in der 1. Bundesliga nun zu einem Niedersachsenderby kommen wird, da am morgigen Donnerstag und am kommenden Montag mit dem VfL Wolfsburg als Tabellensechszehnter der 1. Liga und Eintracht Braunschweig (66 Punkte) als Tabellendritter der 2. Bundesliga zwei Niedersachsenvertreter in zwei Relegationspielen um den letzten freien Platz in der 1. Liga kämpfen werden.
Gut für die „Roten", dass sie von dieser Hängepartie verschont blieben. Allerdings wurde es in Sandhausen sieben Minuten vor Ende der regulären Spielzeit noch einmal eng für die 96er, was weniger am Gegner, sondern an der Unvernunft einiger Fans lag, die den Abpfiff nicht erwarten konnten. Nachdem die ersten Anhänger bereits über den Zaun geklettert waren, standen sie in Scharen an der Seitenlinie und um die Eckfahne herum, so dass die Sicherheitskräfte die Menge abschirmen mussten und das Spiel kurzzeitig nicht weiterlaufen konnte, da auch der Linienrichter in seiner Arbeit erheblich behindert wurde.
Nachdem es Kapitän Manuel Schmiedebach, Sportdirektor Horst Heldt und Trainer Andrè Breitenreiter in Zusammenerabeit mit den Ordnungskräften halbwegs gelungen war, die Massen zurück zu drängen, setzte der Unparteiische Benjamin Cortus das Spiel fort, um es dann überpünktlich um 17.17 Uhr abzupfeifen, was dann auch erwartungsgemäß zu einem Platzsturm durch die Anhänger führte, die ihre Spieler begeistert feierten und immer wieder hoch leben ließen.
Nachdem der Aufstieg vollbracht wurde und es nun endlich wieder gegen Mannschaften wie FC Bayern München oder Borussia Dortmund geht, war auch für die Vereinsverantwortlichen von Hannover 96 klar, dass am Montagabend eine offizielle Aufstiegsparty folgen musste. Auf Einladung von Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok fand diese dann auch am Montag ab 17 Uhr auf dem Trammplatz am Neuen Rathaus statt. „Alle Fans und Freunde von Hannover 96 sind herzlich willkommen, dort mit unserer Mannschaft und dem Trainerteam zu feiern, dass wir in der kommenden Saison wieder im deutschen Fußballoberhaus antreten. Wir freuen uns auf die größte Party des Jahres“, hieß es in dem Aufruf der „Roten“, die gemeinsam mit der Landeshauptstadt Hannover die Feier organisierten.
Bevor es für die Spieler und das Trainer- und Betreuerteam auf den berühmten Rathaus-Balkon ging und später noch Interviews nah bei den Fans auf der Bühne gab, wurde das Aufstiegsteam zunächst im Rathaus von Oberbürgermeister Stefan Schostok empfangen und durfte sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Danach wurde gefeiert, was das Zeug hält. Die Rocker von Fury In The Slaughterhouse spielten nicht nur den Stadionhit „Won’t Forget These Days“, sondern gaben noch einige weitere Titel zum Besten. Auch die Fanband 1. FC 05 Elf war mit ihrem Kultsong „Herz der Republik“ mit von der Partie.
Am späten Abend sangen die 96-Mannschaft, die Furys und alle Fans schließlich gemeinsam mit Dete & Osssy die Hymne „96 – Alte Liebe“. Die Feier war damit aber noch nicht vorbei, da dann „The Jetlags“, eine der erfolgreichsten Coverbands der Stadt, die hannoversche Partynacht einläutete, die erwartungsgemäß erst am Dienstagmorgen endete. Klaus Depenau