Burgdorfer Recken prüfen den Rekordmeister THW Kiel

Vorbildliche Sprungwurfmanier von Kai Häfner, der aber leider, aufgrund einer Handverletzung, am Ostersonntag gegen den Topfavoriten THW Kiel nicht zum Torerfolg kommen kann. (Foto: st)

Handball-Leckerbissen in der TUI-Arena lockt tausende Fans an

BURGDORF (st). Am Ostersonntag, 27. März, ab 15 Uhr wird allerfeinste Handballluft in der TUI-Arena in Hannover wehen. Die TSV Hannover-Burgdorf trifft auf das Weltklasseteam des THW Kiel und will sich nicht ohne Gegenwehr geschlagen geben, obwohl in den bisherigen 13 Partien in der DKB Handball-Bundesliga noch kein Punktgewinn herausgesprungen ist. Für die Handballfans wird es aber, egal wie das Spiel ausgeht, ein Handball-Leckerbissen geben, denn der THW kommt mit Spitzenspielern und einigen Europameistern in die Messestadt.
Nach der erfolgreichen Europameisterschaft mit dem Titelgewinn für Deutschland boomt der Handball auch hierzulande. Deshalb entschieden sich die Verantwortlichen der TSV Hannover-Burgdorf um Geschäftsführer Benjamin Chatton in die TUI-Arena auszuweichen. Die eigentliche Heimspielhalle, die Swiss Life Hall ist für 4100 Besucher ausgelegt. Die TUI-Arena bietet Platz für 10.000 Zuschauer. Und die TSVer hatten Recht, denn die größere Arena am Messegelände in Laatzen ist bereits fast ausverkauft und so wird die Partie ein Handballfest.
Sportlich könnte das Spiel aber einseitig werden, denn es treten David gegen Goliath an und Hannover-Burgdorf ist dabei der krasse Außenseiter. Gegen die Kieler haben die Recken in den sieben Jahren der Bundesligazugehörigkeit noch keinen Punktgewinn verbuchen können. In der TUI-Arena haben sie aber noch kein Spiel verloren und hoffen deshalb, dass eine faustdicke Überraschung gelingt.
Der Turnverein Hassee-Winterbek e. V., bekannt als THW Kiel hat eine große Titelsammlung und in diesem Jahr seinen 21. Meistertitel fest im Visier. Die Kieler haben eine beeindruckende Bilanz und stehen auch in der ewigen Tabelle der 1. Bundesliga seit 1977/1978 an der Spitze. In den 38 Jahren der Zugehörigkeit zur Eliteliga hatten sie bereits vor der Serie in 1154 Spielen 806 Siege zu verzeichnen. Die 1702:606-Punkte sprechen eine deutliche Sprache und damit werden sie auch in den nächsten Jahren unangefochten an der Spitze dieser Statistik stehen.
Ob in dieser Saison noch weitere Titel dazukommen ist zumindest fraglich. Die Kieler kämpfen zusammen mit den Rhein-Neckar Löwen und der SG Flensburg-Handewitt in der DKB Handball-Bundesliga um den Deutschen Meistertitel und das Rennen scheint noch vollkommen offen zu sein.
Die Defensive der TSV um Sven-Sören Christophersen, Mait Patrail und Torwart Martin Ziemer wird deshalb der Grundstein sein, um überhaupt eine Chance in diesem Spiel zu haben, aber auch im Angriff dürfen die Recken nicht zimperlich sein. Platzierte Würfe aus aussichtsreichen Positionen werden nötig sein, um die starken Keeper Niklas Landin und Nikolas Katsigiannis, den ehemaligen TSVer, überwinden zu können. Zudem muss die Mannschaft um Coach Jens Bürkle 100prozentig fit sein und sicherlich gehört auch ein Quäntchen Glück dazu, um einen Favoriten zu bezwingen. Leider werden die beiden Europameister auf TSV-Seite nicht mit dabei sein können. Erik Schmidt und auch Kai Häfner haben sich langwierige Verletzungen zugezogen und werden, wie wohl auch Morten Olsen am Sonntag fehlen.
Trotz vieler Verletzungen und zwischenzeitlichen Neuverpflichtungen ist der THW bärenstark. Akteure wie Domagoj Duvnjak, Joan Canellas, Marko Vujin, Niclas Edberg, Rene Toft Hansen oder Rogerio Moraes Ferreira gehören international zur Spitzenklasse. Aber auch die deutschen Europameister Rune Dahmke, Christian Dissinger und Steffen Weinhold, sowie Dominik Klein brauchen sich dahinter nicht zu verstecken. Wer von den Spielern heute in dem 2. Wohnzimmer der Recken in Hannover auflaufen wird, bleibt abzuwarten und wird vom bekannten Trainer Alfred Gislason voraussichtlich erst kurzfristig entschieden.
Die TSVer Patrail und Co werden sich an das gute Spiel in der Hinrunde erinnern, als sie den Kielern Paroli boten und erst am Ende der Begegnung dem Favoriten mit 33:29-Toren den Sieg überlassen mussten. Das macht Mut für die Osterpartie und so werden die TSVer sich förmlich zerreißen, um zumindest einen Punkt in Hannover zu behalten. Helfen kann ihnen die beeindruckende Kulisse in der Arena. Können die Handballfans wie der achte Mann hinter den Recken stehen und die Stimmung ist grandios, dann könnten Lars Lehnhoff und Co vielleicht nach der SG Flensburg-Handewitt einem zweiten Topteam der Liga einen Punkt abnehmen.