Bei Hannover 96 steht nach der Rettung jetzt das Großreinemachen auf dem Plan

Viele offene Personalfragen müssen jetzt dringend geklärt werden

HANNOVER (kd). Ende gut, alles gut. Hannover 96 hat auf den letzten Drücker den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga geschafft. Die Mannschaft von Trainer Michael Frontzeck besiegte in einem nervenaufreibenden Spiel in der mit 49.000 Zuschauern bis auf den letzten Platz ausverkauften HDI-Arena den Mitabstiegskonkurrenten SC Freiburg mit 2:1 (1:0)-Toren.
Während es die Mannschaft aus dem Breisgau mit ihrem Trainer Christian Streich einfach nicht fassen konnte, dass sie durch die gleichzeitigen Siege vom VfB Stuttgart und des Hamburger SV vom gesicherten 13. Tabellenplatz noch mit 34 Punkten auf einen direkten Abstiegsplatz abgerutscht war und nun nach sechsjähriger Zugehörigkeit zur Bundesliga als Absteiger in der 2. Bundesliga einen erneuten Anlauf nehmen muss, um ins Oberhaus zurückzukehren, herrschte bei den „Roten“ unbändige Freude über den Klassenerhalt.
Den 96ern spielte am Sonnabend die frühe Führung in der 3. Minute durch Hiroshi Kiyotake in die Karten, der nach einer Linksflanke von Miiko Albornoz ungehindert zur 1:0-Führung für die Hausherren einköpfen konnte. Da den Freiburgern in der 1. Halbzeit nicht viel einfiel und auch die Hannoveraner alle zu sehr darauf bedacht waren, keine Fehler zu machen und sich mit der Verteidigung der knappen Führung zu begnügen, tat sich bis zum Pausenpfiff nicht mehr all zu viel. Das sollte sich zu Beginn der 2. Halbzeit ändern, da die Freiburger engagiert aus der Kabine kamen und in den ersten Minuten den Ton angaben. Hannover 96 brauchte lange, um wieder in die Partie zu finden. Der SC Freiburg besaß weiterhin mehr Ballbesitz, doch fehlte den Gästen die Durchschlagkraft. So fanden sie keine Mittel, um Torgelegenheiten herauszuspielen. Kurios der Treffer zur vorentscheidenden 2:0-Führung für Hannover 96 in der 84. Minute, die mit kräftiger Mithilfe des SC Freiburg durch ein Eigentor des Tschechen Pavel Krmas zu Stande kam. In seinem letzten Spiel als Profi bugsierte er den Ball vor seinem abwehrbereiten Torhüter Roman Bürki ins eigene Tor zur 2:0- Führung für die Hannoveraner.
Wer gedacht hatte, dass dies bereits die Entscheidung sei, hatte im Nachhinein zwar recht, doch ergaben sich die Gäste nicht. In der 92. Minute war es einmal mehr der eingewechselte Nils Petersen, der sich gleich gegen mehrere Gegenspieler durchsetzen konnte und den Ball zum 1:2-Anschlusstreffer unter die Latte jagte. Zu mehr reichte es für die Mannschaft von Christian Streich trotz aller Bemühungen nicht, da die Hannoveraner den knappen Vorsprung über die Zeit retteten und damit den Klassenerhalt feiern konnten, während der SC Freiburg den bitteren Gang in die 2. Liga antreten muss.
Während die sportliche Misere bei Hannover 96 in erster Linie durch eine völlig verkorkste Rückrunde mit nur zwei Siegen, die auch erst in den letzten beiden Begegnungen zu Stande kamen, hatte der Abstieg des SC Freiburg viele Gründe.
Sechsmal verspielte die Mannschaft in den Schlussminuten einen Sieg. Drei Elfmeter wurden in Spielen, die 0:0 endeten, verschossen. Hinzu kamen erhebliche Formschwankungen und krasse Abwehrschnitzer, wie der von Pavel Krmas in Hannover. Als Nachteil für die Freiburger erwies sich auch die Tatsache, dass sie zwar den deutschen Meister FC Bayern München mit 2:1 besiegen konnten, doch in den Duellen gegen die direkte Konkurrenz meistens schlecht aussahen. So holte der SC Freiburg aus den zehn Spielen gegen Hannover 96, Hertha BSC Berlin SC Paderborn 07, Hamburger SV und VfB Stuttgart von möglichen 30 Punkten gegen die direkte Konkurrenz nur neun Zähler. Letztlich zu wenig, um sportlich zu überleben.
Vor schweren Aufgaben steht auch Hannover 96 nach den Wochen des Bangens um den Klassenerhalt. Neben vielen offenen Personalentscheidungen, wie dem Verbleib oder Weggang von Jimmy Briand, muss auch die Frage nach dem neuen oder (alten) Trainer geklärt werden. Inoffiziellen Meldungen zu Folge soll Michael Frontzeck nach der Rettung vor einer Vertragsverlängerung stehen, während bei Manager Dirk Dufner trotz eines noch bis 2016 laufenden Vertrages die Zeichen auf Trennung stehen. Diese Tendenz deutete der 96-Präsident Martin Kind am Pfingstsonntag als Interviewpartner im NDR Sportclub an, als er sagte: „Ich werde in dieser Woche noch mit Michael Frontzeck sprechen. Ich bin aber ganz zuversichtlich, dass wir zu einer einvernehmlichen Lösung kommen werden“, gab der Präsident zu verstehen, der zuvor Michael Frontzeck bewusst nur mit einem Vertrag über fünf Spiele ausgestattet hatte.
Weniger erfreulich dürfte das anstehende Gespräch mit Dirk Dufner verlaufen, der nach Ansicht von Martin Kind eine Mitschuld an dem wenig erfreulich sportlichen Abscheiden der 96er mitträgt. Aufgrund des lange andauernden Abstiegskampfes waren aber vom 96-Präsidenten zunächst alle personellen Entscheidungen auf Eis gelegt worden. Daher wurde auch noch kein Ersatz für den für nur 3 Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach wechselnen Kapitän Lars Stindl gefunden. „So kann es nicht weitergehen. Das war ein Jahr der Stagnation“, ärgerte sich Martin Kind. Nicht ohne aber noch hinzuzufügen. „Und Stagnation bedeutet bekanntlich Rückfall.“