Aufsteiger TSV Burgdorf II überraschte die Konkurrenz

Simon Bock zeigt bei der Niederlage gegen den Oranienburger HC seine Stärken beim Sprungwurf. (Foto: Holger Staab)

Bundesligareserve spielt in der Spitzengruppe der 3.Liga mit

BURGDORF (hs). Die Bundesligareserve der TSV Burgdorf schaffte 2012 den Aufstieg in die 3.Liga und legte in der höheren Spielklasse gleich los wie die Feuerwehr. Mit beeindruckendem schnellem Spiel, mit Aggressivität in der Defensive und mit tollen Aktionen begeisterte die Mannschaft um Trainer Sven Lakenmacher die Konkurrenz. Und das, obwohl das Team nicht aufsteigen kann. Die Regeln besagen, das keine zweite Mannschaft in der 2.Bundesliga antreten darf, wenn das Aushängeschild eines Vereins in der DKB Handball-Bundesliga spielt.
Das störte die Ausbildungsmannschaft der TSV Burgdorf bisher aber keineswegs, sie steht weiterhin in der Spitzengruppe der 3.Liga und will auch in der Rückrunde für Furore sorgen und wenn möglich, sogar die Meisterschaft feiern.
Nach dem beeindruckenden Niedersachsenmeistertitel in der Oberliga mit 56:4-Punkten, 1050:781-Toren und gegenüber dem Zweitplatzierten HSG Northeim einem Vorsprung von neun Punkten, sollte die 3.Liga behutsam angegangen werden. Die Saisonerwartung vor der Spielzeit 2012/2013 war mit Platz 10 bis 12 pessimistisch angegeben. Als Neuzugänge wurden Jonathan Semisch vom MTV Großenheidorn, Niklas Hermann und Timo Kastening aus der eigenen Jugend und Heidmar Felixson von der TS Großburgwedel in den Kader integriert. Auch Torwart Adam Weiner aus der Bundesligamannschaft sollte für Stabilität sorgen, konnte bisher aufgrund einer Knieverletzung aber noch nicht eingesetzt werden.
Neben erfahrenen Akteuren, wie Felixson, Weiner, Torwart Stefan Domizlaff und Kreisläufer Robin Kothe besteht das Team durchweg aus Spielern, die maximal 22 Jahre alt sind. Spieler wie Hermann (18 Jahre) oder Jugendnationalspieler Kastening (17 Jahre) spielen sogar noch in der A-Jugend. Eine blutjunge Mannschaft, die sich körperlich entwickeln und gegen die erfahrenen Spieler der Drittligisten durchsetzen soll. Eine perfekte Mischung, um Talente zu fördern und sie für höhere Aufgaben, vielleicht in der Bundesligamannschaft, zu animieren.
Gleich in der ersten Partie in der neuen Umgebung bekamen die jungen Wilden dann eine Lehrstunde erteilt, denn beim TSV Altenholz unterlag die Zweite mit 25:29-Toren. Für Coach Lakenmacher die richtige Warnung zum richtigen Zeitpunkt. Mit teilweise beeindruckendem Spiel folgten Erfolge in Serie und sieben Siege hintereinander. Dabei waren keine leichten Gegner zu bezwingen. Gegen HF Springe (26:21), TBV Lemgo II (33:23), SV Beckdorf (36:31) oder beim HSV Hannover (29:25) wurden die Konkurrenten regelrecht entzaubert.
Erst am neunten Spieltag mussten Johannes Marx und seine Mitspieler gegen den Oranienburger HC (24:25) die zweite Niederlage einstecken.
Anschließend verloren die Lakenmacher-Schützlinge auch ihr Heimspiel gegen die Füchse Berlin II mit 30:33-Toren und es zeigte sich, dass die junge Truppe doch noch nicht die Konstanz in ihren Leistungen bringen konnte, die vielleicht nach einigen Jahren in der 3.Liga erwartet wird. Mit einer tollen Motivation bezwangen die TSVer dann aber im Derby die TS Großburgwedel mit 30:25-Toren und auch der Stralsunder HV (32:22) hatte gegen die Youngster keine Chance. Im Anschluss waren die Burgdorfer im Spitzenspiel beim 1.VfL Potsdam (30:37) klar unterlegen, blieben aber weiter in der Spitzengruppe, denn auch die Konkurrenten gaben durchweg Punkte ab. Mit einem Sieg und einer Niederlage zum Ende des Jahres konnte der dritte Tabellenplatz erreicht werden. Mit 20:10-Punkten ist die TSV II als Tabellendritter hinter den Füchsen Berlin II dem Spitzenreiter Potsdam weiter auf den Fersen. Beide Teams trennen nur zwei Punkte.
Mittlerweile hat sich die TSV Burgdorf II eine stolze Fangemeinde geschaffen, die Spiele in der Burgdorfer Sporthalle der Gudrun-Pausewang-Schule an der Grünewaldstraße sind gut besucht und die Stimmung fast wie in alten Regionalligazeiten bei der ersten Mannschaft. Es macht Spaß, die Entwicklung und den Ehrgeiz der jungen Talente mitzuerleben. Mit Torwart Malte Semisch, Außenspieler Julius Hinz, Rückraumakteur Frederic Repke oder Linkshänder Hendrik Pollex und Rechtsaußen Yannik Schilling stehen fünf Spieler in den Startlöchern und könnten jederzeit beim Bundesligateam aushelfen. Nach der Verletzung von Stammtorwart Nenad Puljezevic bekam Semisch die Chance und hat sie genutzt. Er steht seit November im Bundesligakader und zeigte bisher gute Leistungen.
Das zeigt, wie wichtig der Unterbau für die TSV geworden ist und auch in der Rückrunde wollen die Spieler und Coach Lakenmacher weiter daran arbeiten, im Vorderfeld der 3.Liga mitzumischen und gleichzeitig eine gute Ausbildung für mögliche späteren Handballprofis bereitzustellen.