Auf Hannover 96 wartet trotz des ersten Sieges noch viel Arbeit

96er haben die „Rote Laterne“ an den VfB Stuttgart abgegeben

HANNOVER (kd). Wie sich die Zeiten bei Hannover 96 doch ändern, belegen die Berichte in den Medien nach dem 1:0 (1:0)-Sieg im Nordduell gegen Werder Bremen vor 49.000 Zuschauern in der bis auf den letzten Platz ausverkauften HDI-Arena. Da die 96er durch das Kopfballtor von Sanè in der 55. Minute, der nach einem Eckball von Hiroshi Kiyotake seinen 198 Zentimeter großen Bremer Bewacher Jannik Vestergaard übersprang und den Ball zum entscheidenden 1:0 insTor köpfte, zu ihrem ersten Saisonsieg kamen, wurde der Sieg verständlicherweise groß gefeiert.
Wie bescheiden die Ansprüche trotz des ersten Dreiers aber bei den „Roten“ inzwischen geworden sind, belegen Berichte in einigen Tageszeitungen, wo bereits die Weiterleitung der „Roten Laterne“ des Tabellenletzten an den VfB Stuttgart als ein Erfolg gefeiert wird. Und dies, obwohl die 96er mit nur fünf Punkten nur um einen Rang auf den 17. Tabellenplatz vorgerückt sind, was weiterhin den direkten Abstieg in die 2. Bundesliga zur Folge hätte.
Bei aller Euphorie im Umfeld des hannoverschen Bundesligisten sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass sich mit Werder Bremen am Sonnabend in Hannover ein Gegner vorstellte, der in dieser Form ganz sicherlich mit zu den ernsthaftesten Mitbewerbern um den Abstieg gehören wird. So kassierten die Gäste von der Weser bereits ihre vierte Niederlage in Folge, was allerdings nicht nur an der kläglichen Chancenverwertung der Werderaner lag, sondern auch an der überragenden Form des 96-Torhüters Ron-Robert Zieler, der mit fünf spektakulären Rettungstaten seine Mannschaft vor einem möglichen Rückstand und damit vor einer Niederlage bewahrte. Dem 96-Keeper schien die Nichtnominierung von Bundestrainer Joachim Löw tags zuvor für die WM-Qualifikationsspiele der deutschen Nationalmannschaft in Irland und gegen Georgien nichts auszumachen, den er glänzte mit einer Reihe von Glanzparaden. Sehr zur Freude für die 96er, bei denen sich Martin Bader bei seinem Einstand als neuer Geschäftsführer als Glücksbringer erwies.
Bleibt nur zu hoffen, dass die „Roten“ nun die einwöchige Länderspielpause nutzen und mit Akribie daran arbeiten, um die zahlreichen Defizite aufzuarbeiten, die trotz des Sieges unübersehbar waren. Obwohl Trainer Michael Frontzeck mit der Elf antrat, die beim 1:1 aus Wolfsburg einen Punkt entführt hatte, blieben die Hausherren ebenso vieles schuldig wie die Bremer, die Claudio Pizarro an seinem 37. Geburtstag zunächst auf der Bank ließen und erst nach einer Stunde für Ulisses Garcia einwechselten. Bei beiden Mannschaften blieb vieles nur Stückwerk, da alles auf Sicherheitsfußball abgestellt war und trotzdem viele Unzulänglichkeiten zu Tage traten.
Es passte zu der bis auf die Schlussphase langweiligen Begegnung, dass sich auch Schiedsrichter Peter Sippel dem Niveau anschloss und mit einigen kuriosen Entscheidungen sowohl die Spieler als auch die Besucher verwirrte. So in der 23. Minute, als er bei einem Schuss von Anthony Ujah ein glasklares Handspiel von 96-Abwehrspieler Marcelo kurz vor dem Strafraum übersah und nicht ahndete. Richtig allerdings die Entscheidung des 46-jährigen Referees, den bereits gegebenen Handelfmeter für die Bremer in der 27. Minute nach einem Schuss von Fin Bartes, den Leon Andreasen mit dem Oberarm abgewehrt hatte, wieder nach endlosen Diskussionen und anschließender Rudelbildung zurückzunehmen und auf Hochball zu entscheiden.
Geteilter Meinung kann man über die Stellungnahme von Bremens Coach Viktor Skripnik sein, wenn er glaubt: „Es war ein sehr gutes Spiel von uns, bei dem wir nur vergessen haben, ein Tor zu erzielen. Unruhig werden wir aber nicht, denn wir haben noch viel Zeit und noch sehr viele Spiele bis zum Saisonende." Zur Information unserer Leser sei gesagt, dass die kommenden Gegner von Werder Bremen FC Bayern München, FSV Mainz 05 und Borussia Dortmund heißen...
Realistischer hingegen der Kommentar von 96-Coach Michael Frontzeck, dem man nur beipflichten kann, als er nach dem Abpfiff resümierte: „Vom Engagement meiner Mannschaft bin ich mehr als zufrieden. Spielerisch haben wir noch Nachholbedarf. Es war ein enges Spiel. Werder hätte auch gewinnen können.“ Bereits die kommenden Aufgaben nach der Länderspielpause am Sonntag, 18. Oktober, ab 15.30 Uhr beim 1. FC Köln, der mit einem 3:0-Sieg beim FC Schalke 04 glänzte, sowie danach zu Hause am 24. Oktober gegen Eintracht Frankfurt und danach am Sonntag, 1. November, um 17.30 Uhr beim Hamburger SV werden bereits Aufschluss darüber geben, ob es weiter eine Trainerdiskussion in Hannover geben wird oder die 96er endlich damit beginnen werden, den Anschluss an das Mittelfeld herzustellen.