Am Montag ist für Hannover 96 ein Sieg Pflicht

VfL Bochum reist angeschlagen nach Hannover

HANNOVER (kd). Es hätte am Mittwoch vor 31.000 Zuschauern in der HDI-Arena gegen Eintracht Frankfurt der Pokalabend für Hannover 96 werden können, wenn in einer unterhaltsamen Partie mit vielen Torchancen in der sechsten Minute der Nachspielzeit Salif Sanè den vom Frankfurter Omar Mascarell an Artur Sobiech verursachten Strafstoß zum 2:2 verwandelt hätte. Doch versagten dem erfahrenen 96-Abwehrspieler die Nerven, indem er mit seinem Strafstoß an Frankfurts Torhüter Lukas Hradecky scheiterte. Aus war der Traum der „Roten“ von einer Verlängerung mit einem möglichen Sieg, der den 96ern im Viertelfinale mit Arminia Bielefeld ein weiteres Heimrecht beschert hätte.
Trotzdem konnte sich die Leistung von Hannover 96 gegen den Bundesliga-Tabellendritten Eintracht Frankfurt sehen lassen. Wenn da nur nicht die katastrophalen Abwehrfehler gewesen wären, die der Mannschaft von Trainer Daniel Stendel trotz ihrer 1:0-Führung durch Martin Harnik (67.) nach Zuspiel von Noah Joel Sarenren Bazee den Sieg gekostet haben. So war von Außenverteidiger Oliver Sorg in der 62. Minute nichts zu sehen, als Frankfurts Timothy Chandler flankte und Taleb Tawatha ungehindert zum 1:1-Ausgleich einköpfen konnte.
Noch verheerender erwies sich die Vorstellung vom zweiten Außenverteidiger Edgar Prib, der nicht nur die Flanke vor dem 1:1 nicht verhinderte, sondern beim 1:2 in der 66. Minute durch Aris Seferovic dem Torschützen mit einem Kopfball das Leder maßgerecht servierte, so dass dieser ungehindert davon ziehen konnte und mit dem 2:1 für die erstmalige Führung der Hessen sorgte. Dass die „Roten“ nicht nachsitzen mussten, lag am Fehlschuss von Salif Sanè, der sich mit seinen Mannschaftskameraden nun wieder ganz dem Aufstiegskampf widmen kann.
So wird das Kopf-an-Kopfrennen um die begehrten Aufstiegsplätze zur Bundesliga am Wochenende in der 2. Fußball-Bundesliga mit dem 20. Spieltag fortgesetzt. Die günstigste Ausgangsposition besitzt derzeit der Tabellenführer VfB Stuttgart mit 38 Punkten, der am Sonntag zu Hause gegen den Tabellensechsten SV Sandhausen (30 Zähler) aber vor keiner leichten Aufgabe steht. Genau so wie der Tabellendritte Eintracht Braunschweig mit 35 Punkten, der bereits am gestrigen Freitag beim wieder erstarkten Tabellenneunten 1. FC Nürnberg (28 Punkte) antreten musste (Ergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor).
Die von der Papierform her leichtestes Aufgabe des Spitzentrios hat der Tabellenzweite Hannover 96 mit 35 Punkten zu bewältigen, der erst am Montagabend von 20.15 Uhr an in der HDI-Arena Heimrecht gegen den VfL Bochum genießt. Jener Elf von Cheftrainer Gertjan Verbeek, gegen den die 96er im Hinspiel noch durch ein Kopfballtor von Salif Sanè ein 1:1 erreichten. Doch blieben die Bochumer nach ihrem geglückten Saisonstart mit einem Sieg und zwei Unentschieden danach hinter den Erwartungen zurück.
In den letzten acht Zweitligapartien gelang nur ein Sieg. Kein Wunder, dass die Fans unzufrieden sind, zumal die Bochumer im neuen Jahr nur ein Punkt aus zwei Spielen holten. Der Revierklub läuft seinen eigenen Ansprüchen hinterher und muss bei nur sechs Punkten Abstand zu den Abstiegsplätzen sogar in Richtung Tabellenkeller schielen. Als gäbe es beim VfL Bochum nicht schon genügend Sorgen, hat Bochums Trainer Gertjan Verbeek nun auch noch ein Fass aufgemacht, dass die Volksseele zum Kochen brachte, indem er den Publikumsliebling Felix Bastians entmachtete und den Abwehrchef nicht nur als Vize-Kapitän absetzte, sondern ihn auch noch von der Spielführerliste strich und ihn aus dem Mannschaftsrat verbannte.
Da Felix Bastians in Bochum unumstrittener Publikumsliebling ist und Bochums Trainer zu keinerlei Kompromissen in der Kapitänsfrage bereit ist, muss sich das Präsidium des VfL Bochum nun an gleich an zwei Fronten darum bemühen, dass das Vertrauen, das sich Trainer, Mannschaft und Vereinsführung in den letzten zwei Jahren aufgebaut haben, nicht weiter schwindet. Wie ernst die Lage beim VfL Bochum ist, belegt die Tatsache, dass Chefcoach Gertjan Verbeek, der noch vor wenigen Monaten als unantastbar galt, immer mehr in die die Kritik geraten ist, so dass der Holländer derzeit viel einstecken muss. So werden Vorwürfe zur Aufstellung der Mannschaft genau so laut, wie zum Führungsverhalten, wo ihm ihm insbesondere Sturheit und eine schlechte Außendarstellung vorgeworfen werden.
Hannover 96 könnte am Montag Nutznießer der Turbulenzen im Bochumer Umfeld sein. Allerdings bedarf es dazu einer Leistung, wie sie die Mannschaft im Pokalfight gegen Eintracht Frankfurt über weite Strecken gezeigt hat. Ausrutscher, wie sie die „Roten“ bei ihrer 1:4- Pleite im Fürth gezeigt hat, sind tunlichst zu unterlassen, um das erklärte Ziel, mit dem sofortigen Wiederaufstieg in die Bundesliga, nicht zu gefährden.