Am Ende versöhnte die TS Großburgwedel ihre Fans

Im Laufe der Saison Frustbewältigung, am Ende noch ein versöhnlicher Abschluss für TSG-Trainer Jürgen Bätjer. (Foto: st)

Durchwachsene Saison endete auf einem ausgezeichneten 8. Platz

BURGWEDEL (st). Mit einem starken Schlussspurt und einer ausgezeichneten Rückrunde rissen die Spieler der Turnerschaft Großburgwedel das Ruder noch herum und verhinderten den zum Ende der Hinrunde drohenden Abstieg aus der 3. Liga. Trainer Jürgen Bätjer hatte zum Ende der Spielzeit 2014/2015 nur noch Lob für seine Mannschaft und so versöhnte sich das Team selbst und ihre Fans. Leider wird sich der Kader der TSG auch zur nächsten Serie wieder neu finden müssen, denn nach dem bisherigem Stand werden mindestens vier Akteure den Verein verlassen und sich neuen Aufgaben stellen. Aber die Verantwortlichen der Turnerschaft haben sich schon auf dem Transfermarkt umgeschaut und für gleichwertigen Ersatz gesorgt.
Zum Ende der Hinrunde in der 3. Liga Nord stand die TSG mit nur neun Pluspunkten auf dem 15. und vorletzten Tabellenplatz. Eine ungewohnte Situation, denn eigentlich hatte Trainer Bätjer nach dem 9. Platz aus der vergangenen Spielzeit einen besseren Tabellenrang als Ziel ausgerufen. Nach Platz 6 in der Saison 2012/2013 und Platz 12 eine Serie später sollte jetzt wieder eine noch bessere Platzierung gelingen – von der Kaderzusammensetzung sprach auch alles dafür.
Die Realität sah anders aus, viele Partien wurden unglücklich verloren, manche aber auch mit schlechten Leistungen und damit Punktverlusten abgegeben. Anfang des Jahres ging dann aber ein Ruck durch das Team. Der erfahrene Kreisläufer Andrius Stelmokas und seine Mitspieler konnten mit dem 32:32-Unentschieden gegen HF Springe eine echte Initialzündung entfachen und die TSG zeigte endlich wieder, welche Qualität im Kader steckt. Gleich im Anschluss gelang ein wichtiger 32:29-Erfolg beim SV Beckdorf. Da waren die folgenden Punktverluste gegen den TSV Altenholz, bei der HSG Varel und gegen den Stralsunder HV kein Problem. Die Mannschaft wusste jetzt, zu welchen Taten sie fähig ist.
Mit vier Siegen in Folge schoben sich die Bätjer-Schützlinge vom 15. Platz auf den 9. Platz vor und sicherten sich damit einen Mittelfeldplatz. Auch die beiden unglücklichen Niederlagen gegen VfL Potsdam (20:21) und beim VfL Fredenbeck (33:35) konnten Kay Behnke und Co jetzt nicht mehr stoppen, denn drei weitere souveräne Siege gegen SG Flensburg-Handewitt II (35:27), bei der SG Achim/Baden (31:22) und gegen THW Kiel II (37:26) sicherten letztlich den Klassenerhalt endgültig. Am Ende der Serie kann die Mannschaft mit dem 8. Platz und 27:33-Punkten bei einem ausgeglichenen Torverhältnis durchaus zufrieden sein und hat letztlich das Ziel von Bätjer umgesetzt.
Die Voraussetzungen für den Klassenerhalt waren nach der Hinrunde nicht gut, aber seit Jahresbeginn präsentierte sich die TSG in bestechender Form. Die negativen Ergebnisse vom Ende des letzten Jahres und die vielen Wochen am Tabellenende sind längst vergessen. 18:12 Punkte aus den Spielen im Jahr 2015 sind der verdiente Lohn. Dabei ist vor allem die Art und Weise erwähnenswert, mit der sich Großburgwedel und Trainer Jürgen Bätjer nicht vom Weg abbringen ließen. Trotz des enormen Drucks, der im November und Dezember auf dem Team lastete, hat sich die TSG nicht aus der Spur bringen lassen, an die eigene Stärke geglaubt und den Karren selbstbewusst aus dem Dreck gezogen. Der Blick ging dabei stets nach oben und mit dem Thema Abstieg hatten sich weder Trainer noch Mannschaft beschäftigt. „Der Glaube an die eigene Stärke war der Schlüssel zum Erfolg“, so Jürgen Bätjers Kommentar schon kurz vor dem Saisonende: „Wir wussten immer was wir können und hatten im letzten Jahr einfach die Seuche. Uns war klar, dass das nicht immer so weiter gehen wird und unterm Strich haben uns dann auch die nötige Ruhe und Gelassenheit weitergeholfen.“
Nach dem letzten Spiel machte er dann seinem Team Komplimente: „Am Ende gehen wir auf dem achten Platz sogar einen Zähler besser als letztes Jahr über die Ziellinie. Ich muss meiner Mannschaft für die Rückrunde ein ganz großes Kompliment machen. In der Rückrundentabelle sind wir Vierter. Was meine junge Mannschaft nach den vielen Wochen am Tabellenende vom Kopf her geleistet hat, war überragend. Leider haben wir den Saisonstart verbockt und nicht das gezeigt, was möglich gewesen wäre. Von Hätte, Wenn und Aber können wir uns aber nichts kaufen. Daher ist es auch müßig zu spekulieren, was alles möglich gewesen wäre. Unterm Strich zählt für mich aktuell eine starke Rückrunde und ein tolles Handballjahr 2015. Schade, dass die Saison schon zu Ende ist. In unserer momentanen Form könnten wir ruhig noch ein paar weitere Spiele vor der breiten Brust haben.“
Mit Carl-Philipp Seekamp (MTV Braunschweig), Sven Vogel und Malte Kress, die studienbedingt ausscheiden, sowie Lutz Heiny verlassen die Turnerschaft vier wichtige Spieler. Das ist sicherlich nicht gerade fördernd für das junge Team, aber auch eine Chance, die neue Serie gleich mit Erfolgserlebnissen zu beginnen.
Mit den beiden Brüdern Jannis und Nils Wilken verpflichtete die TSG schon vor einigen Wochen zwei junge Talente. Jannis ist 21 Jahre alt und kommt vom Oberligisten SV Alfeld. Nils ist 19, spielte zuletzt bei Eintracht Hildesheim und machte sein Abitur im Handballinternat in Elze. Beide Akteure spielen auf den Außenpositionen, wobei Nils Linkshänder ist und somit auf der rechten Außenbahn zu Hause ist und Jannis als Rechtshänder auf Linksaußen eingesetzt werden soll. Mit Erik Gülzow kommt ein 202 Zentimeter großer Rückraumspieler nach Burgwedel. Er soll den Platz von Seekamp einnehmen und kommt von der SG Achim/Baden. Weitere Neuzugänge sind geplant, aber noch nicht endgültig verpflichtet. Vereinschef Dr. Karsten Hoppenstedt und Trainer Bätjer werden besonders für den Rückraum noch tätig werden müssen, damit auch im nächsten Jahr ein einstelliger Tabellenplatz möglich ist und kein Kampf um den Klassenerhalt nötig ist.