Abstieg der TSV-Frauen ist schwer zu verhindern

Nach einem Kreuzbandriss ist die Saison für Svenja Kewitz bereits vorzeitig beendet. Die schnelle Außenspielerin wird im TSV-Team schmerzlich vermisst. (Foto: Holger Staab)

Thomas Löw hofft auf kämpferische Einstellung seines jungen Teams

BURGDORF (hs). Erstmals spielen die Frauen der TSV Burgdorf in der 3. Liga und haben als Aufsteiger einen ganz schweren Stand. Nach der in der vergangenen Woche beendeten Hinrunde der 3. Liga Ost stehen sie als Tabellenletzter vor einer ganz schweren Rückrundenaufgabe, denn sie wollen die beiden Mitkonkurrenten gegen den Abstieg, Eintracht Hildesheim und die SpG Bandits Magdeburg/Barleben, noch hinter sich lassen. Trainer Thomas Löw sieht noch einige Chancen, räumt aber ein, dass seine junge Mannschaft viel dazulernen muss, um den Klassenerhalt zu schaffen.
Die TSV ist mit vielen jungen Spielern in die Saison gegangen. Nach dem Aufstieg verließ mit Lucienne Schwarz eine der erfahrenen Spielerinnen das Team und Neuzugänge waren bis auf Bogna Dybul, polnische Nationalspielerin, und Svenja Homburg von der HSG Nord Edemissen keine zu verzeichnen. So musste sich Löw auf seine Nachwuchskräfte verlassen und baute A-Jugendliche Leistungsträgerinnen in die Mannschaft ein.
Schnell wurde aber klar, dass ein Team mit einem geringen Durchschnittsalter nur wenige Chancen in der 3.Liga hat. Erst im zehnten Spiel konnte die TSV beim 37:37-Unentschieden gegen SHV Oschatz den ersten Punktgewinn erzielen. Bis dahin war die Mannschaft um Ronja Löw schon längst auf dem letzten Tabellenplatz angekommen, denn es hagelte teilweise deftige Niederlagen. Das Löw-Team ließ sich aber nicht unterkriegen und kämpfte weiter.
Am 12. Spieltag gelang dann mit 33:28 gegen die SpG Bandits Magdeburg/Barleben der erste Saisonerfolg. In der Zwischenzeit musste die Mannschaft auch mit vielen Verletzungen leben und zudem verloren sie mit Natasha Ahrens eine Spielerin an den Bundesligisten SV Garßen-Celle. Löw baute weiter auf die jungen A-Jugendlichen und holte Svenja Homburg, Ricarda Plümpe und Lea Steputat in seinen Kader. Nach dem Abschluss der Hinrunde hat die TSV nunmehr 3:21-Punkte auf dem Konto und steht weiterhin mit 318:415-Toren auf dem letzten und 14. Tabellenplatz. Allerdings stehen die beiden Teams auf den Plätzen 12 und 13, Hildesheim und Magdeburg, nur einen Pluspunkt besser da und so ist der Klassenerhalt durchaus noch zu realisieren.
Der MARKTSPIEGEL sprach mit Coach Thomas Löw über die Chancen und Möglichkeiten seiner Mannschaft im Jahr 2012:
MARKTSPIEGEL: „Guten Tag, Herr Löw, ihre Mannschaft steht als Aufsteiger mit drei Pluspunkten leider nur auf dem letzten Platz der 3. Liga, wie kam es dazu?“
Thomas Löw: „Meine Mannschaft besteht aus sehr jungen Spielerinnen, ihnen fehlt in vielen Situationen die nötige Erfahrung und Abgeklärtheit und ganz sicherlich auch noch die nötige körperliche „Härte“. Der Aufstieg in die 3. Liga kam eigentlich ein Jahr zu früh, aber wir wollten dennoch den Schritt wagen, denn in dieser Umgebung lernen die Mädels natürlich viel dazu.“
MARKTSPIEGEL: „Mit Bogna Dybul kam eine polnische Nationalspielerin zu Saisonbeginn nach Burgdorf, hat sie Impulse setzen können?“
Thomas Löw: „Natürlich hat sich durch Bogna die spielerische Qualität verbessert, dennoch darf man nicht vergessen, dass sie eigentlich eine gelernte Linksaußenspielerin ist, von mir aber mangels der nötigen Alternativen häufig auf der linken Rückraumposition eingesetzt wird. Individuell hat Bogna enorme Möglichkeiten, die uns in unserer Spielweise flexibler haben werden lassen.“
MARKTSPIEGEL: „Zuletzt wurde ihre Mannschaft durch Verletzungen arg dezimiert und musste mit Natasha Ahrens eine Spielerin an den Bundesligisten SV Garßen-Celle abgeben, hat ihr Team jetzt noch das Format für die 3. Liga?“
Thomas Löw: „Ob eine Mannschaft das Format für die 3.Liga hat, hängt sicherlich nicht davon ab, ob sie eine junge Spielerin mehr oder weniger hat. Spielerisch können wir mit vielen der anderen Teams mithalten, leider sind wir aber noch nicht in der Lage, dieses Niveau auch über 60 Minuten zu halten. Dennoch ist auch hier ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen.“
MARKTSPIEGEL: „A-Jugendliche, wie Nele Biester, Ricarda Plümpe und Saskia Parpart, sind nachgerückt, können sie gegen teilweise erfahrenen Drittligaspielerinnen anderer Clubs bestehen?“
Thomas Löw: „Nimmt man als Bewertungskriterium nur die spielerischen Voraussetzungen, dann ja, aber, und hier liegt der Unterschied, muss ich diese auch in Drucksituationen die es in jedem Spiel gibt, abrufen können. Hier fehlt bei den meisten meiner Spielerinnen noch die mentale Stärke.“
MARKTSPIEGEL: „Gegen den Mitkonkurrenten Eintracht Hildesheim gab es eine schmerzliche Niederlage, gegen die SpG Bandits Magdeburg/Barleben einen Erfolg, wen wird die TSV in der 3.Liga noch bezwingen können?“
Thomas Löw: „In Hildesheim haben wir uns unter Wert verkauft. Das war eines der Spiele, in denen wir keineswegs die schlechtere Mannschaft, dennoch aber eben in entscheidenden Momenten nicht abgeklärt genug waren. Wenn alle Spielerinnen fit in ein Spiel gehen können, dann haben wir sicherlich gegen alle anderen Teams auch unsere Möglichkeiten, nur müssen wir dann auch unsere Chancen nutzen.“
MARKTSPIEGEL: „Der sofortige Abstieg in die Oberliga scheint schwer zu vermeiden zu sein, wie viele Teams steigen ab und wen können sie hinter sich lassen?“
Thomas Löw: „Es werden drei Mannschaften absteigen und wie es im Augenblick aussieht, werden das Hildesheim, Magdeburg und wir sein.“
MARKTSPIEGEL: „Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Sie und ihre Mannschaft im Jahr 2012.“