96 geht nur als Dritter ins Derby

Sylvia Möller aus Burgdorf gewinnt die Sitzplatz-Tickets gegen Braunschweig

HANNOVER. Nun wird es ernst im Aufstiegskampf der 2. Bundesliga, die jetzt auf die Zielgerade einbiegt. Nur noch sechs Spiele stehen für die 18 Zweitligisten auf dem Programm. An der Tabellenspitze tobt ein spannender Vierkampf um die beiden direkten Aufstiegsplätze und Rang drei, der die Relegation zum Bundesligaaufstieg bedeuten kann. Von Woche zu Woche gibt es einen Wechsel am „Platz an der Sonne“, den jetzt wieder der VfB Stuttgart nach dem 2:0-Sieg über das Schlusslicht Karlsruher SC mit 54 Punkten einnimmt.
Gefolgt von Eintracht Braunschweig. Die „Glücksritter“ aus der Löwenstadt besiegten am Montagabend Dynamo Dresden mit 1:0 durch ein Tor von Ken Reichel in der 92. Minute. Damit zog der „Nachspiel-Meister“ wieder an den 96ern vorbei und belegt vor dem Derby am kommenden Ostersonnabend mit einem Punkt Vorsprung vor den „Roten“ den 2. Tabellenplatz. Auf den 4. Rang ist der 1. FC Union Berlin mit 51 Zählern zurückgefallen, nachdem es die Eisernen aus Köpenick beim 2:2 gegen Fortuna Düsseldorf verpassten, eine 2:0-Führung ins Ziel zu bringen.
Wer am Ende die Nase vorn hat, lässt sich derzeit bei besten Willen nicht sagen, da sich die führenden vier Mannschaften auch immer wieder Auszeiten erlauben und gelegentlich patzen. So auch Hannover 96 am Freitagabend als amtierender Tabellenführer beim enttäuschenden 0:0-Remis vor 12.450 Zuschauern in der ausverkauften Flyeralarm-Arena beim Aufsteiger Würzburger Kickers. Jener Elf von Aufstiegstrainer Bernd Hollerbach, die nach einer herausragenden Hinrunde in der Rückserie völlig den Faden verlor und mit erst fünf Remis noch immer auf den ersten Rückrundensieg wartet.
Um so enttäuschender aus Sicht von Hannover 96 war der Auftritt der „Roten" in Würzburg, die nur wenig offensive Impulse setzten und lediglich in der Schlussviertelstunde positiv auffielen, als Martin Harnik in der 74. Minute den Pfosten traf. Bei den mitgereisten 2.000 96-Fans spielte das aber nur eine Nebenrolle. Zum Leidwesen des 96-Schatzmeisters zündeten sie nach Spielschluss ein über zweiminütiges Pyro-Feuerwerk an, was dem Verein als Wiederholungstäter erneut eine nicht unerhebliche Summe seitens des DFB an Strafe kosten wird.
Woran die „sogenannten“ 96-Fans dachten, wurde durch ein Riesenbanner, das über dem 96-Fanblock hing, deutlich, indem sie ihre Forderung für das Spiel gegen Eintracht Braunschweig mit dem Schriftzug auf dem Banner untermauerten: „Macht Samstag zum Kampftag.“ Tatsächlich ist die Spannung für das Niedersachsenderby am Ostersonnabend, 15. Mai, ab 13 Uhr in der seit Wochen bis auf den letzten Platz ausverkauften HDI-Arena kaum zu überbieten.
Welchen Ausgang diesmal das Niedersachsenderby, in dem für beide Vereine so viel auf dem Spiel steht, diesmal nimmt, ist völlig offen. Das Hinspiel endete am 6. November mit einem 2:2 (2:1)-Unentschieden. Dabei gelang es den Roten, eine 2:0- Führung der Eintracht noch durch Treffer von Martin Harnik (38.) und Kenan Karaman (66.) zum leistungsgerechten 2:2-Remis zu egalisieren. Dass die Braunschweiger aber auch auswärts eine Macht sind, verdeutlicht die Statistik, in der die „Eintracht“ mit 21 Punkten aus 14 Auswärtsspielen zusammen mit Union Berlin und Dynamo Dresden nach dem VfB Stuttgart über die zweitbeste Auswärtsbilanz verfügt.
Daher ist es nachvollziehbar, dass die 96-Macher um Sportdirektor Horst Heldt und Trainer Andrè Breitenreiter alle Störversuche von Außen abwimmeln und lieber auf die stolze Bilanz der englischen Woche mit sieben Punkten aus drei Spielen hinweisen, wobei die „Roten“ kein Gegentor kassierten. Dennoch kritisierte der neue 96-Coach seine Mannschaft recht deutlich, als er die Ursachen nannte, weshalb es bei den vom Abstieg bedrohten Würzburger Kickers nicht zum erhofften Dreier reichte: „Wir haben uns schwer getan gegen eine sehr kompakt verteidigende Würzburger Mannschaft. Bis auf Harniks Großchance passierte nicht viel nach vorne, da wir zu langsam in der Spieleröffnung und im Passspiel waren.“ Die offenen Worte waren Andrè Breitenreiter vor dem Prestigeduell gegen den Erzrivalen aus Braunschweig am Ostersonnabend dann wohl doch zu viel, so dass er es sich nicht nehmen ließ, auch auf die positiven Aspekte hinzuweisen, womit seine Mannschaft in den letzten Spielen glänzte. „Wir haben wieder zu Null gespielt, sind stabil geblieben und haben den Gegner nicht zu Konterchancen eingeladen“, stellte der 96-Trainer zu Recht fest, der in puncto Defensivarbeit Rückendeckung von seinem Torwart Philipp Tschauner erhielt, der in einem Interview mit dem Sportmagazin KICKER die Feststellung traf: „Ganz wenige Mannschaften, wenn überhaupt, können uns ausspielen.“ Daher kommt es nicht von ungefähr, dass die 96-Mannschaft nun schon seit 470 Minuten ohne ein Gegentor ist.
Auch am Karsamstag werden es Kleinigkeiten sein, die über den Spielausgang der Erzrivalen entscheiden werden. Vielleicht könnte die Dauer der Pause zwischen den letzten Spielen entscheidend sein, was für die Hannoveraner sprechen würde. Während die 96er bereits am Freitag ihr Punktspiel in Würzburg austragen konnten, waren die Braunschweiger erst am Montagabend im Heimspiel gegen Dynamo Dresden im Einsatz. Die 96er hatten also drei Tage länger Zeit, um zu regenerieren. Sollte dies den Ausschlag geben?
Live dabei in der ausverkauften HDI-Arena ist auch Sylvia Möller aus Burgdorf. Wie vier andere Teilnehmer/innen auch, hatte sie das magere 0:0-Remis der „Roten“ in Würzburg bei unserem Ergebnis-Tipp-Gewinnspiel richtig getippt und per Zufallsgenerator die beiden Sitzplatz-Tickets gewonnen.
Klaus Depenau