Wo bekommt man neutrale Pflegeinformationen?
Nach wie vor gibt es zu wenige Pflegestützpunkte
REGION. (be.p) Seit 2009 hat jeder Bürger Anspruch auf eine qualifizierte und anbieterneutrale Pflegeberatung. Dafür sollte für die gesetzlich Versicherten ein flächendeckendes Netz von Pflegestützpunkten aufgebaut werden.
Bundesweit betrachtet ist dieses Netz nach wie vor sehr grobmaschig. Das liegt daran, dass die Bundesländer unterschiedliche Prioritäten setzen. Bremen, Hamburg, Berlin, Brandenburg, das Saarland und Schleswig-Holstein haben entsprechende Stützpunkte aufgebaut. Sachsen hingegen bietet eine zentrale Telefonnummer, ähnlich wie Bayern. Auch andere Länder haben sich auf einen Pilot-Stützpunkt beschränkt. Sie gehen davon aus, dass die schon seit Jahren existierenden Betreuungsangebote ausreichend sind und wollen Doppelstrukturen vermeiden. Rheinland-Pfalz listet zwar 142 Pflegestützpunkte auf und ist damit Spitzenreiter. Doch hier sind oft bereits vorhandene Sozialstationen, etwa der Caritas oder des Arbeiter-Samariterbundes, zu Pflegestützpunkten erklärt worden. Weil das Thema „Pflegestützpunkt“ in den Ländern eine sehr unterschiedliche Wertschätzung genießt, ist es teilweise schwierig, an die Adressen der Beratungsstellen zu kommen. Eine Orientierung bietet beispielsweise die „Bundesinitiative daheim statt Heim“. Auf deren Internetseite www.bi-daheim.de kann man sich - sortiert nach Ländern - zu den derzeit vorhandenen Pflegestützpunkten durchklicken. Alles in allem gibt es in Deutschland nur rund 310 Pflegestützpunkte.
Wenn ein solcher Pflegestützpunkt vorhanden ist, können sich gesetzlich Versicherte beispielsweise über die Pflegestufen und die Antragsformalitäten informieren. Auch Listen der regionalen Pflegeanbieter, der spezialisierten Fahrdienste oder Bauunternehmen sind dort erhältlich. Gibt es keinen Pflegestützpunkt, bleibt die eigene Pflegekasse als Ansprechpartner. Dann muss diese den Anspruch auf qualifizierte und neutrale Pflegeberatung erfüllen.
Privat Pflegeversicherten steht dagegen die bundeseinheitliche Compass-Pflegeberatung zur Verfügung. Zunächst kann man sich im Internet unter www.compass-pflegeberatung.de oder telefonisch unter der kostenfreien Rufnummer 0800-1018800 vorinformieren und Material bestellen. Zugleich sollte man eine persönliche Beratung im Hause des Pflegebedürftigen vereinbaren. Sinnvoll ist es, dies vor dem Besuch des Gutachters zu tun, um sich darauf vorzubereiten. Diese Besuche sind, selbst wenn sie mehrfach nötig sein sollten, kostenlos. (be.p)
Uwe Strachovsky






