Wenn der Partner an Demenz erkrankt

Man sollte versuchen, auch bei Demenz so viele Dinge wie möglich gemeinsam mit dem Erkrankten zu unternehmen. (Foto: Birgit Malchow/be.p)

Wie trotzdem ein gutes Miteinander gelingen kann

REGION. (be.p) Wie schaffen es ein pflegender Partner und ein an Demenz erkrankter Mensch, weiter gut zusammenzuleben? Einfach ist das nicht: Zwei Drittel aller Erkrankten sind älter als 80 Jahre. Das heißt, dass auch der pflegende Partner in der Regel bereits im höheren Alter ist und oft selbst mit gesundheitlichen Einschränkungen leben muss. Zu diesem Problemfeld hat das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) eine Broschüre veröffentlicht.
Beschrieben wird, welche Anzeichen auf eine beginnende Demenz hinweisen können. Dazu zählen beispielsweise ein auffallend nachlassendes Kurzzeitgedächtnis, häufige Wortfindungsstörungen, Orientierungsprobleme oder Veränderungen der Persönlichkeit. Eine frühe Diagnose und Medikamente können die Symptome lindern und den Verlauf verzögern - heilbar ist die Erkrankung aber nicht. Der erkrankte Mensch und der pflegende Partner müssen also lernen, das zu akzeptieren und neu miteinander zu leben. So lange es noch möglich ist, sollte miteinander über die Wünsche und Vorstellungen gesprochen werden. Dazu gehört auch, gemeinsam eine Vorsorgevollmacht und eine Betreuungsverfügung aufzustellen.
Der Betroffene verändert sich sehr, ohne das beeinflussen zu können. Daher müssen die Angehörigen ihr Verhalten bewusst darauf ausrichten - auch, wenn es oft schwer fällt. Worte, Diskussionen, Erklärungen werden für den Demenzerkrankten an Bedeutung verlieren. Zugang findet sich am ehesten mit Berührungen, Körperhaltung, Gestik und Mimik. Wichtig ist es, den Erkrankten, wann immer es möglich ist, am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Das können Spaziergänge, gemeinsame Einkäufe oder eine betreute Hobbygruppe sein. Auch der Familien- und Freundeskreis sollte informiert und einbezogen werden. Sei es, um sich in Krisensituationen aussprechen zu können oder die eine oder andere organisatorische Hilfe zu bekommen. Unterstützung findet man auch in Selbsthilfegruppen. Deren Adressen bekommt man auf den Internetseiten www.deutsche-alzheimer.de, www.compass-pflegeberatung.de, bei Pflegekassen oder Pflegestützpunkten.
Nutzen sollte man weiterhin die Pflegeversicherung. Denn selbst, wenn diese dem Demenzerkrankten keine Pflegestufe, wohl aber eine „erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz“ attestiert, besteht Anspruch auf Leistungen. Dazu zählen 123 Euro Pflegegeld im Monat, je 231 Euro für einen ambulanten Dienst und für teilstationäre Pflege, sowie 104 beziehungsweise 208 Euro monatlich für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Auch für Kurzzeit- und Verhinderungspflege sowie für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen gibt es Geld. Zu den Voraussetzungen sollte man sich ausführlich beraten lassen. Dies ist kostenfrei und anbieterneutral. Die Broschüre „Demenz - Impulse und Ideen für pflegende Partner“ kann kostenfrei unter www.zqp.de bestellt werden. (be.p)
Uwe Strachovsky