Zwischen Beatles und Brexit

Die „very britischen“ Besucher der St. Nikolaus-Karnevalsfeier hatten ihre vornehme englische Zurückhaltung schnell aufgegeben. Foto: Georg Bosse

Katholiken der St. Nikolaus-Pfarrgemeinde mal „very british“

BURGDORF (gb). Wenn man an Großbritannien bzw. an England denkt, verbindet man damit Dinge und Klischees, die für Land und Leute typisch sind: beispielsweise Big Ben, Buckingham Palast und die Queen, Linksverkehr, Fish & Chips, die feine englische Lebensart Team Time und das typisch englische Wetter sowie der trockene schwarze Humor, mit dem Monty Python weltberühmt wurde. Klischees geben für ironische und humoristische Karnevalisten eine Menge her. Vielleicht ist deshalb der Stein der Weisen ja nur der "Stein der Narren" (Joachim Ringelnatz, 1883-1934).
Unter dem Motto „Very British“ fand am vergangenen Freitagabend in Burgdorf die Karnevalsfeier der katholischen St. Nikolaus-Pfarrgemeinde statt. Im Gemeindehaus „Im Langen Mühlenfeld“ gaben sich die Jecken unter der „Union Jack“, der Nationalflagge des Vereinigten Königreichs Großbritannien, ein fröhliches Stelldichein. Die Damen unter Hüten im „Ascot“-Stil und die Herren in schottischen Kilts gewandet, ließen sich von den Moderatoren Petra „Miss Moneypenny“ Schulte und Bernhard „James Bond“ Hahme das Programm geschüttelt (nicht gerührt) präsentieren.
Nachdem die „Drei Gondolieri“ die Themse heraufkommend an der Bühne festgemacht hatten, brachten sie den Saal mit „The Wild Rover“ (An der Nordseeküste…) von den Dubliners und mit dem Seufzer-Song „Delilah“ (1968) von Tom Jones ins Schunkeln – Helau!
Anschließend konnten die Narren und Närrinnen Markus Beigel dabei erleben, wie er während der „Inhaltsangabe“ bei der anspruchsvollen Artikulation der zahlreichen th-Laute in den englischen Orts- und Personenbezeichnungen beinahe einen Nervenzusammenbruch erlitt. Das war schon Loriots Evelyn Hamann (†) fast passiert.
Für die Tanzeinlagen zwischen den Büttenreden und den „very britischen“ Sketchen sorgten keine Funkenmariechen, sondern die Formation „Blond AG“ als Spice Girls vom SV Hertha Otze. Echten schwarzen Humor hatte Büttenredner Wolfgang „Undertaker“ Hüßler als „Man in Black“ im Gepäck, der unverhohlen zugab, als Bestatter „aus Asche Kohle zu machen“. Darüber hinaus machte er einen Vorschlag, was auf einem Grabstein stehen könnte: „Hier liegen meine Gebeine, ich wünschte es wären Deine“. Einige Minuten später war die närrische Gesellschaft aufgefordert seine Tanzbeine zu schwingen.
„Very British“ war alles in allem ein großer Spaß zwischen Beatles und Brexit.