Zehnjähriger bewies bemerkenswerten Bürgermut

Ruben, Enno und Leo (v. li.) ließen sich von Jörg Windfuhr (re.) „wie im Krimi“ die Fingerabdrücke abnehmen. (Foto: Georg Bosse)

Polizei dankte kleinem Augenzeugen mit Dienststellenbesichtigung

BURGDORF (gb). Bemerkenswerten Bürgermut hat der zehnjährige Leo aus Burgdorf bewiesen. Als Augenzeuge eines eigentlich unspektakulären Schadenereignisses im innerstädtischen Straßenverkehr, an dem zwei Fahrzeugführer beteiligt waren, half er den Polizeibeamten vor Ort, den wahren Sachverhalt festzustellen.
Ein VW-Polo war beim Ausparken gegen ein haltendes Kurierfahrzeug gestoßen. Bei der Unfallaufnahme gab ein 18-Jähriger gegenüber den Polizeibeamten an, dass sein Vater den Polo gefahren habe und nur kurz in ein Ladengeschäft gegangen sei. Leo hatte den Unfallhergang allerdings genau beobachtet. Denn es hatte der junge Mann am Steuer gesessen, der, wie sich später herausstellte, nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis war. „Ich finde es nicht cool, andere anzulügen. Aber mir war schon etwas mulmig, den Beamten den wahren Ablauf zu schildern, weil ich ein wenig Angst hatte, als Zehnjähriger nicht für voll genommen zu werden. Mein Klavierlehrer Öncü Ucar hat mich jedoch dabei unterstützt und mir so ein besseres Gefühl gegeben“, erzählte der blitzgescheite kleine Zeuge am vergangenen Mittwoch in der ortsansässigen Polizeiinspektion (PI) Burgdorf.
„Meine Kollegen sind voll des Lobes für Leo, der sich so umsichtig verhalten hat. Er hat ihnen und uns viel Arbeit erspart und damit zur Wahrheitsfindung beigetragen“, würdigte Polizeihauptkommissar und Verkehrssicherheitsberater Uwe Bollbach den dann doch außergewöhnlichen Vorgang. Als Dank und Anerkennung hatte der Polizeibeamte zu einer Dienststellenbesichtigung „Vor dem Celler Tor“ einladen, zu der Leo seine Mutter sowie seinen Cousin Enno (9 Jahre) und seinen Freund Ruben (9) mitgebracht hatte. Dann ging es für das Trio in den Raum, wo verdächtige Personen üblicherweise erkennungsdienstlich erfasst werden. Dort wurde ihnen von Burgdorfs Kontaktbeamten Jörg Windfuhr mittels schwarzer Farbe die Fingerabdrücke „zur Identifizierung“ abgenommen. „Wie im Krimi“, entfuhr es Leo. Anschließend durften die Jungs einen blau-grauen Polizei-Passat genau unter die Lupe nehmen. Die Besonderheiten und Funktionen eines niedersächsischen Streifenwagens wurden ihnen von Uwe Bollbach erklärt. Und kleine Polizei-Geschenke gab es abschließend für alle drei obendrauf.