Wort zu Ostern: ". . . vom Leben umfangen"

(Foto: Kirchenkreis/Preuschoff)

Von Superintendentin Sabine Preuschoff, Burgdorf

Es war ein schwerer Gang. Als die Erde dumpf auf den Sarg fiel, war es ihr, als würde damit auch ihr ganzes gemeinsames Leben beerdigt. Sie sah nur das Dunkel der Erde im Grab. Die Stimmen der Menschen drangen kaum zu ihr durch. Sie hatten doch noch so viel vorgehabt. Und nun war ihr Mann tot. Alles vorbei. „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Sie sitzt zu Hause. Zusammengesackt. Kraftlos. Alles ist so sinnlos. Leer. Am liebsten möchte sie sich verkriechen und gar nicht mehr wieder aufstehen.
Es ist spät geworden. Dunkelheit blickt durchs Fenster. Das Telefon zerreißt die Stille. Mühsam schleppt sie sich hin. „Ja?“ Ihre Freundin ist dran: „Komm mit zur Osternacht. Ich hole Dich nachher ab.“ – „Ich kann nicht. Es ist so dunkel in mir . . . und kalt.“ – „Ich weiß. Und deshalb kommst du mit. Bitte.“
Zusammengekauert, ihre Seele angefüllt von Trauer und Dunkelheit. So erlebt sie den Beginn der Osternacht. Gesang und Worte, Stimmen und Stille. Dann werden Kerzen entzündet. Einer gibt das Licht an den anderen weiter.
Das Osterlicht trägt einen milden Schein in das Dunkel der Kirche. Der Mann vor ihr dreht sich um. Er lächelt sie freundlich an, reicht ihr das Licht und sagt: „Der Herr ist auferstanden.“ Um ihre Kerze anzuzünden, richtet sie sich auf. Indem sie sich aufrichtet, wird es heller in ihr. Und aus der Mitte der Kerzenlichter spricht eine Frauenstimme: „Gott kommt in die Dunkelheit, wo meine Sehnsucht nach dem Leben begraben liegt.“
Ja, denkt sie, Gott, richte mich auf.
„Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,4-5)

Gesegnete Ostern!

Sabine Preuschoff
Superintendentin des Ev.-luth. Kirchenkreises Burgdorf