Wir sind durch Gertrud Mrowka geworden, was wir heute sind

Im Erzählcafé erinnerten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an das Wirken von Gertrud Mrowka. (Foto: Petra Pape)

Erzählcafé erinnerte an das Wirken einer engagierten Burgdorfer Frau

BURGDORF (r/jk). Viele ZeitzeugInnen, WegbegleiterInnen und Familienangehörige folgten am vergangenen Sonntag der Einladung des Arbeitskreises „Frauen in Burgdorf“ ins Erzählcafé in die KulturWerkStadt. Bei Kaffee und Kuchen wurden Erinnerungen, an die vier Frauen in der Ausstellung „Burgdorfer Köpfe“ ausgetauscht.
Christel Hoffmann-Pilgrim und Jürgen Mollenhauer stellten das Wirken von Ilse Straka, Margarete Fuhse und Charlotte Zinke vor, deren Töchter das persönliche Portrait vervollständigten. Den Hauptteil des Nachmittags leitete Historikerin Claudia Epping mit einer Vorstellung der umfangreichen haupt- und ehrenamtlichen Arbeit von Gertrud Mrowka ein, die in der Broschüre Frauengeschichten in Burgdorf 1890 bis 2012 nachzulesen ist.
Am Beispiel der gemeinsamen Arbeit im Arbeitskreis Gedenktag 9. November erinnerte Pastor Bembenneck an die Vehemenz mit der Gertrud Mrowka ihre Ziele verfolgte und erreichte. „Während ich zu Kompromissen bereit war, blieb sie hartnäckig und so haben wir heute die Stolpersteine und den Fries mit den Namen aller deportierten Juden im Schloss.“ Ratsfrau Maria Leykum erklärte dazu: „Sie hatte einfach ein Talent, mit den Menschen zu sprechen.“
Pastor Paul, der sich als Teampartner von Gertrud Mrowka verstand, skizzierte sie als eine fromme Frau und trotz ihrer Art sich zu kleiden, als einen sehr modernen, feministischen Menschen, der es in Kauf nahm, für seine Ziele auch mal Schläge einzustecken. Dem konnte die Gleichstellungsbeauftragte Petra Pape nur beipflichten. „Gertrud Mrowka war über viele Jahre auch aktives Mitglied im Arbeitskreis Frauen und machte sich dort für die Frauenrechte stark. Sie hat vor 15 Jahren die erste Frauendemonstration in Burgdorf angezettelt. Frauen in schwarz gekleidet, zogen damals in die Ratssitzung, um auf die Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen.“
Kolleginnen, die über lange Jahre Wegbegleiterinnen waren, erinnerten sich über die schnelle zupackende Art und Weise, mit der Gertrud Mrowka an die Arbeit ging: „Während ich noch überlegte, wer, wie und was da jetzt getan werden soll, war der Topf schon fertig gekocht“, so Doris Lehrke-Ringelmann über die Organisation des Mittagstischs in der Paulusgemeinde.
Die Kurden und Kurdinnen, die als Flüchtlinge kamen und für die sich Gertrud Mrowka seit den 70er Jahren eingesetzt hatte, berichteten über ganz persönliche Erlebnisse. „Wir waren noch Kinder und sie war zu jeder Zeit für uns da. Im Volksmund wurde sie zur ehrenamtlichen Ausländerbeauftragten, aber für uns war sie wie eine Mutter“, sagte Cevzet Toprak. Nicht nur für ihn, auch für Naze Dal und für Hevi Birgin war Mrowka ein Vorbild: „Sie hat uns unterstützt, damit wir die deutsche Sprache lernen und eine Ausbildung machen konnten. Wir sind durch sie, was wir heute sind.“ Diese Worte berührten nicht nur die Familie von Gertrud Mrowka, die auch ins Erzählcafé gekommen war.
Die Ausstellung in der KulturWerkStadt ist noch bis zum 28. Juni zu besichtigen. Die o.g. Broschüre Frauengeschichten erhalten Interessierte über die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Burgdorf.