Wiesen vor dem Mähen absuchen um Wildtiere zu retten

Jörg Ehlermann setzt ein gefundenes Rehkitz um. Damit rettet er das Kitz vor dem sicheren Mähtod. (Foto: Jägerschaft Burgdorf)

Jäger appellieren an Landwirte und Pferdehalter

ALTKREIS BURGDORF (r/jk). Das erste Mähen der Wiesen des Jahres ist im vollen Gange: Landwirte und Hobby-Pferdehalter mähen die Wiesen, um saftiges Heu für die Wintermonate zu gewinnen. Außerdem werden Grünland oder Energiepflanzen wie Grünroggen gemäht. Der erste Mähtermin des Jahres fällt nach Auskunft von Oliver Brandt, Presseobmann der Jägerschaft Burgdorf, zusammen mit der Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere, die in den Wiesen und Feldern ihren Nachwuchs vor Fressfeinden verstecken.
Ducken und Tarnen der Rehkitze, Junghasen oder Fasanenküken schützen dabei zwar vor dem Fuchs oder dem Marderhund, aber nicht vor den sehr schnellen Kreiselmähern der Landwirtschaft, die mit einer Geschwindigkeit bis zu 20 Stundenkilometern und einer Mähbreite von bis zu zehn Metern über die Felder fahren. Viele Jungtiere finden hier den qualvollen Mähtod oder werden verstümmelt.
Deshalb appelliert die Jägerschaft an die Haupterwerbs- und Hobbylandwirte sowie an die Wiesenbesitzer, rechtzeitig den Mähtermin den örtlichen Jagdpächtern mitzuteilen und zudem das Feld nur von Innen nach Außen zu mähen, damit die Tiere noch flüchten können. Die Jäger der Jägerschaft Burgdorf beraten die Grundeigentümer gerne über Maßnahmen zur Wildtierrettung wie das Anbringen von Knistertüten und Flatterbändern zur Beunruhigung des Wildes. Eine weitere Möglichkeit ist das Absuchen der Wiesen gemeinsam mit Jägern und ihren Hunden kurz vor dem Mähtermin.
Vorbildlich verhält sich zum Beispiel der Weferlingser Pferdezüchter und Jäger Alfred Brönnemann: Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Jörg Ehlermann sowie weiteren Jägern und Familienangehörigen konnte er im vergangenen Jahr alleine drei Rehkitze vor dem sicheren Mähtod oder vor Verstümmelung retten. Wichtig ist dabei, dass die Rehkitze beim Umsetzen nicht von den Menschen direkt angefasst werden, erläutert Oliver Brandt: „Rehkitze oder Junghasen alleine zu lassen, ist Teil der Überlebensstrategie bei diesen Tierarten. Die Jungtiere sind noch geruchslos und können so zum Beispiel vom Fuchs nur schwer gefunden werden. Wenn die Tiere vom Menschen angefasst werden, verlieren sie ihre Geruchslosigkeit und werden vom Alttier nicht mehr angenommen. Es ist wichtig, immer viel Gras oder Stroh zwischen seiner Handfläche und dem Kitz zu haben!“
Die Jäger erinnern in diesem Zusammenhang an die derzeitige Brut- und Setzzeit und den gesetzlichen Leinenzwang für Hunde in freier Natur. „Wichtig ist, dass Hundehalterinnen und Hundehalter ihre Tiere in der Feldmark und im Wald nur angeleint spazieren führen, damit die Jungtiere nicht ohne Grund beunruhigt oder von Hunden gehetzt und getötet werden“, appelliert Oliver Brandt an die Vernunft und Einsicht aller Hundehalterinnen.