Wie unsere Vorfahren dem Schmutz zu Leibe rückten

Die neue Ausstellung in der Burgdorfer KulturWerkStadt beleuchtet auch die Geschichte der Badekultur, die schon bei früheren Hochkulturen einen hohen Stellenwert einnahm. (Foto: VVV)
 
Ein Waschtag im Hof im Jahr 1910. (Foto: VVV)

Ausstellung zur Kulturgeschichte der Sauberkeit ab 9. November

BURGDORF (r/jk). Wie man dem Schmutz in früheren Zeiten zu Leibe rückte und sich die Kultur der Körperpflege entwickelte, verrät die Ausstellung „Waschen – Baden – Putzen: Sauberkeit im Wandel der Zeit“, die der VVV, die Stadt Burgdorf und der Förderverein Stadtmuseum vom 9. November bis zum 19. Januar 2014 in der KulturWerkStadt (Poststraße 2) präsentieren. Als Förderer leistete die Stadtsparkasse Burgdorf wertvolle Unterstützung. Verantwortlich für die Konzeption und Zusammenstellung ist VVV-Museumspädagogin Anke Gehrke. Am Eröffnungstag, 9. November, lädt der VVV um 14.00 Uhr zu einer Führung mit der Ausstellungsmacherin ein.
Ein Schwerpunkt der Schau widmet sich der Kulturgeschichte des Waschens und gibt anschauliche Einblicke in Zeiten, in denen noch Waschbrett, Stampfer und Kernseife im Mittelpunkt des Waschprozesses standen und der Vollwaschgang der elektrischen Waschmaschine in weiter Zukunft lag. Zu sehen sind zahlreiche Exponate, die den Fortschritt der Reinigungstechniken im Verlauf der Menschheitsgeschichte widerspiegeln. Illustrierende Informationstafeln beleuchten die gewandelten Anschauungen über die Bedeutung des Waschens seit der frühen Neuzeit und stellen den Ablauf einer Waschprozedur in unterschiedlichen Epochen dar.
Beim Gang durch die Ausstellung erfahren die Besucher, unter welchen Bedingungen es den Menschen ohne die heute zur Verfügung stehenden technischen Hilfsmittel gelang, ihre Wäsche und Wohnräume vom Schmutz zu befreien. Dabei gestaltete sich der Waschprozess bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in der Regel als körperlich belastende Schwerstarbeit. Die Waschküche galt als ein Ort schlimmster Torturen, denen sich die Frau beim Haushalten unterziehen musste. Dem stand die Wohnungsreinigung mit vorheriger Sandaustreuung nicht nach.
Die ersten Experimente, die Arbeit beim Wäschewaschen zu vereinfachen und zu beschleunigen, begannen schon in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in Kurland (heute Lettland), wo Gotthard Friedrich Stender den Konstruktionsentwurf einer mechanischen Waschmaschine vorlegte. 1858 entwarf der Amerikaner Hamilton Smith die Trommelwaschmaschine. Beide gelangten aber noch nicht zur praktischen Nutzung. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, mit der Entwicklung der industriellen Revolution, begann in größerem Umfang die Herstellung mechanischer Waschmaschinen, die anfänglich in Wäschereien und Krankenhäusern eingesetzt werden konnten und ab den 1960er Jahren in ihrer elektrisch betriebenen Weiterentwicklung in fast alle deutschen Haushalte einzogen.
Ein weiteres Ausstellungssegment beleuchtet die Geschichte der Badekultur, die schon bei früheren Hochkulturen einen hohen Stellenwert einnahm. Im mesopotamischen Mari gab es in den Privaträumen der Herrscherin bereits 2000 v.Chr. ein Badezimmer mit einem Ofen zum Erwärmen von Wasser, zwei kleine, halb in den Boden eingelassene Badewannen aus Ton sowie eine Art Dusche. Sowohl die Griechen als auch die Römer maßen der Badekultur eine schon rituelle Bedeutung bei, allerdings stand dort das öffentliche Badewesen im Vordergrund. Die vornehmen Römer trafen sich in prunkvoll ausgestatteten Thermen, die bereits mit einer Fußbodenheizung ausgestattet waren, und nutzten sie als Versammlungsort für geschäftliche oder politische Verhandlungen.
Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Einstellung zur Körperlichkeit und Nacktheit in der Gesellschaft. Das Bedürfnis nach räumlicher Zurückgezogenheit nahm stärker zu. So entstanden im Laufe des 19. Jahrhunderts Räume, die nur für die Körperpflege gedacht waren, woraus sich später das Badezimmer mit fließendem Wasser entwickelte. Der Weg zum Badezimmer für jedermann war allerdings noch lang und vorerst den höher gestellten Gesellschaftsschichten vorbehalten. Viele Menschen mit geringerem Einkommen nutzten deshalb das Angebot, für die persönliche Körperpflege ein öffentliches Badehaus aufzusuchen. Eine derartige Einrichtung existierte in Burgdorf seit dem Juni 1897 in der Marktstraße 59. Nach ihrer Schließung um das Jahr 1902 gab es die Badehäuser von Wilhelm Leinemann (1910 - 1931) und Heinrich Steding (1950 - 1955). Das letzte öffentliche Institut dieser Art, in dem sich auch ein Lehrschwimmbecken befand, hatte sein Domizil in der neuen Volksschule in der Gartenstraße und stellte erst 1970 seinen Betrieb sein. Zu dieser Zeit gehörte ein privates Bad längst zu den selbstverständlichen Annehmlichkeiten des Wohnlebens.
Die Ausstellung ist sonnabends und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. In Absprache mit VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich (Tel. 05136/1862) sind Führungen auch innerhalb der Woche möglich.