„Wie man vom Genozid reden muss“

Vor dem Arbeitskreis „Gedenkweg 9. November“ sprach Friedrich Erich Dobberahn zum Thema „Wie man vom Genozid reden muss“- Foto: Georg Bosse
Burgdorf: Georg Bosse |

Marsch zur Erinnerung an die Reichspogromnacht 1938

BURGDORF (gb). Zum ersten Mal musste der Burgdorfer Arbeitskreis „Gedenkweg 9. November“ am vergangenen Donnerstagabend seinen Marsch zur Erinnerung an die Reichspogromnacht 1938, der zu verschiedenen Stolpersteinen in der Innenstadt und anschließend zum Schloss am Spittaplatz führte, als Demonstration anmelden.
Unter anderem hielten die rund 50 Teilnehmer/innen vor der KulturWerkStadt, der ehemaligen Burgdorfer Synagoge, an der Poststraße inne, wo die Stolpersteine von Emma Blumenthal und Gustav Italiener in den Gehsteig eingelassen sind. Nach einem weiteren Stopp in der Louisenstraße (Meyer Löwenstein & Margarethe Kaufmann), war der Ratssaal des Schlosses das Ziel der Gedenkenden.
Dort wartete auf sie der Vortrag von Dr. Dr. Friedrich Erich Dobberahn zum Thema „“Wie man vom Genozid reden muss“. Der evangelische Theologe hat semitische Sprachen und Ägyptologie studiert sowie in Äthiopistik und Altem Testament promoviert. Friedrich Erich Dobberahn lehrt am humanistischen Gymnasium „Ernestinum“ in Celle Hebräisch.
Sein Vortrag, der sich mit der speziellen begrifflichen Schwierigkeit beschäftigt, angemessen vom Genozid zu reden, ist als Aufsatz in der „Celler Chronik 24“ erschienen. Dabei geht er der Frage nach, ob die Embleme „Shoa“ (hebrä. Sturm, Unglück, Katastrophe) und „Holocaust“ (hebrä. Brandopfer) als Benennung des Barbarischen geeignet sind. „Paul Celan (1920-1970) hat in seinen Gedichten dieses Problem der Unmöglichkeit sprachlich adäquater Umsetzung immer wieder thematisiert“, sagte Dobberahn. „Hätten die Lager länger bestanden, wäre eine neue, harte Sprache geboren worden“, verwies Dobberahn auf Primo Levi (1919-1987) und: „ diese neue, „harte Sprache“ müsste als ureigene Lagersprache den realen Sachverhalt des „Aschenplaneten“ (Anm: Ausschwitz) wiedergeben.“
Das Geschehene müsse erinnert, die Barbarei ohne Umschweife benannt, die Martyrien der Opfer gewürdigt und eine Wiederholung des Ungeheuerlichen geächtet werden, so Friedrich Erich Dobberahn.