Wer war Magdalene? - über den ältesten Burgdorfer Friedhof

Auf eine interessante Entdeckungstour über den Magdalenenfriedhof gingen 35 Teilnehmer aller Altersklassen mit Stadtführerin Brigitte Janssen. (Foto: SMB)

Stadtmarketing Burgdorf lud zur ersten Stadtführung der Saison ein

BURGDORF (r/jk). Bis zum 2. September lädt Stadtmarketing Burgdorf (SMB) jeweils am ersten Sonntag des Monats zu fünf unter einem thematischen Schwerpunkt stehenden öffentlichen Stadtführungen ein. Saisonstart war bereits am Sonntag, 1. April. In Mittelpunkt des von Brigitte Janssen geleiteten stadtgeschichtlichen Rundgangs stand der Magdalenenfriedhof. Er ist die älteste, erhaltene historische Begräbnisstätte Burgdorfs. Als Relikt des ausgehenden 16. Jahrhunderts hat sie allen baulichen Veränderungen der vergangenen Jahrhunderte getrotzt und auch den Bau der Hochbrücke in den 1970er Jahren mit größeren Flächeneinbußen überstanden.
Brigitte Janssen empfing 35 Teilnehmer aller Altersklassen vor dem Eingangsbereich des Friedhofs Am Hannoverschen Tor. Bei durchwachsenem Aprilwetter führte sie ihre Begleiter über die Gräberanlagen, die sie als steinerne Zeugen der Vergänglichkeit an den letzten Weg aller Menschen erinnerten. Im Jahr 1583 eröffnete die Burgdorfer Kirchengemeinde den neuen Friedhof am damaligen Preyner Tor. Nach einer Pestepidemie entlastete sie damit den bis 1801 weiterhin genutzten Kirchhof um die St. Pankratius-Kirche als Grabstätte.
Zu den in Vergessenheit geratenen weiblichen Persönlichkeiten des welfischen Herrschergeschlechtes gehört die Gräfin Magdalene von Bentheim-Steinfurt (1540-1586). Die aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg stammende Adlige verbrachte ihre letzten Lebensjahre im Burgdorfer Schloss. Sie stiftete 1583 eine später nach ihr benannte Kapelle auf dem neuen Friedhof und gab ihm damit seine bis heute gebräuchliche Bezeichnung.
Brigitte Janssen erläuterte den Teilnehmern, dass das ursprünglich an einer anderen Stelle des Friedhofs stehende sakrale Gebäude wegen massiver Schäden schon 1815 abgerissen werden musste. 1869 entstand an der heutigen Stelle u.a. mit Stiftungsgeld der Familie Gott ein Neubau im Stil der Gründerzeit. Schon seit den 1960er Jahren finden, von wenigen Ausnahmen wie dem 2001 beerdigten Tierarzt Volkmar Schüler abgesehen, keine Begräbnisse mehr auf dem Magdalenenfriedhof statt. Der Kulturverein Scena im VVV hat das ungenutzte Gebäude im Jahr 2008 als Ausstellungsort übernommen.
Über die zurzeit allgegenwärtig auf dem Friedhof blühenden Blausternblüten hinweg, führte Brigitte Janssen die Teilnehmer zu den Grabstellen ehemals prominenter Burgdorfer Persönlichkeiten. Als hoch angesehene Politiker, Unternehmer oder Geistliche haben sie für viele Jahre das Leben in der Auestadt geprägt. Über deren Biografien hatte sie viele aufschlussreiche und kaum bekannte Hintergrundgeschichten zu berichten. Mit kurzweilig erzählten Anekdoten wusste sie die auf den Grabsteinen zu lesenden Namen mit neuem Leben zu erfüllen.
Angehörige der hier bestatteten Oberschichten waren die fast 150 Jahre erfolgreiche Burgdorfer Unternehmerfamilie Sannemann, der 30 Jahre als Amtsrichter tätige, 1883 verstorbene, Bernhard Culemann, der von 1889 bis 1926 regierende Bürgermeister Heinrich Schuster, dessen als Obelisk gestaltetes Grabmal kein vergleichbares Pendant auf dem Friedhof hat, der bekannte Bürgervorsteher Theodor Klauke oder die Senatorendynastie Niemack, von deren Familienangehörigen zahlreiche Grabstellen erhalten sind.
Zu den Kuriositäten gehört, dass es in Burgdorf früher eine Tabakwarenfabrik (Besitzer: Wilhelm Gnippel) und eine Nudelfabrik gab. Deren ehemaliger Besitzer Alfred Hansmann wurde 1965 mit einer Sondergenehmigung auf dem Magdalenenfriedhof bestattet. Sein Bruder Otto, dessen Grabstein nicht mehr auffindbar ist, hatte die südamerikanische Adoptivtochter des Plantagenbesitzers Wundram geheiratet. An ihren Vornahmen „Mercedes“ erinnert die gleichnamige Villa an der alten Schillerslager Straße.
Unvergessen ist der Kirchenliederdichter und Superintendent Carl Johann Philipp Spitta, dessen sterbliche Hülle seit dem 28. September 1859 in der nahen Gesellschaft anderer Burgdorfer geistlicher Würdenträger an der sogenannten „Superintendentenecke“ liegt. Brigitte Janssen zeigte ihren Begleitern auch das Grabmal des 1798 verstorbenen Burgdorfer Adligen von Bieberstein und seiner Frau. An dessem in Richtung der heutigen Bahnhofsstraße gelegenem Liegeplatz soll sich der ursprüngliche Standort der alten Magdalenenkapelle befunden haben.
Zum Abschluss ihrer Führung stellte Brigitte Janssen die beiden ältesten, noch identifizierbaren Ruhestätten des Friedhofs vor. Es handelt sich um die Grabsteine des 1753 verstorbenen Heeßeler Kirchenvorstehers Henning Kracke und des Burgdorfer Drosten Johann Friedrich vom Ompteda, der von 1751 bis 1810 in der Stadt lebte und eine detaillierte Beschreibung des Brandinfernos von 1809 hinterließ.