Wer hat Angst vor Haarmanns Beil?

„Nimm Dich in Acht vor Haarmanns Beil!“ Unter diesem Motto steht die Führung durch die Ausstellung „Polizeimuseum“ am 9. Dezember im Burgdorfer Stadtmuseum. (Foto: VVV)

Führung durch das „Polizeimuseum“ am 9. Dezember

BURGDORF (r/jk). Nimm Dich in Acht vor Haarmanns Beil! Als diese Warnung unter der verängstigten hannoverschen Bevölkerung wie ein Lauffeuer kursierte, war die spätere niedersächsische Landeshauptstadt Schauplatz einer wochenlangen Mordserie geworden.
Es begann am 7. Mai 1924 als spielende Kinder an der Leine einen menschlichen Schädel fanden. Da es in den folgenden Wochen zu weiteren bizarren Funden kam, war es offensichtlich, dass ein krankhafter Serientäter seine abartigen Neigungen auslebte. Bei einer Suchaktion barg die Kriminalpolizei insgesamt 285 menschliche Knochen aus dem Flussbett der Leine. Nach fieberhaften Ermittlungen gelang es schließlich, den hannoverschen Altwarenhändler Fritz Haarmann als Schuldigen zu überführen. Beim anschließenden Mordprozess kristallisierte sich in grausamer Detailfülle heraus, mit welcher Brutalität der Täter vorgegangen war. So lange diese mit Haarmanns Enthauptung gesühnten Mordtaten mittlerweile zurückliegen, üben sie doch bis heute eine makabere Anziehungskraft aus. Es gibt wohl kaum einen Hannoveraner, dem der Name des angeblich seine Opfer zu Wurstkonserven verarbeitenden Haarmann nicht mehr geläufig ist. Für dieses Gerücht gab es allerdings niemals schlüssige Beweise.
Zu der Ausstellung „Polizeimuseum“, die der VVV und die Stadt Burgdorf bis zum 27. Januar 2013 im Stadtmuseum (Schmiedestraße 6) zeigen, gehört auch eine Dokumentation der Haarmannschen Verbrechen, die Einblicke in das dunkelste Kapitel der norddeutschen Kriminalgeschichte gibt. Dr. Dirk Götting vom Polizeimuseum der Polizeiakademie Niedersachsen, aus dessen Fundus die meisten Ausstellungsstücke stammen, lädt am Sonntag, 9. Dezember, um 14.00 Uhr zu einem geführten Rundgang durch das Haarmann-Segment der Ausstellung ein. Er blickt kritisch auf den Ermittlungs- und Prozessverlauf des Jahres 1924 zurück und deckt dabei kaum bekannte Hintergründe (wie die Einsetzung von Foltermethoden zur Geständniserzwingung) auf, an deren Bekanntwerden die damaligen Strafverfolgungsbehörden kein Interesse hatten. Außerdem gibt er eine kurze historische Einordnung des durch diesen spektakulären Kriminalfall eingeleiteten Wandels von der unbeschränkten Polizeigewalt des Obrigkeitsstaates zur rechtsstaatlichen Grundsätzen verpflichteten Rolle als „Freund und Helfer“ des Bürgers.
Das Stadtmuseum ist sonnabends und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Vereinen und Gruppen steht die Möglichkeit offen, eine Sonderführung innerhalb der Woche mit VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich (Tel. 05136/1862) zu vereinbaren.