Wer arm ist, geht schneller unter

Madison Hope Cooper (Hannah Volk), die Tochter des Titanic-Kapitäns, trifft im Zwischendeck auf Jack (Marika Wzietek) und Rose Miller (Mirja Hüßler; v. l.). Foto: Georg Bosse

Theater-AG des Gymnasiums inszenierte „Aufprall“ nach Enzensbergers „Titanic“

BURGDORF (gb). Die RMS Titanic wurde am 2. April 1912 als das größte Passagierschiff der Welt in Dienst gestellt, kollidierte am 14. April 1912 gegen 23.40 Uhr mit einem Eisberg und sank innerhalb von knapp drei Stunden. Hans Magnus Enzensberger (*1929) „Titanic“ ist eine stolze Metapher für die Geschichte des Fortschritts und für deren gigantomanischen Endlösungen.
Die Theater-AG des Gymnasiums Burgdorf am „Berliner Ring“ ließ sich von seinem Versepos zu ihrem Stück „Aufprall“ inspirieren, das am vergangenen Donnerstagabend in der Aula uraufgeführt wurde. Die 15-köpfige Jungkünstlergruppe der Jahrgänge acht bis 12 hatte für ihre Interpretation Figuren, Dialoge und Spielszenen selbst kreiert. Sämtliche Sounds zu dem Burgdorfer Bühnenstück steuerte der hannoversche Hip Hop-Produzent Kai Aschemann, alias Brisk Fingaz, bei.
„Aufprall“ thematisiert den Riss durch den „stählernen Rumpf“ der (damaligen) Gesellschaft, der die soziale Ungleichheit sowie die gesellschaftlich Existenz- und Überlebenskrise im Zuge unbedingter Fortschrittsgläubigkeit markiert. Der Ort der Katastrophe ist überall. Die Vorzeichen können verstanden und auch bestritten werden. Es ändert aber nichts daran, dass der „Eisberg“ bzw. der „Aufprall“ ist unwiderruflich ist. Fazit: Wir sitzen alle im selben Boot. Allerdings – wer arm ist geht schneller unter.