Was wir vom Tyrannosaurus Rex lernen können?

Stefan Fourier plädierte für größeren Mut zu Veränderungen

BURGDORF (r/jk). Wie muss ein Unternehmen aufgestellt sein, um sich den unvorhersehbaren zukünftigen Veränderungen der Marktbedingungen mit nachhaltigem Erfolg anzupassen? Diese fundamentale Frage stand im Fokus eines Vortrags, den der Wirtschaftsexperte und Autor Dr. Stefan Fourier (aktuelles Buch „Jenseits vom schnellen Gewinn“) auf Einladung von Wegeners Buchhandlung und Stadtmarketing Burgdorf (SMB) gehalten hat. Dr. Karl-Heinz Vehling, Vorsitzender des Stadtmarketing-Vereins, begrüßte die Gäste und stellte Fourier als ausgewiesenen Spezialisten für erfolgreiche Unternehmensführung und als Gründer der Firma „Humanagement“ vor, die ihre in Wurzeln in Burgdorf hat und seit über 20 Jahren im Qualitätsmanagement für Unternehmen tätig ist.
Als zentraler Leitgedanke für dauerhaften, wirtschaftlichen Erfolg zog sich die Kategorie der „Veränderungsfähigkeit“ durch Fouriers Vortrag. Nach seiner Einschätzung gehört sie zu den wichtigsten Herausforderungen für zukunftsorientierte Unternehmen. Von deren erfolgreicher Bewältigung hinge die Überlebensfähigkeit eines Unternehmens ab. Die heutige, rasante Dynamik im Wirtschaftgeschehen hat dabei zur Folge, dass ein Unternehmen nur dann am Markt bestehen kann, wenn es auf eigentlich nicht kalkulierbare Veränderungen vorausschauend reagiert und auch das scheinbar Unvorstellbare in seine strategischen Handlungsprozesse einbezieht.
Viele große Unternehmen haben nach Fouriers Beobachtung das Handicap, dass ihren Managern der ernsthafte Willen zur permanenten Anpassung und Veränderung fehlt und sie damit wichtige Innovationspotenziale fahrlässig ignorieren. Stattdessen würden sie sich auf einer einmal erreichten Marktposition und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Erfolg ausruhen, bis eine völlig überraschende Entwicklung den totalen Ruin zur Folge hätte.
Aus der Erdgeschichte wählte Fourier als anschauliches Beispiel den Tyrannosaurus Rex, der sich als Dinosaurier in einer scheinbar unangefochtenen Stellung innerhalb der Tierwelt befunden hat und doch nach einer globalen Katastrophe dem Säugetier weichen musste. Eine unabdingbare Voraussetzung zum Umschiffen dieser gefährlichen Klippen ist für Fourier ein auf langfristige Entwicklung ausgerichtetes Managementhandeln. Dieses reagiert auf alle jenseits jeder Erwartung stehenden Unwägbarkeiten des Wirtschaftskreislaufs veränderungsmutig, ideenreich und entscheidungsoptimistisch, ohne sich dabei auf einem nur auf kurzfristige Rendite und maximale Effektivität orientierten Kurs zu bewegen. Symbolhaft führte er diesen Gedanken in der Parabel vom gescheiterten, gierigen Kartoffelhändler aus seinem Erzählband „Der blaue Divan“ an. Dessen selbst verschuldete Katastrophe sind ein paar plötzlich auftauchende Stromschnellen, deren vorauszusehende Gefahren er beim profitsüchtigen Überladen seines Schiffes vollkommen außer Acht gelassen hat.
Eine robuste Unternehmensstruktur, zu der optimal motivierte Mitarbeiter und eine verständliche, realitätsangepasste Vermittlung von Führungsentscheidungen einen kaum zu überschätzenden Beitrag leisten würden, ist für Fourier ein weiterer wichtiger Faktor für die krisenfeste Behauptung im Marktgeschehen. Zum Abschluss seines Vortrags betonte der Unternehmensberater, dass es keine allgemein gültigen Erfolgsrezepte für wirtschaftlichen Erfolg gibt und ein zu erreichender Idealzustand illusorisch wäre. Jeder Unternehmer muss sich dabei mit der Veränderungsfähigkeit in seiner konkreten Situation persönlich auseinanderzusetzen und die richtige Balance zwischen Widerstands- und Anpassungswillen finden.