VVV sucht Exponate aus dem Umfeld Heimatvertriebener

Horst Regenthal sondiert die Ruinen des ehemaligen Flüchtlingslagers an der heutigen B 443. (Foto: VVV)

Burgdorfs letzte Flüchtlingsbaracke steht an der B 443

BURGDORF (r/jk). Unter welchen Umständen gelangten die Flüchtlinge und Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges nach Burgdorf? Wie gestalteten sich ihre damaligen Lebensbedingungen? Diese zentralen Fragen stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung über das Schicksal der Flüchtlinge und Vertriebenen in Burgdorf, die der VVV und die Stadt Burgdorf für die zweite Jahreshälfte 2013 planen. Die stadtgeschichtliche Schau trägt das Anliegen, an diese traumatisierten und oft mit Vorurteilen aufgenommenen Menschen zu erinnern. Sie verloren für immer ihre alte Heimat und fanden im Burgdorf der Nachkriegsjahre ein oft konfliktträchtiges, manchmal auch dauerhaftes Asyl.
Eine Projektgruppe des VVV um Horst Regenthal ist momentan in der Vorbereitungsphase. Sie bittet Betroffene und deren Nachkommen um ihre Mithilfe. Gesucht werden authentische Augenzeugenberichte, Erinnerungsstücke und Exponate aus dieser Zeit, die für die Ausstellung als Leihgaben oder Schenkungen zur Disposition stehen. Dazu gehören Handwagen, Destilliergeräte, Kleiderkarten, Tabakschneidemaschinen, Essgeschirr, Zeitungen der Nachkriegszeit, Gegenstände der Schulspeisung und andere Geräte des täglichen Bedarfs der Flüchtlinge. Ansprechpartner ist Horst Regenthal (Tel. 05136/9746233).
Nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges und einer dadurch ausgelösten beispiellosen Flüchtlings- und Vertreibungswelle unter den in den Ostgebieten wohnenden Deutschen, bekam auch die Auestadt die dramatischen Folgen dieser erzwungenen Völkerwanderung in westlicher Richtung zu spüren. 1943 und 1945 hatte Burgdorf zahlreichen Kriegsflüchtlingen die Aufnahme gewährt, und die ersten Unterbringungsprobleme zu verkraften. Deutlich drängendere Dimensionen hatte die Suche nach geeigneten Verteilungsoptionen für die nach dem Kriegsende vertriebenen Deutschen, die aus Schlesien, dem Sudetenland und Ostpreußen auf dem leidvollen Weg in eine ungewisse neue Heimat in Burgdorf eingetroffen waren. Bis zum 1. Dezember 1947 stieg die Zahl der Einwohner von 6.513 im Jahr 1939 um 61 Prozent auf 10.502 Einwohner. Unter ihnen befanden sich 1.067 Bombengeschädigte und 2.794 Flüchtlinge aus den Ostgebieten. Gleichzeitig war in dieser Zeit der Burgdorfer Wohnungsbestand um 10 Prozent zurückgegangen.
Der knappe Wohnraum ließ eine schnelle Flüchtlingsunterbringung in eigenen Wohnungen als illusorisch erscheinen. So funktionierte die Stadtverwaltung die ehemaligen Baracken der Luftabwehrstellung an den Drei Eichen, an der ehemaligen Flakleitstelle vor dem Hannoverschen Tor und das Barackenlager für Ausgebombte an dem ehemaligem Sportplatz „Vor den Heeßeler Tannen“ im Bereich der alten Lehrter Straße als provisorische Auffanglager und Unterkünfte um. Stumme steinerne Zeugen dieser Zeit sind die Mauerreste des 1947 aufgegebenen Lagers an der Lehrter Straße Nr.18, das nur Eingeweihte in einem kleinen Wäldchen an der B 443 auf der Höhe des Tenniswegs in Ahrbeck aufspüren.