Von der „Love Story“ bis zu „Honig im Kopf“

Am 19. Januar wird die düstere Zukunftsvision „1984“ gespielt. (Foto: Andreas Hartmann (TfN))
 
Als erstes Bühnenstück der neuen Spielzeit spielt das Theater für Niedersachsen am 20. Oktober Arthur Millers Schauspiel „Hexenjagd“. (Foto: TfN)

Rechtzeitig das Lieblings-Abo für das Theater am Berliner Ring sichern / Spielzeit
beginnt am 20. Oktober

BURGDORF (r/jk). Ein an Höhepunkten reiches Programm mit spannenden Produktionen im Theater am Berliner Ring bieten der VVV und die Stadt Burgdorf in der kommenden Spielzeit 2017/2018. Vom 20. Oktober bis 1. Juni 2018 sind sieben neue Gastspiele des Theaters für Niedersachsen und ein Star-Gastspiel der Komödie am Altstadtmarkt zu sehen. „Die Zuschauer erwartet ein ausgewogener Spielplan, der alle Sparten vom Musical über das klassische Drama und die Komödie bis zum modernen Schauspiel umfasst“, verspricht der VVV-Arbeitskreis Theater am Berliner Ring, der seit 2006 für das organisatorische Umfeld verantwortlich ist. Die jährlich ansteigende Abonnentenzahl spiegelt wider, dass sich das Theater in Burgdorf in den letzten zehn Jahren zu einem attraktiven kulturellen Anziehungspunkt entwickelt hat. Als Sponsorpartner beteiligt sich die Stadtsparkasse Burgdorf. Die Aufführungen beginnen jeweils freitags um 20.00 Uhr. Für das Publikum gibt es eine halbe Stunde vorher eine kostenlose Einführung in die Bühnenhandlung.
In der Spielzeitpause läuft bereits der Verkauf der neuen Abonnements. Verkaufsstelle ist Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2, Tel. 05136/1862. Dort erhält jeder Interessent eine ausführliche Beratung. Theaterfreunde, die sich frühzeitig einen festen Platz für die gesamte Spielzeit oder einzelne Vorstellungen reservieren möchten, haben die Auswahl zwischen vier Kategorien: „MARATHON“ (acht Vorstellungen, Gesamtpreise von 91,00 bis 124,00 Euro), WAHL-ABO (fünf Vorstellungen zur freien Auswahl, Gesamtpreise von 71,00 bis 87,50 Euro) „CLASSICO“ (vier Vorstellungen klassischen Inhalts, Gesamtpreise von 45,50 bis 62,00 Euro) und „LIGHT ACTION“ (vier Bühnenstücke der leichten Muse, Gesamtpreise von 45,50 bis 62,00 Euro). Für VVV-Mitglieder und Jugendliche gibt es im Vorverkauf Ermäßigungen.

Ein Klassiker von Arthur Miller

Als erstes Bühnenstück der neuen Spielzeit spielt das Theater für Niedersachsen am 20. Oktober Arthur Millers Schauspiel „Hexenjagd“. Das Stück spielt Ende des 17. Jahrhunderts in der puritanischen Stadt Salem in Massachusetts. Mehrere junge Mädchen der Gemeinde treffen sich nachts im Wald, um ausgelassen zu tanzen. Dabei werden sie beobachtet und am nächsten Morgen als Hexen angeprangert. Von der geistlichen Untersuchungskommission in die Enge getrieben, dreht eines der Mädchen den Spieß um und beschuldigt ihrerseits immer mehr Bürgerinnen und Bürger, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Bald befinden sich Hunderte von rechtschaffenen Bürgern im Gefängnis. Dutzende werden gehängt, ohne dass andere „Beweise“ gegen sie vorliegen als die Aussagen der vermeintlichen Hexe. Schließlich bricht das Chaos aus und der ganzen Stadt droht der Ruin.
Miller schildert eine Gesellschaft, die sich verleitet durch Aberglauben, Ignoranz, gegenseitiges Misstrauen, Rechtlosigkeit, Fanatismus und Intoleranz zwangsläufig in den Abgrund stürzt. Obwohl „Hexenjagd“ im Jahr 1692 spielt, kritisiert der Autor in Wirklichkeit die zur Zeit der Entstehung des Werkes aktuellen politischen Zustände der 1950er Jahre in den USA. Sie waren durch eine vergiftete politische Atmosphäre geprägt, die der Senator Joseph Mc Carthy mit den von ihm initiierten Untersuchungsausschüssen gegen angebliche kommunistische „antiamerikanische“ Umtriebe zu verantworten hatte.

„Honig im Kopf“ mit Karsten Speck

Als Star-Gastspiel der Braunschweiger Komödie am Altstadtmarkt folgt am 10. November die Tragikomödie „Honig im Kopf“, die auf dem gleichnamigen Filmerfolg von Til Schweiger basiert. In den Hauptrollen sind Karsten Speck als Sohn Niko und Achim Wolff als sein an Alzheimer erkrankter Vater Amandus zu sehen. Als Amandus nach dem Tod seiner geliebten Frau seinen Haushalt nicht mehr in den Griff kommt, nimmt ihn sein Sohn trotz der Einwände seiner Frau Sarah zuhause auf. Doch schon bald verschlechtert sich der gesundheitliche Zustand des Vaters rapide, so dass die Einweisung in ein Pflegeheim unausweichlich erscheint. Doch Enkelin Tilda will sich auf keinen Fall damit abfinden. Kurzerhand entführt sie ihren Großvater auf eine chaotische und spannende Reise, um ihm seinen größten Wunsch zu erfüllen: Noch einmal Venedig zu sehen, jene Stadt, die er vor vielen Jahren mit seiner Frau auf der Hochzeitsreise besucht hatte.

Musical „Love Story“

Am 22. Dezember steht das Musical „Love Story“ auf dem Spielplan, für das der Filmklassiker aus den 1970er Jahren nach dem Roman von Erich Segal Pate stand. Im Mittelpunkt steht das Liebespaar Oliver und Jenny. Als der aus reichem Haus stammende Jurastudent die neue Freundin seinen Eltern vorstellt, kommt es zum Bruch mit ihnen, da sie die junge Frau wegen ihrer niedrigen sozialen Herkunft kompromisslos ablehnen. Sie gehen sogar so weit, ihn zu enterben, nachdem er eine Trennung von Jenny ausschließt. Schon bald heiratet das Paar und lebt unter bescheidenden Bedingungen, bis Oliver sein Studium beendet hat und sich als Anwalt etabliert. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt fallen über das Eheglück der beiden düstere Schatten, als sich bei einer ärztliche Untersuchung herausstellt, dass Jenny unter Leukämie leidet.
Für das Musical adaptierte Stephen Clark die tragisch endende Liebesgeschichte der beiden Collegestudenten Oliver und Jenny zu einem berührenden Theaterskript. Dazu schrieb Howard Goodalls eine emotional ergreifende Musikpartitur, die die von Francis Lai geschriebene Titelmelodie des Films als Leitmotiv verwendet. Es singt und spielt die MusicalCompany des Theaters für Niedersachsen.

„1984“: eine düstere Zukunftsvision

Die Spielzeit geht am 19. Januar 2018 mit dem packenden Schauspiel „1984“ weiter. Die Vorlage bildete der legendäre 1949 erschienene Roman von George Orwell, der in dem erfundenen Staat Oceanien spielt. Dessen Bewohner werden nach der Parole „Big Brother is watching you“ von einer sogenannten Gedankenpolizei lückenlos überwacht. Mit einer unablässigen Propagandamaschine und provozierten Kriegen gegen die als Todfeinde deklarierte Nachbarstaaten schläfern die herrschende Parteielite und der über allem thronende „Große Bruder“ jeden Widerstandswillen ein. Als die beiden Hauptpersonen versuchen, aus diesem gnadenlosen System auszubrechen, begeben sich auf einen lebensgefährlichen Weg, dessen Ende ungewiss ist. Als Warnung vor den menschenverachtenden Herrschaftsmechanismen eines totalitären Staates sind der Roman Buch und seine in Burgdorf gezeigte Bühnenfassung nach wie vor brandaktuell.

„König der Herzen“

Am 16. Februar 2018 steht die Politkomödie „König der Herzen“ auf dem Spielplan, die der britische Dramatiker Alistair Beaton schrieb. Im Mittelpunkt steht die Liebesgeschichte zwischen dem fiktiven britischen Thronfolger Prinz Richard und einer pakistanischen Muslima. Völlig überraschend erklärt er eines Tages, dass er die von ihm geliebte Frau zu heiraten gedenkt und dafür zum Islam konvertieren möchte. Nach dieser Ankündigung gerät der gesamte politische Apparat in Aufruhr, zumal der Vater des Prinzen auf dem Sterbebett liegt und damit der Thronwechsel bevorsteht. Das garantiert politisch unkorrekte Stück nimmt mit bissigem Humor Klischees und Ressentiments aufs Korn.

„Die Ratten“

Gerhard Hauptmanns 1911 uraufgeführtes Schauspiel „Die Ratten“ setzt die Spielzeit am 16. März 2018 fort. Der Dramatiker und Nobelpreisträger wählt darin ein alltägliches Berliner Mietshaus als Mikrokosmos aus und zeigt beispielhaft auf, wie der alltägliche Überlebenskampf in Zeiten von Unsicherheit und Krise eigentlich normale Menschen in rücksichtslose Bestien verwandelt. Im Zentrum steht die Frage: Bin ich bereit, für mein kleines, privates Glück so weit zu gehen, dass ich dabei in Kauf nehme, anderen Menschen zu schaden?

„Ein hässliches Spiel – Dogfight“

Die MusicalCompany des Theaters für Niedersachsen präsentiert am 27. April 2018 eine weitere Musicalaufführung, die 2012 zwei renommierte Preise erhielt. „Ein hässliches Spiel – Dogfight“ von Benj Pasek und Justin Paul ist zum ersten Mal in deutscher Sprache zu sehen. Darin geht es um drei Rekruten, die kurz vor ihrem Abzug in den Vietnamkrieg eine frauenfeindliche Wette mit ungeahnten Konsequenzen abschließen. Gewinner soll derjenige von ihnen sein, der das hässlichste Mädchen der Stadt zu einer Party mitbringt. Die Wahl des Rekruten Eddie fällt auf Rose, eine unbeholfene, aber lebensfrohe Kellnerin. Als er die warmherzige und humorvolle junge Frau näher kennenlernt, bereut er seine unlauteren Absichten und lässt sich in eine intensive Romanze mit ihr ein.

„Nathan der Weise“

Mit Gotthold Ephraim Lessings Schauspiel „Nathan der Weise“ endet die Spielzeit am 1. Juni 2018. Der 1783 uraufgeführte Klassiker ist ein flammendes Plädoyer für Toleranz und das friedliche Miteinander der Religionen. Als Höhepunkt des Bühnenstücks entwirft der Aufklärer Lessing im Gleichnis vom Vater und den drei Ringen das Idealbild einer menschlichen Zivilisation, in der Christentum, Judentum und Islam eine gleichberechtigte und von gegenseitigem Respekt getragene Stellung einnehmen.