Vom Mord mit dem Brotmesser bis zur tödlichen Hühnersuppe

Im Buch „Tatort Burgdorf“ wird auch diese Szene einer Enthauptung dargestellt. (Foto: VVV)

Neuauflage des Buches „Tatort Burgdorf“ ist erhältlich

BURGDORF (r/jk). Anfang November erschien das vom VVV herausgegebene Buch von Dieter Heun und Heidi Rust: „Tatort Burgdorf – Jedes Jahr ein Mord“, in dem die beiden Autoren die Ergebnisse ihrer Nachforschungen zur Kriminalgeschichte der Stadt in der Zeit von 1584 bis 1873 zusammengetragen hatten. Die Leser erlebten spannende Kapitel, in denen es um Diebstahl, Mord, Kindestötung und andere Verbrechen harmloserer Natur sowie auf Seiten der Justiz um grausame und makabre Hinrichtungsrituale geht.
Die Verkaufszahlen des Buches übertrafen alle Erwartungen, so dass innerhalb einer Woche sämtliche Exemplare vergriffen waren. Vor dem Hintergrund der unvermindert anhaltenden Nachfrage entschloss sich der VVV, eine Neuauflage des Buches in die Wege zu leiten, deren druckfrische Exemplare aktuell in den Verkaufsstellen eingetroffen sind.
Das 164-seitige Werk ist bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Str. 2, Buchhandlung Gillmeister, Marktstraße 54, Wegeners Buchhandlung, Hannoversche Neustadt 25 sowie im Stadtmuseum (Schmiedestraße 6) und in der KulturWerkStadt (Poststraße 2) zum Preis von 9 Euro (VVV-Mitglieder: 8 Euro) erhältlich. Bei der Realisierung der Neuauflage leisteten die Stadtsparkasse Burgdorf, Bleich Drucken und Stempeln und Stadtmarketing Burgdorf wertvolle Unterstützung.
Mit ihrer kriminalistischen Spurensuche öffnen Heun und Rust bisher unbekannte Episoden der Burgdorfer Stadtgeschichte. Zeitlich reicht der von ihnen beleuchtete Bogen vom Mord mit einem Brotmesser im Jahre 1584 bis zur Tötung der Ehefrau durch eine vergiftete Hühnersuppe im Jahre 1873. Sie konfrontieren den Leser mit den aus heutiger Sicht schier unglaublichen strafrechtlichen Konsequenzen. So fanden die Autoren in einem amtlichen Dokument beispielsweise die Formulierung, dass in der Bevölkerung „förmlich ein Gelüste nach dem Vollzug der Todesstrafe“ festzustellen sei. Heun und Rust schildern detailgetreu den Ablauf öffentlicher Hinrichtungen vor einem schaulustigen Publikum. Das Strafverfahren gegen einen Schafdieb aus Aligse nehmen sie zum Anlass, mit dem Leser einen Blick in die Burgdorfer Folterkammer zu werfen.
Wer wissen will, ob es in Burgdorf auch Hexenverbrennungen gegeben hat, findet in dem Buch genauso eine Antwort wie zu der Frage, wo denn der Burgdorfer Galgen gestanden hat. Der Leser erfährt, dass von 1585 bis 1859 insgesamt 14 Scharfrichter in Burgdorf amtierten, darunter sogar eine Frau. Das Buch erzählt aber auch, wie die Burgdorfer ihr eigenes System der Steuerhinterziehung erfanden. Es berichtet, warum die Bürger ihren Magistrat wegen Faulheit verklagten. Und es verschweigt nicht, dass die ganze Stadt in Verruf geriet, weil – wie in einer alten Akte zu lesen ist – „das Saufen in der Stadt überhandnahm“.
Die Autoren finden einen guten Weg zwischen unterhaltsam-informativer Darstellungsform und lehrreicher Wissensvermittlung. Alles in allem bleibt die Erkenntnis, dass Burgdorf zwar kein im Vergleich mit anderen Kleinstädten auffallender Hort des Verbrechens war, aber im Verlauf der Jahrhunderte durchaus zahlreiche spektakuläre und Aufsehen erregende Kriminalfälle vorzuweisen hatte.