Vom Hühnerschreck zum bewunderten Schluchtenflitzer

Bürgermeister Alfred Baxmann (rechts) lässt sich erläutern „wie das Fahrrad den Motor bekam“. (Foto: VVV)

„Drum´ prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich der Motor zu dem Fahrrad findet …“

BURGDORF (r/jk). Erstaunliche Erscheinungsformen der motorisierten Fortbewegung auf zwei Rädern zeigt die neue Ausstellung der Radfahrgalerie Burgdorf, die der VVV und die Stadt Burgdorf am vergangenen Sonnabend in der KulturWerkStadt (Poststraße 2) eröffnet haben. Unter dem Motto „Vom Hühnerschreck zum Schluchtenflitzer“ zeigt die fahrradgeschichtliche Sonderschau bis zum 2. Dezember, „wie das Fahrrad den Motor bekam und ein echtes Motorrad werden wollte“.
Die präsentierte Fahrzeugpalette stammt aus dem Fundus des Deutschen Fahrradmuseums Bad Brückenau. Im Namen der Stiftung Hannoversche Volksbank, die mit einer erheblichen finanziellen Zuwendung an der Realisierung des Projekts beteiligt war, begrüßte der Burgdorfer Filialdirektor Eckhard Paga zahlreiche Gäste zur offiziellen Eröffnungsveranstaltung. Anschließend gab Walter Euhus, Leiter der Radfahrgalerie, eine kurze Einführung in die Geschichte des mit Hilfsmotor betriebenen Fahrrads.
Die Ausstellung spiegelt den konstruktionstechnischen Variantenreichtum der Fahrradhersteller wider, den diese von den Anfängen in den 1880er Jahren bis in die 1960er Jahre bei der Entwicklung unterschiedlichster motorbetriebener Fahrzeugkörper an den Tag legten. Hatten die Konstruktionen vor dem 2. Weltkrieg noch unter massiv auftretenden Gabel- und Rahmenbrüchen zu leiden, so fand der entwicklungstechnische Fortschritt mit der Massenanfertigung des neuen „Mopeds“ (aus den Begriffen „Motor“ und Pedale“ zusammengesetzt) Anfang der 1950er Jahre seinen krönenden Abschluss. Das preiswerte, alltagstaugliche Volksmotorrad in Leichtbauweise war geboren und avancierte für viele Menschen in der Zeit der Wirtschaftswunderjahre zum unverzichtbaren Gefährt bei der Ausübung eines Kleingewerbes, für den Arbeitsweg oder die Freizeitmobilität. Neben der berühmten „NSU-Quickly“ buhlten rund 90 Hersteller - die wichtigsten sind in der Schau vertreten - um die Gunst der Moped-Käufer. Diese stammten aus nahezu allen sozialen Schichten von der Hebamme über den Arbeiter bis zum gehobenen Beamten. Erst als mit zunehmendem Wohlstand das Automobil seinen Siegeszug feierte, verloren die motorisierten Fahrräder ihre Spitzenposition als Fortbewegungsmittel.
Lobende Worte fand Armin Baur, ein Burgdorfer Experte für historische Motorräder und Gast der Eröffnung: „Es ist den Ausstellungskuratoren auf eindrucksvolle Weise gelungen, aus allen Epochen des Motorfahrrades repräsentative Exemplare zusammenstellen, die sich auch noch im tadellosen Originalzustand befinden, darunter ein ungewöhnliches Tandem-Motorrad, ein „Rex-Sportmoped“ der Panther-Werke in Braunschweig oder ein Heinkel-Moped „Perle“ von 1955.“
Die Fahrradschau ist an den Wochenenden, sonnabends und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr, geöffnet. Interessierte Gruppen, die eine Sonderführung innerhalb der Woche buchen möchten, wenden sich an VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich, Tel. 05136/1862.