„Verborgene Schätze – Sammeln als Hobby“

Gerhard Rickert zeigt seine Hanomag-Modelle. (Foto: VVV)
 
Christoph Adolph mit seinen rororo-Taschenbüchern. (Foto: VVV)

Neue Ausstellung vom 24. Juni bis 20. August

BURGDORF (r/jk). Welche Kostbarkeiten in regionalen Sammlerstuben zu finden sind, zeigt die neue Ausstellung „Verborgene Schätze – Sammeln als Hobby“, die der VVV, der Förderverein Stadtmuseum und die Stadt Burgdorf von Samstag, 24. Juni, bis Sonntag, 20. August, im Stadtmuseum (Schmiedestraße 6) präsentieren. Die Schau startet am 24. Juni mit einer Führung um 14.00 Uhr. Öffnungszeiten: samstags und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr.
Die Ausstellungsstücke stammen von Sammlern aus Burgdorf, Steinwedel, Schwüblingsen und Isernhagen. Sie haben sich teilweise jahrzehntelang ihren Interessengebieten gewidmet und dabei umfassende Sammlungen von oft besonderem Seltenheitswert aufgebaut. Für die Ausstellung wählten sie einen repräsentativen Querschnitt aus. Einige Objekte waren noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen. Die Bandbreite reicht von Filmplakaten und Ansichtskarten über Fotoapparate und Hanomag-Modellen bis zu Waagen, Maßen und Gläsern.

Waagen und Fotoapparate

Helmut Engels Leidenschaft für alte Waagen, Maße und Gewichte fing vor gut 30 Jahren in Dublin an, als er auf einen Flohmarkt in der Stadt eine alte englische Waage mit entsprechenden Gewichten entdeckte. Seit dieser Zeit sammelt er systematisch aus diesem Bereich stammende interessante Exponate in unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Zahlreiche Exemplare aus mehreren Jahrzehnten stellt Helmut Engel in Burgdorf erstmals in einer Ausstellung vor. Zudem sind alte Reklame- und Feuerwehrschilder zu sehen, die eine weitere Facette seiner Sammlertätigkeit widerspiegeln. „Um mich mit anderen Sammlern auszutauschen, bin ich seit einiger Zeit Mitglied von ‚Maß und Gewicht – Verein für Metrologie', bei dem sich alles um Waagen, Gewichte, Längenmaße, Hohlmaße oder Münzwaagen dreht“, verrät Helmut Engel.
Armin Baur hat ein lebenslanges Interesse für Feinmechanik und Optik, das ihn schon in seinem Berufsleben prägte. Im Ruhestand intensivierte er seine Sammlertätigkeit. Die von ihm bis heute kontinuierlich weiterentwickelte Kamerasammlung umfasst den Zeitraum von 1910 bis 2006. Über 120 Kameras vollziehen die Entwicklung der fotochemischen Bildgebung nach. „Zu meiner in ihren wichtigsten Teilen im Stadtmuseum ausgestellten Sammlung gehört neben den Fotoapparaten eine Vielzahl von Zubehör wie Belichtungsmesser, Entfernungsmesser, Filter, Blitzgeräte, Naheinstell-Geräte sowie zeitgenössische Literatur und natürlich historische Fotos“, kündigt Armin Baur an.

Ansichtskarten und alte Taschenbücher

Holger Rudolf Evers sammelt seit seinem 5. Lebensjahr Briefmarken und ist seit vielen Jahren auch in Vereinen und Verbänden in die Vorstandsarbeit eingebunden. Seit 12 Jahren agiert er als Vorsitzender des Briefmarkensammer-Clubs-Burgdorf e.V.. Zudem fungiert er als Landesringvorsitzender der „Jungen Briefmarkenfreunde“ in Niedersachsen-Bremen. Holger Evers wirkt auch als internationaler Aussteller und Preisrichter in der Philatelie, wenn es u.a. um die Themen Königreich Hannover und Postgeschichte der Färöer-Inseln geht. In der Ausstellung zeigt er Burgdorfer Ansichtskarten und Fotos von 1900 bis heute, die er ebenfalls mit großer Leidenschaft in seine Sammeltätigkeit aufgenommen hat.
Christoph Adolph zeigt in der Ausstellung seine Sammlung von Playmobil-Spielfiguren. Das von dem Unternehmer Horst Brandstätter seit 1974 vertriebene Lieblingsspielzeug unzähliger Kinder genießt einen Kultstatus. „Ich finde es auch als Erwachsener nach wie vor faszinierend, dass man mit Playmobil eine endlose Vielfalt von Szenen aus der realen Welt detailgetreu nachspielen kann“, meint Christoph Adolph. Mit der gleichen Begeisterung widmet er sich „rororo“-Taschenbüchern aus der Nachkriegszeit. Von den ab 1950 erschienenen Büchern hat er mehrere hunderte Exemplare nach zahllosen Flohmarktbesuchen zusammengetragen. Sie sind für eine „Wanderung durch die Weltliteratur“, da der Rowohlt-Verlag, der zu den wichtigsten Verlagen der Nachkriegszeit gehörte, im Rahmen der „rororo“-Reihe bekannte Werke von vielen international renommierten Schriftstellern wie z.B. Hans Fallada, Graham Greene, Albert Camus oder Ernest Hemingway zu erschwinglichen Preisen veröffentlichte. Zudem beeindruckten ihn die kunstvoll gestalteten Titelbilder, für die die beiden Künstler Gisela Pferdmenges und Karl Gröning jr. von 1950 bis 1961 verantwortlich zeichneten. Viele Bücher enthalten auch persönliche Widmungen, die widerspiegeln, dass sie oftmals als Geschenke zu besonderen Anlässen bestimmt waren. Bis heute sind rund 18 000 rororo-Bände erschienen.

Biergläser und Hanomag-Modelle

Ulrich Schulz ist Mitglied im Verein der Freunde historischer Fahrzeuge in Immensen, der regelmäßig mit Fahrzeugausstellungen auf den Burgdorfer Pferde- und Hobbytiermärkten vertreten ist. Zudem hat er eine Sammelleidenschaft für Gläser und Bierkrüge einer großen regionalen niedersächsischen Brauerei entwickelt. „Ich traf auf sie zuerst in meinem Wohnort Schwüblingsen, an dem es früher zwei Wirtshäuser gab, die ausschließlich deren Bier ausschenkten. Meine Sammlertätigkeit begann in den 1990er Jahren, als ich von dem letzten noch übrig gebliebenen Gastwirt in Schwüblingsen ein Glas geschenkt bekam, auf dem in verschiedenen Sprachen ein Trinkspruch aufgedruckt war“, berichtet Ulrich Schulz. Mittlerweile besteht seine Sammlung aus 50 Gläsern und Krügen aus den 1950er Jahren bis in die heutige Zeit.
Gerhard Rickert, Ingenieur im (Un-)Ruhestand, interessiert sich schon seit vielen Jahren für die die Historie der Mobilität. Aktuell kümmert er sich im VVV um die Radfahrgalerie Burgdorf und ist einer der Organisatoren des VVV-Oldtimertreffs. Überdies ist er Beisitzer im Vorstand des „Verein zur Förderung der Mobile Welten e.V.“ und stellvertretender Vorsitzender der „Hanomag Interessengemeinschaft e.V.“. Gerhard Rickert ist auch begeisterter Sammler von Fahrzeugmodellen, die der mittlerweile verstorbene Heinrich Hunte als Mitglied der Hanomag Interessengemeinschaft gebaut hat. „Hunte schuf formvollendete Modelle im Maßstab von 1:10 aus Buchenholz, die überwiegend Fahrzeuge der Hanomag-Werke nachbilden“, erklärt Rickert. Das Unternehmen mit der vollständigen Bezeichnung Hannoversche Maschinenbau AG produzierte von 1871 bis 1984 Baumaschinen, Lkws, Ackerschlepper, Zugmaschinen und in geringerem Umfang Pkws. Zusätzlich hat Heinz Hunte einige wichtige Schritte der Fahrzeugentwicklung wie z.B. den Farnier-Dampfwagen von Nicolas Cugnot, der 1770 das erste sich selbst bewegende Fahrzeug war, aus Holz rekonstruiert. Die in der Ausstellung gezeigten Modelle repräsentieren fast die komplette Sammlung von Heinrich Hunte. Zu sehen sind u.a. ein „WD Großpflug“ von 1919 oder ein kleiner Hanomag 2/10 „Kommissbrot“ von 1927.

Teddybären und Filmplakate

Ulrike Meissner widmete sich in ihrem Leben vielen unterschiedlichen Hobbys: Drucktechniken wir Linoldruck, Tiffany-Glaskunst, Malen mit Kreide, Puppen herstellen, Marionetten bauen und vielem mehr. Ihre große Leidenschaft ist das Nähen von Teddybären, von denen mittlerweile über dreihundert Exemplare ihre Sammlung bereichern und nun erstmalig in der Ausstellung gezeigt werden.
Christian Lindemann ist seit Anfang 2016 Geschäftsführer des „Neuen Schauburg“-Kinos, das ab 1998 seine Eltern Heidrun und Barthold Lindemann leiteten. Seit der Gründung im Jahr 1931 befindet sich das einzig verbliebene Burgdorfer Filmtheater im Familienbesitz. „Schon in meinen Kindertagen bin ich mit der schillernden Welt der Kinounterhaltung auf eine sehr emotionale und prägende Weise verbunden gewesen“, bekennt Lindemann. Im Erwachsenenalter entwickelte er wie seine Eltern ein Faible für das Sammeln von Filmplakaten zu zahlreichen Kassenschlagern und Klassikern des Tonfilms. Heute umfasst seine umfangreiche Sammlung mehrere hunderte Filmplakate aus allen Genres, die er in einer Auswahl den Besuchern des Stadtmuseums vorstellt.