„Unter einem Dach“ in der Stadtbücherei

Staunen und Schmunzeln war angesagt, als Amir Baitar und Henning Sußebach (r.) in der Burgdorfer Stadtbücherei aus ihrem gemeinsamen Buch „Unter einem Dach“ lasen. (Foto: Georg Bosse)

Eine gelungene Integrationsgeschichte zum Staunen und Schmunzeln

BURGDORF (gb). Der (Neu-)Anfang in dem fremden Land begann mit viel Pech. Wegen eines defekten Schleuser-GPS landete der syrische Flüchtling Amir Baitar in einem sächsischen Flüchtlingsheim statt in Bayern. Eine erneute Wendung trat ein, als der junge Akademiker aus einer Kleinstadt am Euphrat den Bus nach Berlin mit Umsteigemöglichkeit nach Hamburg besteigt. Denn unweit der Hansestadt hat sich die Familie Sußebach entschieden, den Kriegsflüchtling unter ihrem Dach zu beherbergen.
„Das war der Schritt aus einer sächsischen Flüchtlingsunterkunft heraus in eine bürgerlich-deutsche Vierköpfigkeit am Rande von Hamburg“, erzählte „Gastvater“ Henning Sußebach, mehrfach ausgezeichneter Redakteur der Wochenzeitung „Zeit“, am vergangenen Freitag in der Stadtbücherei Burgdorf. Sußebach hatte Amir Baitar mitgebracht, um aus ihrem gemeinsam verfassten (Tage-)Buch „Unter einem Dach“ vorzulesen.
Familie Sußebach hatte ihrem muslimischen Gast ein 5 mal 3 Meter großes Zimmer ausgeräumt, in das dieser mit einer Plastiktüte und einer Sporttasche einzog. „So viel Platz für mich hatte ich vorher nicht gekannt“, bekannte Baitar. Spätestens jetzt taten sich die ganz banalen (Alltags-)Fragen auf. Die Familie fragt sich beispielsweise: „Wie gläubig ist er? Was macht die leere Cola-Flasche im Bad?“ Und Amir Baitar rätselte: „Wo kann ich beten? Kann ich aus einem Glas trinken, aus dem schon mal Alkohol getrunken wurde?“
Schnell wird den gut 60 Zuhörern klar, dass die Geschichte zum Staunen und Schmunzeln reich an Missverständnissen und komischen Überraschungen sein wird.
Im Wechselspiel erzählen Henning und Amir von ihren gegenseitigen und gemeinsamen Erfahrungen. Mit ironischer Leichtigkeit sind Sußebachs Selbstreflexionen formuliert. Die persönliche und ehrliche Herangehensweise macht „Unter einem Dach“ zu einem außergewöhnlichen Buch. „Wir kennen nun unsere Vorbehalte und Vorurteile“, sagt Henning Sußebach. Und Amir Baitar hat mittlerweile die Freiheiten in diesem Land schätzen gelernt.