Über die Zeit, „als die Technik in Burgdorf einzog“

Das elektrische Zeitalter beginnt in Burgdorf 1895 mit der Inbetriebnahme des neuen Elektrizitätswerks. (Foto: SMB)

Stadtführung zu den Anfängen des industriellen Zeitalters am 1. Juni

BURGDORF (r/jk). Unter welchen Voraussetzungen geschah Burgdorfs Anschluss an die technische Entwicklung? Wie erlebten die bis dahin ackerbürgerlich geprägten Einwohner den Übergang zur modernen Kleinstadt an der Schwelle zum 20. Jahrhundert? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der dritten Stadtführung der Saison, zu der Stadtmarketing Burgdorf (SMB) am Sonntag, 1. Juni, um 14.00 Uhr einlädt. Treffpunkt ist der Wicken-Thies-Brunnen auf dem Spittaplatz.
Stadtführerin Brigitte Janssen befasst sich in ihrer Führung mit den Veränderungen, die sich durch die Stadterweiterung nach dem Brand von 1823 und der Fertigstellung der Eisenbahnlinie im Jahr 1845 in Burgdorf vollzogen. Im Gebiet zwischen der neu entstandenen Straße „Hannoversche Neustadt“ und dem Bahnhof siedelten sich in den folgenden Jahrzehnten viele Industriebetriebe an, die ihre Produktionsstätten mit einer fortschrittlichen maschinellen Ausstattung ausrüsteten. Sie ebneten den Weg für die schrittweise Anpassung des städtischen Wirtschaftsgefüges an das um die Wende zum 20. Jahrhundert rasant fortschreitende Industriezeitalter. Zu diesen Unternehmen gehörten die noch heute existierende Silberwarenfabrik Otto Kropp, die Nudelfabrik der Gebrüder Hansmann (1890 bis 1955) und die von dem Unternehmer Ludwig Warnecke 1892 gegründete „Burgdorfer Konservenfabrik”, die den Burgdorfer Spargel bis ihrer Schließung Ende der 1960er Jahre europaweit bekannt machte.
Um die Kinder für die gestiegenen Bildungsanforderungen zu wappnen, baute die Stadt in der Hannoverschen Neustadt 1873 die erste stadteigene Bürgerschule. Auch der erste Zeitungsverlag, das spätere „Burgdorfer Kreisblatt”, hatte hier mit der Druckerei Rumpeltin seinen ersten Standort. Die Erfindung des Automobils führte zur Gründung zweier Autowerkstätten in der Hannoverschen Neustadt. Ganz in der Nähe, in der Schmiedestraße, stand ab 1895 das erste und einzige Elektrizitätswerk, das Burgdorf je beherbergte. Straßenpflasterung, der Bau von Bürgersteigen, Straßenbeleuchtung, Kanalisation und Wasserversorgung waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts wichtige Themen für die Stadtväter. Rege Bautätigkeit führte zur Entstehung von Gebäuden wie dem Kaiserliches Postamt (1894), der Genossenschaftsmolkerei (1894) und der Landwirtschaftliche Absatzgenossenschaft (1896). Als am 25. Dezember 1931 das „Schauburg“-Kino seine Pforten öffnete, zog auch die Tonfilmära in Burgdorf ein.
Teilnehmerkarten gibt es bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2, Tel. 05136/1862.