Treffliche Talkrunde in der TSV-„Tribüne“

„Florian Meyer ist im Schiedsrichterwesen weit über den norddeutschen Raum hinaus ein Leistungsträger und dabei noch ein feiner Kerl“, stellte der stellvertretende TSV-Vorsitzende Markus Wzietek (re.) den prominenten Talkgast (li.) vor. (Foto: Georg Bosse)

FIFA-Schiedsrichter Florian Meyer zu Gast im „Club 100“

BURGDORF (gb). Am vergangenen Donnerstagabend hatte die Interessenvertretung „Club 100“ der TSV Burgdorf einen der renommiertesten deutschen FIFA-Fußballschiedsrichter zu Gast. Florian Meyer, gebürtiger Braunschweiger und heute in Burgdorf beheimatet, stellte sich im TSV-Vereinsheim „Tribüne“ Fragen zu seiner Schiedsrichterkarriere im Deutschen Fußball-Bund (DFB) und spickte dabei seine Aufführungen mit teils erheiternden Vorfällen auf nationalen und internationalen Spielfeldern.
Diese vom „Club 100“ initiierte Talkrunde leitete Florian Meyer erst einmal mit einem Lob für die neue TSV-„Tribüne“ ein. Der beste Unparteiische der Bundesliga-Saison 2008/2009, der für den RSV Braunschweig an der Pfeife ist, entdeckte seine Leidenschaft für das Refereewesen im Alter von 14 Jahren in der niedersächsischen „Löwenstadt“, die in der kommenden Bundesligasaison 2013/2014 mit Eintracht Braunschweig wieder in der deutschen Eliteliga vertreten sein wird. In die „Gefahr“, eine Punktspielbegegnung zwischen den „Roten“ und den „Blau-Gelben“ zu leiten, wird der (noch) 44-Jährige nicht kommen. Dem stehen Regularien des DFB entgegen, die bei einer solchen Konstellation keine Schiri-Ansetzungen aus dem gleichen Landesverband (NFV) vorsehen.
„Alle menschlichen und technischen Hilfsmittel, die mich dabei unterstützen in einem Spiel regelgerechte Entscheidungen zu treffen, sind richtig“, entgegnete Meyer auf die Frage nach Torlinien-Kameras und dem vierten Schiedsrichter auf Höhe der Trainerbänke. „Bei Überreaktionen schießen manche Trainer doch schon mal über ihre Coachingzone hinaus“, erklärte der passionierte Referee und wies dabei auf das beruhigende Einwirken seiner Kollegen auf die emotional engagierten Protagonisten hin. Freilich ohne Namen zu nennen. Die neue Torlinien-Technologie kommt derzeit erstmals beim Confederations-Cup 2013 in Brasilien zum Einsatz.
Auf eine Fußballpartie, bei der sich 22 verschiedene Spielercharaktere begegnen, bereitet sich Florian Meyer mit seiner eigenen Strategie vor, die er nach gut 30 Jahren erworbener Routine und Menschenkenntnis in zahlreichen Stadien der Welt entwickelt hat. Jede Situationsentscheidung sei immer im jeweiligen Kontext des Spiels zu sehen. Und das sind immerhin alles in allem 230 bis 250 Schiri-Entscheidungen pro 90-minütiger Partie, bei gerade mal rund 60-minütiger effektiver Spielzeit. Dabei seien nicht nur die gelben und roten Karten, sondern auch die Körpersprache einzusetzen, um mögliche Konsequenzen für die Kicker anzuzeigen oder anzuwenden, so Meyer: „Nicht nur Fouls sollen geahndet, sondern auch die Spieler vor eigenem Fehlverhalten bewahrt werden.“ Dabei widersprach er der weit verbreiteten Ansicht vieler Fußballfans, dass im Bundesliga-Alltag kleinlicher als auf internationalen Bühnen gepfiffen werde.