Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!

Melanie und Sebastian Kade fuhren 8000 Kilometer durch China mit dem Fahrrad. (Foto: Dana Noll)
 
Mit einem fantastischen Ausblick wird das Quartier aufgeschlagen. (Foto: Kade)

Melanie und Sebastian Kade fuhren 8000 Kilometer mit dem Fahrrad durch China

BURGDORF (dno). Träume nicht dein Leben..., sondern lebe deinen Traum! Gemäß diesem Motto sind die Burgdorfer Melanie und Sebastian Kade in diesem Jahr aufgebrochen, um das ganz große Abenteuer zu erleben: 8.000 Kilometer mit dem Fahrrad quer durch China!
Die Idee war recht schnell geboren: Melanie Kade studierte Sineologie und gemeinsam mit ihrem Mann Sebastian hatten sie schon mehrmals als Tourist China besucht. Die Leidenschaft für dieses gewaltige Land voller Gegensätze, diese unbeschreibliche Natur und die netten Menschen haben sie seitdem nicht mehr los gelassen. Doch auf einer Urlaubsreise lässt sich ein Land nur im Ansatz erkunden, die Kades wollten mehr!
Bevor es in den Ernst des Lebens geht, wollten beide noch ein richtiges Abenteuer erleben. Und während es bei vielen bei dem Wunsch bleibt, haben Melanie und Sebastian konsequent zwei Jahre lang an der Verwirklichung ihres Traumes gearbeitet. Das hieß vor allem neben dem Studium Geld verdienen, sparen und auf vieles zu verzichten. Dann wurden Outdoorbekleidung und Campingausrüstung gekauft und es wurde nach einem passenden Fahrrad Ausschau gehalten. Auf einer Messe fanden sie das passende Modell und noch dazu ein offenes Ohr beim Hersteller. Dieser war von der Idee so begeistert, dass er lediglich die Materialkosten für die handgearbeiteten Räder in Rechnung stellte und den Rest großzügig sponserte.
Am 28. Januar 2014 ging es dann - gut geimpft - endlich los: von Berlin über Istanbul nach Bishkek. Im Gepäck zwei Fahrräder, 60 Kilogramm schwere Rucksäcke gefüllt mit Zelt, Isomatten, Kochtöpfen, T-Shirts, Hausapotheke und – eine kleinen Maus! Auf das Maskottchen aus Gummi, ein Geschenk von Sebastian, wollte Melanie nicht verzichten. Und noch ein bisschen Luxus kam ins Reisegepäck: zwei Schlafanzughosen. „Damit können wir es uns wenigstens ein bisschen heimelig abends im Zelt machen“, so Melanie Kade.
Doch die Romantik blieb auch oft auf der Strecke. „Wir haben die Natur echt unterschätzt“, so Sebastian. Zwei Wochen Rekordwinter in China bescherte den Radfahrern teilweise minus 35 Grad Celsius! „Doch noch schlimmer war die Hitze“, sind sich beide einig. Wenn wir hier von tropischen Temperaturen träumen, liegen wir dabei in der Hängematte mit einem kühlen Getränk. Die Kades saßen bei teilweise 46 Grad Celsius auf dem Rad und legten enorme Tagesdistanzen zurück. Immer begleitet von Melanies kleiner Musikbox und dem Willen durchzuhalten. Nicht ganz einfach, denn schon bis zum Mittag waren 12 Liter Wasser geleert. Und auch der tägliche Verbrauch von circa 5.000 Kalorien musste abends im Zelt wieder ausgeglichen werden. Und so gab es viel Nudeln, frisches Gemüse, Eier und ganz viel Kekse!
„Man lernt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das Leben wird plötzlich von Notwendigkeiten bestimmt“, so Sebastian. Und Melanie fügt hinzu: „Diese Reduktion war das Spannendste. Man ist überrascht, zu was der menschliche Körper imstande ist.“ Und obwohl sich die Fitness mit jedem Kilometer steigerte, bekam der Begriff „Reisefieber“ plötzlich eine ganz neue Bedeutung. Beide erkrankten in Malaysia nach einem Mückenstich am Dengue Fieber. Fast vier Wochen wurden sie behandelt und fühlten sich krank und schlapp. Auch zwei Naturspektakel, die gegensätzlicher nicht sein konnten, machten die Reise zu einem gefährlichen Abenteuer. Ein Orkan in der Steinwüste brachte das kleine Zelt abends an seine Grenzen. Bei minus 10 Grad Celsius bibberten und zitterten die Kades bis zum Morgengrauen. Und dort, wo die Gobi Wüste in das Tibetische Hochplateau übergeht, mussten die beiden nicht nur zwei Tage ihr Fahrrad steil schieben, sondern kamen auch in einen Schneesturm.
Doch die sagenhaften Impressionen, an den Tagen, als die Sonne schien und man die Pässe überquerte, waren unbeschreiblich. „Das Land ist so groß und voller Gegensätze“, so Sebastian fasziniert. Unbeschreiblicher Reichtum und Moderne in den Städten trifft auf Armut und Lehmhütten in den Dörfern. „Die Menschen sind so unglaublich hilfsbereit und herzlich“, schwärmt Melanie.
Da das Zelten, gerade in den Städten, oft schwierig war, gönnten sich die beiden ab und zu den Luxus, in ein Hotel zu gehen. Dafür legten sie auch die längste Tagesdistanz von 105 Kilometern zurück. Der Wunsch nach einem Bett und einer Dusche ließ die Meilen vorüber fliegen. „Denn wer mit seinem Wasser haushalten muss, der überlegt zweimal, ob er es zum waschen verwendet“, so Sebastian augenzwinkernd.
Sogar bei der Polizei verbrachten die Kades eine Nacht. Als kein freies Hotelzimmer zu finden war, kamen zwei hilfsbereite Polizistinnen und quartierten Sebastian und Melanie Kade in ein Zimmer des nahegelegenen Ausbildungszentrums ein. „Wir waren völlig überrascht, die Gastfreundschaft war umwerfend“, so die Reaktion.
Melanie und Sebastian Kade wollten das große Abenteuer erleben, „den Kopf frei kriegen“ und die Natur mal anders kennen lernen. Doch bekommen haben sie weit mehr. Ein Land in seiner Gesamtheit zu erleben, über das es viele Vorurteile gibt, alte Kulturschätze zu entdecken und auf Menschen zu treffen, die an Großmut und Herzlichkeit kaum zu übertreffen sind.
Auf die Frage, ob sie so einen Trip nochmal machen würden, zögern sie nicht und antworten mit einem beherzten „Ja“, auch wenn die Maus dann wieder mit muss...