Techniker zeigen anspruchsvolle und alltagstaugliche Lösungen

Abgaswärme nutzen und in elektrische Energie umwandeln: Dass immer noch mehr geht, zeigt das erste Team: Fabian Stuhlert, Tobias Graupmann, Andreas Schiele, Sebastian Scholz, Daniel Rohnke, Edgar Schlegel (v. l.). (Foto: Daniela Rosendahl)

Präsentation der Projekte der Fachschule Fahrzeugtechnik

ALTKREIS BURGDORF (r/jk). Innovativ, visionär, professionell: Vier Projektarbeiten der Absolventen der Fachschule Fahrzeugtechnik wurden vor zahlreichen Gästen in der BBS Burgdorf vorgestellt. Die Präzision der Ergebnisse und die hohe Präsentationskompetenz der Absolventen faszinierten die Zuhörer. „Problemlösekompetenz, Durchhaltevermögen und vieles mehr: An diesen über ein Jahr angelegten Projektarbeiten erleben die Techniker vielfältige Herausforderungen“, fasst Christoph Falkner, Leiter des Koordinationsbereichs Fahrzeug- und Metalltechnik, den Erfolg der Veranstaltung zusammen. „Und interessanterweise gehen die Ideen für zukunftsweisende Themen nie aus.“
Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft, der Handwerkskammer, von Innungen, Prüforganisationen, anderen Schulen sind angereist. Großes Interesse zeigten die Zuhörer an den komplexen Präsentationen der 25 Fachschüler: Vier Teams hatten sich gebildet, um Problemstellungen moderner Fahrzeugtechnik systematisch auf den Grund zu gehen. Dabei zeigten zwei Teams neuartige Entwicklungen zur verbesserten Energieeffizienz, ein Team entwickelte ein Einpark-Notbremssystem zur zusätzlichen Sicherheit, ein weiteres Team zeigt ein Sitzmodell, dass vor allem älteren Fahrern und Menschen mit Handicaps das Ein- und Aussteigen erleichtert.
„Während unserer Ausbildung waren wir immer wieder damit konfrontiert, den Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren weiter zu steigern, wir haben in diesem Projekt einen Thermogenerator eingebaut, der die Wärme des Motors in elektrische Energie umwandelt und damit die Tagfahrleuchte des PKW versorgt “, beschreibt Fabian Stuhlert die Projektidee des ersten Teams um Teambetreuer und Lehrer Uwe Ellebrecht. Spannend für die Praxis: Dabei hatten die Techniker lediglich ein Budget von 1200 Euro zur Verfügung.
Das Team um Teamleiterin Anette Achmus hatte auf Parkplätzen beobachtet, dass ältere Fahrer häufig nur mit Schwierigkeiten ein- und aussteigen können und haben ein Modell entwickelt, bei dem herkömmliche Sitze mit einem Komfortsystem nachgerüstet werden können. „Dabei schwenkt dann der Sitz um 42 Grad, um bequem und sicher ein- oder aussteigen zu können“, berichtet das Team stolz vom Erfolg der Entwicklung. Unterstützt wurde die Idee durch die Auto-Technik-Firmen pameko GmbH und Brose, deren Leiter der Abteilung Sitzverstellungen Gregor Kröner direkt im Anschluss an die Präsentation intensive (Bewerbungs-)Gespräche mit den jungen Entwicklern geführt hat.
Das Arbeitsteam um Teambetreuer Björn Sannwald entwickelte einen Einpark-Notbremsassistenten für Elektrofahrzeuge: „Das Auto bremst selbstständig, wenn ein Hindernis auftaucht. Innovativ ist hier, dass wir eine Lösung für E-Fahrzeuge gesucht haben“, beschreibt Andre Krumscheid vom Team die Entwicklung. Technik und Knowhow wurde von der Firma Rücker aus Gifhorn zur Verfügung gestellt „Die Schwierigkeit lag darin, dass es sich um einen Eingriff in die Motortechnik handelt und wir mit den eingesetzten Ultraschallsensoren ein Reichweitenproblem hatten“, beschreibt das Team das gelungene Projektergebnis, das jetzt von Rücker übernommen wird.
Und noch eine Innovation konnte bestaunt werden: Das vierte Team demonstrierte ein intelligentes Verkehrsleitsystem am Beispiel einer kommunikativen Ampelanlage. „Zwar haben moderne Fahrzeuge meist ein Start-Stopp-Automatik, doch weiß ein Fahrer nicht, wie lange ein Ampelphase noch dauert und ob es sich lohnt, dass der Motor noch abgeschaltet wird.“, erinnert sich Dennis Hayes an den Beginn der Arbeit. „Technisch wurde wir von der IAV unterstützt“, berichtet Teammitglied Daniel Hehn.
Während einer Pause mit Imbiss und Getränken suchten zahlreiche Vertreter von Unternehmen der Branche das Gespräch mit den Absolventen. „Die Präsentationen funktionieren tatsächlich als Jobbörse. Und: Unsere Absolventen sind gefragte Fachleute, ihr Einsatzgebiet liegt an der Schnittstelle zwischen der Theorie und der Praxis“, freut sich Schulleiter Gerhard Klaus über den Erfolg und die Dynamik der Veranstaltung. „Viele der diesjährigen Absolventen haben bereits einen Arbeitsvertrag in der Tasche, anderen liegen mehrere Angebote vor“, bilanzieren die Teams, „wir kommen aus der Praxis, und das ist uns auch in der Zukunft wichtig!“
Ab September startet an der BBS wieder ein neuer Bildungsgang über zwei Jahre. „Unsere Absolventen konkurrieren mit FH-Ingenieuren, ihr Vorteil ist aber, dass sie praxisbezogene Lösungen finden, da sie handwerkliche Kompetenzen mitbringen“, resümiert Falkner und wünscht allen Absolventen eine glückliche Hand bei der Wahl der zukünftigen Arbeitgeber.