„Technik im Kinderzimmer – Spielzeug aus der Zeit von 1860 bis 1960“

Wie die Technik in die Kinderzimmer einzog, zeigt die neue Ausstellung im Burgdorfer Stadtmuseum. (Foto: VVV Burgdorf)

Ausstellung im Stadtmuseum von 5. September bis 1. November

BURGDORF (r/jk). Wie die Technik in die Kinderzimmer einzog und den Spielalltag veränderte, zeigt eine neue Ausstellung, die der VVV, der Förderverein Stadtmuseum und die Stadt Burgdorf präsentieren. Die Veranstalter geben der Schau den Titel „Technik im Kinderzimmer – Spielzeug aus der Zeit von 1860 bis 1960“. Sie ist von Sonnabend, 5. September, bis Sonntag, 1. November, im Stadtmuseum (Schmiedestraße 6) zu sehen. Sämtliche Exponate stammen aus der Spielzeugsammlung von Rüdiger Schwerz. Fördernde Unterstützung leistet die Stadtsparkasse Burgdorf. Im Rahmen der Eröffnung am 5. September sind die Besucher zu einer Führung mit dem Leihgeber Rüdiger Schwerz eingeladen. Beginn ist um 14.30 Uhr. Der Spielzeugsammler bringt auch ein großes Puppenhaus und eine Dampfmaschine zum Ausprobieren für Kinder mit. Für die Ausstellung gelten die gewohnten Öffnungszeiten: sonnabends und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr. Am Region-Entdeckertag, 13. September, gibt es um 14.30 Uhr eine weitere Führung.
Die beginnende Industrialisierung mit ihren neuen Technologien brachte auch Schwung in die Spielzeugherstellung. Aus dünn gewalzten Blechen ließen sich nun Menschen- und Tierfiguren, Häuser und Fuhrwerke in hohen Auflagen herstellen. Eisen war der zentrale Werkstoff der neuen Spielzeugepoche. Das Zeitalter der industriellen Revolution fand seine Nachahmung in der Kinderwelt. Dampfmaschinen im Kleinformat erfreuten das Herz der Söhne, mondän ausgestattete Puppenhäuser die Töchter aus gutem Hause. Und der Fortschritt im Kinderzimmer hielt an. 1895 brachte die damals noch junge Firma Märklin erste schienengebundene und dampfbetriebene Spielzeugeisenbahnen auf den Markt, die einige Jahrzehnte später, wie ihre Vorbilder, elektrifiziert werden sollten. Größter Konkurrent war seit 1938 die Firma Fleischmann, die originalgetreue Eisenbahnmodelle im Zweileiter-Gleichstrom-System auf den Markt brachte und bis 1969 auch Dampfmaschinen für die Kinderzimmer produzierte.
Heute scheint die Spielzeugwelt in technischer Hinsicht grenzenlos zu sein. Welcher Weg bis dahin zurückgelegt werden musste, zeigt die Spielzeugausstellung im Stadtmuseum mit zahlreichen Exponaten, die aus der Zeit von 1860 bis 1960 stammen und damit die rasante technische Entwicklung von der industriellen Revolution bis in die Wirtschaftswunderjahre widerspiegeln. Beim Rundgang durch die Ausstellung stoßen die Besucher auf Eisenbahnen unterschiedlichster Hersteller, Roller, funktionsgetreue Dampfmaschinen, Corgitoys, Puppenherde, Tretautos und – flugzeuge sowie Wiking-Autos. Kunststoff-Modellautos der Unternehmens Wiking-Modellbau sind seit dem Jahr 1936 erhältlich. Die Bandbreite der Konstruktionen reicht vom einfachen PKW über Tankwagen bis zum Löschfahrzeug. Ältere Sammlerstücke erzielten auf Spielzeugbörsen fünfstellige Verkaufserlöse. Auf eine über 60-jährige Tradition blicken die Modelle der englischen Corgi Classics Limited zurück, deren Corgitoys seit 1956 als Modellnachbildungen von Automobilen, Flugzeugen und Panzern die jungen Spielzeugnutzer begeistern. Weitere Unternehmen, die die technischen Errungenschaften auf ihre Spielzeugmodelle übertrugen, waren die Carrera Spielwarenfabrik (Autorennbahnen), Bing Werke AG (Modelleisenbahnen und TRIX-Modellbaukästen), Doll & Co. (Dampfmaschinen und Modelleisenbahnen) und die Ernst Plank KG, die schon ab 1866 Spielzeug-Dampfmaschinen produzierte.