Taschentücher gegen häusliche Gewalt

Vor dem Edeka-Markt in Sehnde wurden Taschentücher durch Brigitte Mende von der AWO-Frauenberatungsstelle für Burgdorf, Lehrte, Sehnde und Uetze (2.v.l.), Schülerin Dilara Dal und Cansel Friedrich sowie Rüdiger Rost (rechts) von der Polizei an Passanten verteilt,

Aktionen in Sehnde anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt

SEHNDE (dno). 53 Fälle von häuslicher Gewalt wurden zur Anzeige gebracht. Obwohl diese Zahl steigt, liegt die Dunkelziffer noch weitaus höher. „Es braucht sieben Einsätze der Polizei, bis die Gewaltspirale durchbrochen wird und die betroffenen Personen die Tat zur Anzeige bringen“, erklärt Jennifer Glandorf, Gleichstellungsbeauftragte Sehnde.
Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt am 25. November wurden auf Initiative der Gleichstellungsbeauftragten Sehnde und in Kooperation mit dem Arbeitskreis Häusliche Gewalt des Sehnder Präventionsrates und dem Runden Tisch gegen häusliche Gewalt in Seelze und Garbsen, Aktionen durchgeführt. So wurden im Rathaus sowie vor den Märkten von rewe und Edeka in Sehnde 500 Päckchen Taschentücher verteilt, die unmissverständlich zum Ausdruck bringen wollten, „Wir haben die Nase voll von häuslicher Gewalt!“
„Wir möchten auf das Thema aufmerksam machen und dafür sensibilisieren. Auch wenn es mich persönlich nicht betrifft, vielleicht aber jemanden aus der Familie oder dem Bekanntenkreis“, so Jennifer Glandorf, „Auf den Taschentücherpaketen sind die Notrufnummern gedruckt. Wir möchten Betroffene ermutigen, sich Hilfe zu holen.“
Denn auch in Deutschland ist Gewalt gegen Frauen noch immer trauriger Alltag. Jede dritte Frau ist von körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen. Rund 25 Prozent aller Frauen erleben Gewalt in ihrer Partnerschaft. Mehr als die Hälfte der Frauen wurde mindestens einmal in ihrem Leben sexuell belästig.
Die Gewaltformen unterscheiden sich, sind jedoch alle stark belastend für die Opfer und schränken diese massiv in ihrer Lebensqualität ein. Formen häuslicher Gewalt können sowohl rein psychisch als physisch sein. Häufig gehen beide Formen auch einher. Häusliche Gewalt kommt in allen sozialen Schichten, vor jedem Bildungshintergrund und unabhängig der Herkunft vor.
Der Internationale Gedenktag „Nein zur Gewalt an Frauen“ wurde von Frauen aus Lateinamerika und der Karibik ausgerufen. Sie erinnerten damit an die drei Schwestern Mirabal, die am 25. November 1960 vom militärischen Geheimdienst der Dominikanischen Republik gefoltert, vergewaltigt und ermordet wurden.