Stadt setzt auf Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer

Vom Standort vor dem „Wikinger“-Vereinsheim aus fällt der Blick auf das stadteigene Grundstück, auf dem an der Friederikenstraße das Konzept einer Container-Wohnanlage umgesetzt werden soll. (Foto: Georg Bosse)

Einwohnerversammlung zur Container-Wohnanlage für Flüchtlinge

BURGDORF (gb). Die Wissenschaftler des Heidelberger Instituts für Konfliktforschung zählten im vergangenen Jahr weltweit insgesamt 424 politische Konflikte, von denen 21 als Kriege eingestuft werden. Deshalb befinden sich derzeit rund 51 Millionen Menschen auf der Flucht.
Es wird damit gerechnet, dass davon etwa 300.000 Flüchtlinge in Deutschland um Asyl nachsuchen werden. Von ihnen entfallen zirka 30.000 Personen auf Niedersachsen, die von den Städten und Kommunen zwischen Harz und Nordsee menschenwürdig untergebracht werden müssen.
Für Burgdorf sieht die Zuteilungsquote bis Ende September (bislang) 131 Asylbewerber vor. Sehnde: 127, Lehrte: 198, Isernhagen: 122, Burgwedel: 126 und Uetze: 76.
Diese Zahlen und Fakten schickte Stadtrat Michael Kugel der öffentlichen Einwohnerversammlung zur geplanten Wohnanlage an der Friederikenstraße am Dienstag im Burgdorfer Schlosssaal voraus.
52 Asylsuchende und Flüchtlinge leben bereits in Burgdorf. Da alle Unterbringungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, plant die Stadt für die noch zu erwartenden Menschen eine Container-Wohnanlage am Ende der Friederikenstraße unweit des Klärwerkes und des Tierheims.
„Unser Konzept sieht keine Baustellencontainer vor, sondern zweigeschossigen Wohnraum mit 64 Zimmern in einem ansprechenden Äußeren mit Außentreppen als Flucht- und Rettungswege sowie mit Gemeinschaftsküchen und Sanitärbereiche mit WG-Funktion“, erklärte Katrin Frank von der Gebäudewirtschaft. An der nicht abzusehenden Standortdauer sowie daran, dass dort ausschließlich Einzelpersonen leben sollen, entzündeten sich Befürchtungen und Kritik der betroffenen Nachbarschaft.
Während sich die einen Sorgen um einen möglichen Wertverlust ihres Grundstücks, um Stellplätze von Müllcontainern oder um Lärmbelästigungen machen, bat der Vorsitzende des Fanfarencorps „Wikinger“, Ralf Solisch, um die Lösung eines möglichen Parkraumproblems sowie um einen Wohnanlagen-Hausmeister als ständigen Ansprechpartner.
Der Einwurf eines Anwohners, der den Auslauf seines Hundes beeinträchtigt sieht, rief bei der Mehrheit der Anwesenden nur ungläubiges und betroffenes Kopfschütteln hervor. „Als unmittelbare Vereinsheim-Nachbarn der bereits bestehenden Flüchtlingsunterkunft, haben wir bisher keine negativen Erfahrungen mit den Bewohnern gemacht“, betonte der „Wikinger“-Chef.
„Es wird Konflikte geben, aber wir haben als Stadt den Ehrgeiz, die uns zugewiesenen Personen menschenwürdig unterzubringen und zu betreuen. Dabei können wir uns auf die großartige ehrenamtliche Arbeit des Burgdorfer Mehr-Generationen-Hauses (BMGH), des Nachbarschaftstreff am Ostlandring, des Frauen- und Mütterzentrums (MüZe) und der Kirchen stützen“, so Baxmann. Michael Kugel versprach allen berechtigten Bedenken und Befürchtungen Rechnung tragen zu wollen: „Wir bemühen uns um eine Minimalisierung der möglichen Beeinträchtigungen.“ Der Vorsitzende des Sozialausschusses, Hans-Dieter Morich (SPD), nannte dies „Politik mit Herz“.