Spannende Schlaglichter auf „Napoleon und seine Zeit“

Horst Hübner betreut die Burgdorfer Zinnfigurensammlung. (Foto: VVV)

Neue Zinnfigurenausstellung im Stadtmuseum

BURGDORF (r/jk). Der VVV, der Förderverein Stadtmuseum und die Stadt Burgdorf präsentieren vom 14. September bis 27. Oktober eine neue Ausstellung der Burgdorfer Zinnfigurensammlung. Die im Stadtmuseum (Schmiedestraße 6) gezeigte Sonderschau trägt den Titel „Napoleon und seine Zeit“. Sie erinnert an eine der bewegendsten Epochen der französischen Geschichte.
Zu sehen sind detailgetreu nachgebildete militärische und historische Szenen sowie Schaubilder aus dem Alltagsleben des auf Korsika geborenen französischen Kaisers und Feldherrn, der in einer Zeit gewaltiger revolutionärer Umbrüche die Macht an sich riss und schließlich in der Verbannung sein Leben beendete. Heiko Nebel, Vorstand der Stadtsparkasse Burgdorf, eröffnet die Ausstellung am Sonnabend, 14. September, um 11.00 Uhr. Den Einführungsvortrag übernimmt Horst Hübner, Leiter der Burgdorfer Zinnfigurensammlung.
Die für „Napoleon und seine Zeit“ eingerichteten Schaukästen und Großaufstellungen stellen markante Kapitel seines ereignisreichen Lebensweges in den Mittelpunkt und berühren dabei auch das Vordringen des Kaisers bis nach Ägypten, in dem er für die Einrichtung einer modernen Verwaltung sorgte. In den Jahren nach der Machtübernahme im Jahr 1799 gelang es dem zunächst als Erster Konsul auftretenden und danach als Kaiser inthronisierten Napoleon I., das revolutionszerrissene Frankreich vor dem dauerhaften Abdriften in die Anarchie zu bewahren und mit genialem taktischen Geschick sowie riesigen Truppenkontingenten weite Teile Kontinentaleuropas unter seine Herrschaft zu bringen. Erst der Feldzug gegen Russland leitete das Ende seiner Herrschaft ein, die mit der für Frankreich katastrophal ausgehenden Völkerschlacht bei Leipzig 1813 ihrem vorläufigen Zusammenbruch entgegensteuerte.
Seiner ein Jahr später erzwungenen Abdankung folgte der Rückzug auf die Insel Elba. Hier schmiedete Napoleon Pläne für eine erneute Machtergreifung, die er 1815 in die Tat umzusetzen gedachte. Mit neu zusammengestellten Truppen griff er die alliierte Armee der Engländer und Preußen bei Waterloo in Belgien an. Das Schlachtenglück neigte sich schließlich unaufhaltsam auf die Seite der Allierten, die den Truppen Napoleons eine vernichtende Niederlage zufügten. Die Siegermächte schickten den ehemaligen Kaiser in die endgültige Verbannung auf die Insel St. Helena im Südpazifik, auf der ihn 1821 der Tod ereilte. In die Rechtsgeschichte ging Napoleon als Schöpfer des ersten Bürgerlichen Gesetzbuches „Code Napoleon“ ein, das er in Frankreich und den von ihm eroberten Ländern einführte und in dem die elementaren Grundrechte als vom Staat zu garantierende Rechtsgrundsätze Aufnahme fanden.
Die Ursprünge der seit vielen Jahren von Horst Hübner betreuten Sammlung liegen im Jahr 1935, als der von Celle nach Burgdorf versetzte Lehrer Friedrich Schirmer die erste Ausstellung der von ihm seit frühester Jugend zusammengetragenen Zinnfiguren der Öffentlichkeit vorstellte. Schon damals bewunderte die Fachwelt die Präzision der dargestellten Miniaturszenen. In den folgenden Jahrzehnten stellte Schirmer mit zahllosen neuen Zinnfiguren und fantasievoll gestalteten Szenarien aus der Welt- und Regionalgeschichte einen Materialbestand mit einmaligem Charakter zusammen. Nach seinem Tod im Jahr 1973 übernahm die Stadt Burgdorf die in internationalen Fachkreisen hoch angesehene Sammlung, der bis dahin feste Ausstellungsräume verwehrt geblieben waren. 1978 gelang es einigen begeisterten Sammlerfreunden um Friedrich Karl Wiesener und Horst Hübner, die Zinnfiguren mit Unterstützung der Stadtsparkasse Burgdorf in einer Sonderschau einem größeren Publikum wieder zugänglich zu machen. Danach begann die Zusammenarbeit mit dem VVV, der die organisatorische Basis für zahlreichen weitere Ausstellungen schuf, die in regelmäßigen Abständen im Stadtmuseum zu sehen sind. Aktuell umfasst der Fundus über 130 Dioramen und mehr als 200 Kleinaufstellungen mit unzähligen Zinnfiguren. Als Zinnfigurensammlung in kommunalem Besitz ist sie die größte ihrer Art in Deutschland.
Das Stadtmuseum ist sonnabends und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Führungen können in Absprache mit VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich auch in der Woche stattfinden.