„Sieh zu, dass Du unsere Schätze rettest“

Als Eva Brozowsky (r.) von der Rettung der Timbuktu-Manuskripte erzählte, hatte sie nicht nur die Aufmerksamkeit der Burgdorfer Besucher, sondern auch von „Freundeskreis“-Koordinatorin Karin Schibel, Seyba Oumar Coulibaly und Honorarkonsulin Bettina Rhensius-Krohn sowie von Jamal ElOumrany und Mahmoudi Salah (v.l.). (Foto: Georg Bosse)

Vortrag über die (vorläufige) Rettung der Timbuktu-Manuskripte

BURGDORF (gb). 2013 schloss sich das Centre for the Study of Manuscript Cultures (CSMC) der Universität Hamburg den deutschen und internationalen Bemühungen zur Rettung der Timbuktu-Manuskripte im westafrikanischen Mali an. Wegen des kriegerischen Konfliktes in Nordmali (2012) bestand die wahrlich nicht unbegründete Gefahr der totalen Zerstörung der „Schätze afrikanischer Schriftkultur“ durch geschichtsvergessene radikal-fundamentalistische Islamisten.
Zuvor hatten sie das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Mausoleum Sidi Mahmud Ben Amar in Timbuktu dem Erdboden gleich gemacht. Und auch andere denkmalgeschützte Grabstätten fielen der sinnlosen islamistischen Vernichtungswut zum Opfer. Timbuktu gelangte etwa im 14./15. Jahrhundert zum bedeutenden Handelsknotenpunkt und zur Stätte muslimischer Bildung. Der Deutsche Heinrich Barth (1821-1865) besuchte Timbuktu von Herbst 1853 bis Frühjahr 1854 und untersuchte als erster Europäer die Geschichte der Stadt.
Zur anschaulichen Schilderung der Rettung der Timbuktu-Schriften hatte der Burgdorfer „Freundeskreis Mali“ die Dipl.-Restauratorin Eva Brozowsky vom CSMC und die Honorarkonsulin von Mali, Bettina Rhensius-Krohn (Hamburg), ins Burgdorfer Schloss am Spittaplatz eingeladen. Und zur Skizzierung der Geschichte Timbuktus und der politischen Situation in Mali waren die Tuareg Mahmoudi Salah bzw. Jamal ElOumrany im Ratssaal erschienen.
Der aus Mali stammende Burgdorfer Seyba Oumar Coulibaly, Gründungsmitglied des seit 2009 bestehenden Freundeskreises, und Koordinatorin Karin Schibel übernahmen die Vorstellung der Gäste, die Begrüßung der anwesenden Besucher und den kurzen Einstieg ins Thema.
Gemeinsam mit Westafrikaforscher Dr. Dmitry Bondarev gehört(e) Eva Brozowsky einer deutschen Projektgruppe an, die das auf Papier, Pergament und Tierhäuten niedergeschriebene „Gedächtnis Afrikas“ zu retten half. Maßgeblichen Anteil an der heimlichen Rettung der etwa 285.000 Manuskripte hatten die Organisation und die Bemühungen von Dr. Abdel Kader Haïdara: „Sieh zu, dass Du unsere Schätze rettest.“ So konnten die wertvollen Handschriften in 2.400 Kisten unter Gefahr für Leib und Leben innerhalb von acht Monaten in die rund 700 Kilometer entfernte malinesische Hauptstadt Bamako gebracht werden. Dort lagern sie nun unter ungünstigen Bedingungen. „Die Timbuktu-Manuskripte sind jetzt zwar an einem sicheren Ort, aber längst noch nicht in Sicherheit“, unterstrich Eva Brozowsky. Momentan gelten alle internationale Bemühungen, nicht zuletzt die der deutschen Gerda Henkel-Stiftung, der bestmöglichen Behandlung zur Bewahrung jahrhundertealten Wissens.