Schwierige Versöhnung

Beim Treffen des Offenen Frauenkreises der St. Nikolaus-Gemeinde hast Pastor Fidele über sein Heimatland Ruanda berichtet. (Foto: Alfred Donner)

Pastor Fidele setzt sich dafür ein, dass Jugendliche in Ruanda die Gräben zwischen den Volksgruppen überwinden

BURGDORF (r/fh). "Heimat ist da, wo man sich am wohlsten fühlt, ... meine Heimat aber bleibt Ruanda", mit diesen Worten begann Pastor Fidele seinen Vortrag. Ende Februar hatte der Offene Frauenkreis von St. Nikolaus Burgdorf zu einer Kaffeetafel mit anschließendem Bericht von Pastor Fidele über Ruanda im Pfarrsaal eingeladen.
Fidele sprach darüber, wie schwierig sich die Versöhnung zwischen Volksgruppen Ruanda gestalte. 1994 hat das ostafrikanische Land einen Völkermord erlebt. Innerhalb von 100 Tagen haben Angehörige der Hutu Mehrheit etwa 800.000 bis 1.000.000 Tutsi getötet, die niedrigsten Schätzungen gehen von mindestens 500.000 Toten aus.
Selbst die Jugendlichen hätten weiterhin große Vorbehalte gegeneinander. Das habe er als Jugendkaplan in einer Pfarrei und später auch als Schulleiter einer katholischen Schule in Ruanda immer wieder zu spüren bekommen. Deshalb setzt Fidele sich für eine nachhaltige Versöhnung zwischen den Jugendlichen ein. Er hofft, dadurch einen Beitrag zu einer stabilen Zukunft seines Landes leisten zu können.
Das hat ihn auch dazu motiviert, 2014 nach Deutschland zu kommen, um “Pastoralpsychologie und Spiritualität”in Frankfurt am Main zu studieren. In dem Aufbaustuidum möchte er sich Methoden aneignen, die ihm in der Versöhnungsarbeit mit Jugendlichen helfen. Aktuell unterstützt er eine Kindergruppe in Ruanda. Er kauft ihnen beispielsweise Schulmaterial und organisiert Ausflüge, wenn er einmal im Jahr seine Heimat besucht. Mit einer spontanen Sammlung unter den Gästen im Pfarrsaal konnte Karin Lüke vom Offenen Frauenkreis ihm für dieses Vorhaben 150 Euro als Spende überreichen.
Pastor Fidele, dessen vollständiger Name Abbe' Fide'le de Charles Ntiyamira lautet, wurde 2008 in Ruanda zum Priester geweiht. Er hat Pfarrer Martin Karras während seiner Erkrankung in der St. Nikolaus-Gemeinde vertreten. Zurzeit setzt er nun sein Aufbaustudium in Frankfurt fort, wohnt aber weiterhin in Burgdorf.

Ruanda

Ruanda ist ein Binnenstaat in Ostafrika, der aufgrund seines Landschaftsbildes auch das "Land der tausend Hügel" genannt wird. Die meisten Ruander gehören dem Christentum an. Von 1884 bis 1916 war Ruanda deutsche Kolonie, danach belgische Kolonie, 1962 erhielt es seine Unabhängigkeit.